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Technik

Das Jahr 2054

Politik/Weltgeschehen: In China kam es zu schweren Unruhen, als seitens des Militärs die Zentralregierung in Peking für unrechtmäßig erklärt und das allgemeine Kriegsrecht ausgerufen wurde. In den Monaten seit August kam es zu Zusammenstößen regierungstreuer und aufständischer Truppen, die von den Generalen Bo Sun-Wai und Ten Chang angeführt wurden.  In den folgenden Jahren versank China in Chaos eines trotz aller Bemühungen seitens der Regierung nicht mehr einzudämmenden Bürgerkrieges. Binnen weniger Monate zeichnete sich eine Niederlage der regierungstreuen Truppen ab, die kaum mehr als die Landstriche um die Hauptstadt halten konnten. Aus dem Ausland wurde offiziell humanitäre Hilfe angeboten, jegliche militärische Einmischung wurde von beiden Kriegsparteien jedoch abgelehnt.

Wissenschaft/Technik: Das im März diesen Jahres installierte EBRA-Teleskop Kepler-II, das bei weitem leistungsstärkste Projekt seiner Art, wurde kurz nach Inbetriebnahme zerstört. Wissenschaftler aus Brasilien und VEN konnten sich die Umstände nicht erklären und rätseln bis heute über die Vorgänge, die zur Explosion des 11-Milliarden-Euro-Teleskops führten. Die Behauptungen von Verschwörungstheoretikern, China habe das Projekt sabotiert, um seine Vormachtstellung in der Satelliten-Technologie zu verteidigen, erwiesen sich als haltlos. Die UNAISF hingegen vermutet die Grauen oder eines ihrer Sklavenvölker hinter dem Anschlag, da Kepler-II auf Sirius und in Richtung der zentralen Welten der Grauen gerichtet war. Diese Theorie ließ die UNAISF vermuten, dass die Invasionsvorbereitungen der Grauen weiter fortgeschritten seien.

Das Jahr 2051

Politik/Weltgeschehen: Um den für die Versorgung der Industriestaaten mit Energie immer wichtiger werdenden Helium-3-Abbau und -Transport zu beschleunigen, wurde der erste Mond-Orbitalaufzug eingeweiht. Diesmal war es nicht die bisher auf dem Mond eine Vormachtstellung einnehmende EBRA, sondern Indien, das diesen Schritt mit russischer Hilfe vollzog. Schon bald zogen auch China und EBRA mit einem entsprechenden Konstrukt nach, doch der indische Orbitalaufzug blieb bis in die Gegenwart das leistungsfähigste Transportmittel dieser Art zwischen Mondoberfläche und den Mond-Orbitalstationen.

In China gab die Zentralregierung in Peking den immer stärker werdenden separatistischen  Tendenzen, die das Land seit dem indisch-chinesischen Flottenzwischenfall prägten, weiterhin nicht nach. Trotz Protesten seitens internationaler Verbände und anderer Staaten wurden mehrere Wirtschaftsunternehmen, die sich für eine stärkere Eigenständigkeit der wirtschaftlich starken Regionen einsetzten, verstaatlicht. Vom Geheimdienst wurden derweil weitere Säuberungsaktionen innerhalb des Militärs vorangetrieben, denen hochrangige Offiziere zum Opfer fielen. Neben einigen bekanntgemachten Exekutionen wurde einer größeren Zahl von Militärs gestattet, sich „freiwillig in den Ruhestand zu medizinischen Zwecken“  zurückzuziehen.

Das Jahr 2050

Politik/Weltgeschehen: In Indien ging in der Nähe von Bengaluru im Süden des Landes der erste private Kernfusionsreaktor in Betrieb. Seine Tätigkeit läutete einen Wandel in vielen Staaten der Welt ein, da Energie nun auch von – zunächst nur sehr reichen und wenigen – Privatpersonen erzeugt werden konnte und für diese eine gewisse Unabhängigkeit von staatlichen Energieversorgern und entsprechenden Konzernen auftrat.

In China wuchs besonders innerhalb der Armeeführung die Unzufriedenheit mit der rein auf die Wirtschaft ausgerichteten Politik der Zentralregierung und deren, in den Augen des Militärs halbherzigen Vorgehensweise während der Ereignisse von 2048. Daraufhin setzte die Zentralregierung mehrere hochrangige Generäle ab und ließ drei von ihnen exekutieren.

Doch auch in der einfachen Bevölkerung und in wirtschaftlich besser gestellten Kreisen verlor die Zentralregierung an Unterstützung. Die sozialen Probleme des Landes führten zu erneuten Massendemonstrationen, während sich in den wirtschaftlich starken Regionen des Landes, vor allem an der Ostküste, zunehmend separatistische Tendenzen entwickelten, die in den armen und bevölkerungsreichen Gegenden Westchinas einen unnötigen Ballast sahen.

Wissenschaft/Technik: Bei einem Hubschrauberabsturz in Rumänien verlor Vegaard Daehlie, Präsident des VEN-Senats, beide Beine und seinen rechten Arm. In mehrstündigen Operationen wurde sein Leben gerettet und er erhielt in einem aufwendigen Verfahren kybernetische Arm- und Beinprothesen der neusten Generation. In der Folgezeit wurde die Kybernetik alltäglich, wenn sie auf Grund weiterhin bestehender operativer Risiken nur nach Unfällen, nicht zur bloßen Leistungssteigerung des menschlichen Körpers eingesetzt wurde.

Im selben Jahr sorgte SAP-Oracle für Aufsehen, als es seinen ersten Quantencomputer für den Privathaushalt auf den Markt brachte, und somit die Computertechnik der nächsten Dekaden revolutionierte. Mehr noch als zuvor wurde der Computer unverzichtbarer und elementarer Bestandteil des alltäglichen Lebens.

Das Jahr 2046

Politik/Weltgeschehen: In Brasilien wird Präsidentin Maria Mendeles bei der Einweihung eines Kinderkrankenhauses in Belo Horizonte angeschossen und erliegt wenige Stunden später ihren Verletzungen, was jedoch erst nach längerem Zögern Preis gegeben wird. Ein Attentäter wird nicht gefasst, doch die Terrororganisation Söhne der Sonne bekennt sich zu dem Anschlag, die angeblich für die gerechtere Verteilung des brasilianischen Reichtums kämpft und die Armut in den Favelas, den Slums der Großstädte, anprangert. Der bisherige Vize- und nun Übergangspräsident Fleziano Conetrao bietet daraufhin in einer großangelegten Kampagne zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität in den Favelas und der terroristischen Agitationsgruppen nicht nur polizeiliche Kräfte auf, sondern setzt auch das Militär ein, wofür er auch von der schwindenden Mittelschicht Brasiliens Unterstützung erfährt. Wenn auch das eigentliche Ereignis für die Gegenwart eher unbedeutend zu sein scheint, so stellt es doch einen eindeutigen Indikator für die wachsende Kluft in der brasilianischen Gesellschaft und die nicht vorhandene Bereitschaft der Machthaber und der reichen Oberschicht dar, etwas an den ungerechten Besitzverhältnissen zu ändern.

Im Juni erlebte die USA, die ihren eisernen Sparkurs fortgesetzt hatte und die Staatsverschuldung fast gänzlich tilgen konnte, ein Desaster. Am Morgen des 9. Oktober wurden die Bürger mehrerer kalifornischer Küstenstädte gegen 4.37 Uhr aus ihrem Schlaf gerissen, als die Erde mit einer zuvor nie gekannten Stärke bebte und die gesamte Pazifikküste in Nordmexiko und Kalifornien erschütterte. Das Epizentrum lag 65 Kilometer vor der Küste im Meer, doch das Beben war so stark, dass der St. Andreas-Graben sich um eine maximale Ausdehnung von 43 Zentimetern verzog. Das Beben hielt 53,4 Sekunden an, die ausreichten um die Mehrzahl der Häuser und Wolkenkratzer in den küstennahen Großstädten einstürzen zu lassen. Am schlimmsten betroffen waren die Großräume San Francisco und San Diego in den USA sowie das grenznahe Tijuana in der mexikanischen Provinz Baja California Norte. Noch verheerender hingegen wirkten sich ein Tsunami mit bis zu 18 Meter hohen Wellen aus, der in Folge des Seebebens gegen 4.51 Uhr über die Küste hineinbrach. Ganze Städte wurden in Berge aus Schutt und Trümmergut verwandelt und die Zerstörungen in den Innenstädten der vom Beben erschütterten Großräume wurden um ein Vielfaches vergrößert. Für den größten und nachhaltigsten Schaden sorgte jedoch der St. Andreas-Graben, dessen Bewegungen zwei der letzten noch am Netz befindlichen amerikanischen Atomreaktoren buchstäblich zerriss. Seit der Einführung der Kernfusion hatte es stets zahlreiche Proteste gegen die als nicht ausreichend sicher geltenden, umstrittenen Anlagen gegeben, jedoch war gerade der von vielen Seiten bewunderte radikale US-Sparkurs dafür mitverantwortlich, dass man auf die alten Reaktoren aus Gründen des nach wie vor exorbitant hohen Energieverbrauchs der amerikanischen Bürger nicht verzichten konnte. Aus den von Umweltschützern ausgemalten Schreckensszenarien wurde binnen weniger Minuten eine Realität, die alle Vorstellungskraft noch übertraf. Eine Wolke aus Plutonium, Cäsium und Uran stiegen aus den beiden gänzlich zerstörten Reaktoren auf, die sich auf Grund der wechselnden Windbedingungen zunächst über die kalifornischen Berge bewegte, sich aber in den nächsten Tagen auch über dem Großraum San Francisco und entlang der gesamten kalifornischen Küste ausbreitete. In diesem Zusammenhang waren Rettungsarbeiten am zweiten Reaktor selbst für Militäreinheiten in modernsten Strahlenschutzanzügen nahezu unmöglich, so dass wenig getan werden konnte, um den völligen Zusammenbruch zu verhindern. Als Ergebnis kam es zu einer zweiten, weniger explosiven, dafür länger austretenden radioaktiven Wolke, die nun den südlicheren Bereich Kaliforniens in Mitleidenschaft zog.

Die vernichtete Infrastruktur sowie das Ausmaß der Schäden sorgte dafür, dass mehr als 17.000 US-Bürger ihr Leben binnen des ersten Tages verloren, 22.000 weitere galten zunächst als vermisst und mussten später überwiegend den Toten hinzugerechnet werden. Weit größeren Schaden richtete jedoch die radioaktive Verseuchung des gesamten Landstriches an. Am 11.Oktober wurde in San Francisco ein Strahlenwert gemessen, der die Grenzbelastungen um ein hundertfaches überschritt, im Hinterland nahe der zerstörten Atomanlagen gar ein noch weit höherer Wert. Drei Tage später wurden in San Diego im Süden und Sacramento im Norden ähnlich hohe Werte wie in San Francisco gemessen. Bis heute ist unklar, wie viele Menschen durch die Folgeschäden dieser großen Katastrophe ums Leben kamen oder so schwer radioaktiv verstrahlt wurden, dass sie noch in den folgenden Jahren an Krebs versterben würden. Inoffizielle Zahlen und offizielle Statistiken gehen weit auseinander, doch in beiden Fällen geht die Verlustrate in die Millionenhöhe.

Auch der Schaden für die gerade in der Erholung begriffene US-Wirtschaft war fatal. Niedrigen Schätzungen zur Folge beliefen sich die Schäden auf 365 Mrd. US-Dollar, doch die schrecklichsten Auswirkungen entstanden durch die dauerhafte Verstrahlung Kaliforniens und der angrenzenden Gebiete, die auf Jahrhunderte hinaus unbewohnbar wurden. Der Fallout erstreckte sich in den folgenden Wochen von Seattle im Norden bis Culiacan in Mexiko im Süden und bis weit nach Idaho, Nevada und Arizona im Osten, wo es nur der geringen Bevölkerungsdichte zu verdanken war, dass die Opferzahlen nicht noch weiter dramatisch anstiegen.

Diese Ereignisse bildeten jedoch nur den Auftakt zur Krise des Jahres 2046 in den USA. Eine Serie von Unfällen in anderen US-amerikanischen Kernkraftwerken folgte im Oktober. Aus bis heute ungeklärten Gründen vielen Kühlkreisläufe und Programme zur Notabschaltung in etwa einhundert Kraftwerken aus und führten trotz verzweifelter Bemühung zur Behebung der Probleme zu Explosionen und dem massiven Austritt radiokativer Substanzen. Die Zerstörung und Beschädigung der Kraftwerke waren nicht so stark wie an jenen Anlagen, die in der Mitte des Jahres in Kalifornien durch die Erdbeben in Mitleidenschaft gezogen wurden, jedoch sorgte die gewaltige Zahl der betroffenen Reaktoren für eine noch weit schlimmere Verstrahlung, die auch größere Landstriche betraf. Nur in den Reaktoren an der Ostküste der USA konnten schlimmere Vorfälle vermieden werden. Bis heute konnten zahlreiche eingesetzte Untersuchungskommissionen nur feststellen, dass es Anschläge und in die Computer der Kraftwerke eingeschleuste Virus-Programme für die Katastrophe verantwortlich war. Staaten wie Brasilien und China wurden verdächtigt. Auch die New Age Outlaws, eine Gruppe von Internetterroristen, geriet in Verdacht, doch der wirkliche Drahtzieher konnte niemals ermittelt werden.

Bei der UNAISF gilt es als nicht unwahrscheinlich, dass die Aliens hinter der Sabotage stecken, die zweifellos das technologische Potential dafür haben und auf diesem Weg eine der wichtigsten Großmächte der Welt, die gerade auf dem Weg der Stabilisierung war, nachhaltig schädigen konnten. Alle Gebiete östlich einer Linie von Cleveland über Nashville bis Baton Rouge sind bis heute unbewohnbar (zu den genauen Auswirkungen: siehe Länderprofil USA).

 

Wissenschaft/Technik: Neben diesen Ereignissen gingen Meldungen über die Errichtung einer chinesischen und einer indischen Mondbasis zum Abbau von Helium-3 nahezu unter. Gleiches galt für die russische Meldung über eine Inbetriebnahme des Wolga-Projektes, bei dem riesige orbitale Solarspiegel an eine neue Orbitalstation vom Typ Petrograd-3 angedockt wurden, deren Sonnenlichtkollektoren die Energie mittels Laserenergietransfers zu Relaisstationen entlang der russischen Eismehrküste und einigen Ballungsräumen sandten.

Das Jahr 2040

Politik/Weltgeschehen: Südkorea, China und Japan festigten durch das Abkommen von Seoul die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit der drei ostasiatischen Staaten. Beobachter sahen darin nicht nur eine Weiterführung der japanisch-chinesischen Annäherung unter Einbeziehung Südkoreas, sondern vor allem eine für alle Parteien stärkende Positionierung gegenüber den als Tigerstaaten (Thailand, Vietnam, Malaysia, Indonesien) bezeichneten aufstrebenden Nationen Südostasiens. Die hier erkennbare Teilung des asiatischen Wirtschaftsraumes galt in den folgenden Dekaden weiterhin und kann noch heute nachvollzogen werden, wenn man das Ringen der Tigerstaaten mit Indien einerseits und dem chinesisch-koreanisch-japanischen Wirtschaftsraum andererseits betrachtet. Eine ähnliche Verbindung findet sich auch in der politischen Zusammenarbeit.

 

Wissenschaft/Technik: Der deutsche Mediziner Joachim Kruse erhielt den Nobelpreis für Medizin für seine Forschung anlässlich des nach ihm und seinem ersten Patienten benannten Kruse-Stockmann-Probst-Syndrom (KSPS). Diese bei nur sehr wenigen Menschen auftretende Anomalie bei der Bildung von Neuronenverbindungen im Gehirn war auch in den folgenden Jahrzehnten Hauptforschungsgebiet des Berliner Mediziners. Über einige Kanäle förderte auch die UNAISF die Arbeiten Stockmanns, da in den Neuronenverbindungen von KSPS-Patienten Ähnlichkeiten zu den Hirnschädigungen des bei Roswell abgestürzten Sirianers festgestellt wurden. Hoffnungen, über diese Forschungen eine Möglichkeit zum Entgegenwirken des Inhibitors zu finden, erfüllten sich jedoch bis heute nicht.

Das Jahr 2039

Politik/Weltgeschehen: Eine fast den gesamten afrikanischen Kontinent betreffende Dürre forderte nach Schätzungen der WHO mehr als zwölf Millionen Todesopfer. Mit dem Sambesi versiegte eine für Südostafrika lebenswichtige Wasserader fast vollständig. Daraufhin kam es in Mosambik und Malawi zu starken Unruhen, die zum Sturz der gemäßigten Regierungen führten, da ihnen von der Bevölkerung vorgeworfen wurde, mit der Erlaubnis an chinesische Konzerne Wasserkraftwerke entlang des Flusses zu errichten zum Unglück beigetragen zu haben. Das ganze Ausmaß des chinesischen Einflusses auf dem afrikanischen Kontinent wurde sehr deutlich, als die Afrikanische Union Truppen entsandte, um die Aufstände in Malawi und Mosambik niederzuschlagen und Regierungen zu stützen, die den pro-chinesischen Kurs fortsetzten.

 

Auf Grund der großen wirtschaftlichen Erfolge beim Abbau von Rohstoffen in Grönland, beanspruchten chinesische, brasilianische und russische Unternehmen weite Teile der Antarktis für sich, um dort ebenfalls mit massivem Rohstoffabbau zu beginnen. Wenige Monate später erhoben Argentinien, Südafrika, Australien, Indien, die EU, die USA und Japan ähnliche territoriale Ansprüche. Trotz der großen auf den tiefen Temperaturen beruhenden Problemen bei der Förderung und den aufwendigen, kostenintensiven Transportwegen erwiesen sich die antarktischen Abbaugebiete als so einträglich, dass in den kommenden Jahren immer größere Parzellen beansprucht wurden.

 

Wissenschaft/Technik: Der in Harvard, USA, lehrende Thailänder Keokai Kennorsingh und sein deutscher Kollege Theobald Westermann präsentierten auf einem Symposium in Neu-Dehli Ende des Jahres ein weit entwickeltes Konzept für einen Erd- und einen Mondorbitalaufzug. Ihre theoretische Arbeit fand großes Interesse bei den Regierungen der meisten Großstaaten der Welt.

 

Ebenfalls sorgte der Tauchgang des japanischen Forschungs-U-Bootes Kyoto für großes Aufsehen. Es tauchte im pazifischen Ozean in das Ramapotief innerhalb des Japantiefseebeckens bis auf eine Tiefe von 10.554 Meter ab und erreichte so einen der zehn tiefsten Punkte der Weltmeere. Seit den Tauchgängen von Jacques Piccard und Don Walsh 1960 war kein Mensch mehr in eine so große Tiefe der Weltmeere vorgestoßen. Die Bilder, die Spezialkameras von dieser Tiefe mitbrachten, waren so spektakulär, dass in der Folgezeit das Interesse an der Tiefsee das am Weltraum für Monate verdrängte. In Hollywood und anderen Filmschmieden entstanden zahlreiche Tiefsee-Actionfilme, die Bestsellerlisten führten etliche entsprechende Bücher und die in kleinen Happen vom japanischen Institut veröffentlichen Tiefseebilder wurden von den Medien zu Hauptnachrichtenzeiten übermittelt. Bei seiner Auszeichnung durch den Kaiser, verkündete Regierungschef Komura, sein Land werde sich nicht an dem Wettrennen anderer Nationen um den Mond und das Weltall beteiligen, sondern seine Anstrengungen auf die Tiefsee konzentrieren. Sein ehrgeiziges Ziel, binnen der nächsten zehn Jahre, mehrere Dutzend Unterseehabitate für Forschung und Lebensraum zu errichten, scheiterte jedoch. Dennoch wurde Japans Stellung als führende Nation für die Tiefsee in den folgenden Jahrzehnten nicht mehr angefochten.

Das Jahr 2038

Politik/Weltgeschehen: Ein Putsch in Panama brachte linksradikale Rebellen der KDC-Front an die Macht. Die Welt nahm von diesem Geschehen zwar Notiz, schenkte ihm aber erst verstärkte Beachtung, als der neue Regierungspräsident, General Riccardo Alvaro Montoya, die Sperrung des Panama-Kanals für die Schiffe kapitalistisch geprägter Länder verkündete. In der Folge tauchten in der Presse vieler Länder immer mehr Berichte über grausame Folterungen und Gewalttaten der KDC-Regierung auf, die nach heutigem Kenntnisstand als übertrieben bezeichnet werden müssen, von manchen Fachleuten aber gänzlich geleugnet wurden. Dass es nicht die USA, sondern eine Allianz südamerikanischer Staaten unter Führung Brasiliens war, die sich diesem Problem zunächst diplomatisch und kurz darauf militärisch annahm, verdeutlichte den Kräftewandel in der Region, der sich schon 2035 angedeutet hatte. Nach starken Bombardierungen durch Luftstreitkräfte, die Panamas Hauptstadt in Schutt und Asche legten und als notwendiges Übel zur Zerstörung der KDC-Infrastruktur gerechtfertigt wurden, konnten die Rebellen binnen zwei Wochen in unwegsames Hinterland vertrieben werden. Der Versuch der KDC, zwei Schleusen des Panamakanals nach der eigenen Niederlage zu sprengen, konnte verhindert werden.

 

Wissenschaft/Technik: Der US-Luftfahrtkonzern Boeing präsentierte mit der Boing-972 das erste Hyperschall-Flugzeug der Welt und leitete einen Umbruch in der Transporttechnik des neuen Jahrhunderts ein. Nur drei Monate später brachte der chinesische Konkurrent Zangshe ein vergleichbares Flugzeug auf den Markt.

Das Jahr 2037

Politik/Weltgeschehen: Durch die immer zahlreicher werdenden Abbauanlagen und den zunehmenden Eisrückgang erfuhr Grönland eine starke Besiedlung. Dabei kam es immer wieder zum Konflikt zwischen den Inuit und den neuen Bewohnern. Manche Inuit zogen sich in die wenigen noch ganzjährig vom Eis bedeckten Gebiete Grönlands zurück. Einige radikale Gruppen verübten hingegen Anschläge auf Förderanlagen und Wohnkomplexe der beteiligten Unternehmen. Da seitens staatlicher Stellen nur wenig effektiv gegen solche terroristischen Aktivitäten vorgegangen wurde, kam es zum verstärkten Einsatz privater und paramilitärischer Sicherheitsdienste. Die Auseinandersetzungen zwischen diesen und Einheimischen spitzten sich immer weiter zu und erreichten 2040/41 einen ersten blutigen Höhepunkt. Zahlreiche Vermittlungsversuche scheiterten an der mangelnden Kompromissbereitschaft beider Seiten.

 

Wissenschaft/Technik: Vom EBRA-Weltraumbahnhof in Französisch-Guyana startete mit einer Rakete des neuen Typus Dädalus eine vierköpfige Crew aus Astronauten am 11. April zu einem Mondflug. Seit den Amerikanern im Jahr 1972 waren die brasilianische Kommandantin Aranxa Fernandez und ihre europäischen Kollegen Massimo Albertano und Henri Deschamps die ersten Menschen, die wieder den Mond betraten. Ihre Mission war neben dem reinen Versuch, eine bemannte Mondmission durchzuführen, ein reines Prestigeprojekt im Rennen mit China, den USA und Indien um den Mond. Wirtschaftlicher Hintergrund waren die von vielen Fachleuten als eigentliches Ziel benannten, auf dem Mond existierenden Helium-3-Vorkommen, einem chemischen Element, das auf der Erde nur höchst selten vorkommt, aber für die Zukunft als viel versprechende Energiequelle eingeschätzt wurde.

Überdies setzten die EBRA-Astronauten einen Satellit in einer Mondumlaufbahn ab, der die sonnenabgewandte Seite genauer kartographieren und nach Anzeichen für Helium-3 erforschen sollte. Am 18. April kehrte die Crew sicher zur Erde zurück. Nach mehrmonatigen Auswertungen konnte die EBRA bekannt geben, dass die Helium-3-Vorkommen auf dem Mond umfangreicher seien als zunächst erwartet. Diese Nachricht löste auch in anderen Ländern ein gesteigertes Interesse an Mondflügen aus und begeisterte auch die Öffentlichkeit wieder stärker für den Weltraum. Seit den 60er Jahren des vergangen Jahrhunderts hatte es eine ähnliche Weltraum-Hysterie nicht mehr gegeben.

Das Jahr 2035

Politik/Weltgeschehen: Durch den radikalen Sparkurs der Vereinigten Staaten und den gleichzeitigen Aufstieg Brasiliens zu einer der führenden Großmächte der Welt, war eine Veränderung der Machtverhältnisse auf dem amerikanischen Kontinent zu beobachten. Der schon seit Jahren bestehende, wenn auch nicht offiziell verkündete Hegemonieanspruch Brasiliens über Südamerika weitete sich auch immer deutlicher auf die Karibik und Mittelamerika aus, wodurch es zu erheblichen Spannungen zwischen der neuen südamerikanischen Großmacht und den USA kam, die einen ähnlichen Anspruch seit der Monroe-Doktrin erhoben und trotz ihrer schwierigen wirtschaftlichen Lage nicht aufgaben.

Versuche seitens der USA, die wachsende wirtschaftliche Überlegenheit Brasiliens, die nicht zuletzt auf den reichen Rohölfunden vor der Atlantikküste des Landes sowie der Investition in erneuerbare Energien durch den Einsatz von Biomasse zurückzuführen war, durch Strafzölle auf süd- und mittelamerikanische Waren auszugleichen, wurden durch die WTO untersagt. Der brasilianische Präsident Arthuro M. Taixiera verkündete im Mai darauf in einem viel beachteten Interview, Brasilien habe den USA den Rang als vorherrschende Nation in Amerika abgelaufen. Dieser Triumph stärkte das Nationalbewusstsein des brasilianischen Volkes und erlaubte von der immer stärker wachsenden Kluft zwischen extrem reichen und furchtbar armen Bevölkerungsschichten abzulenken, ohne die daraus resultierenden sozialen Spannungen dauerhaft zu bekämpfen.

Für die USA bedeutete diese Entwicklung nicht nur einen Schlag gegen das nationale Selbstbewusstsein, sondern auch eine schleichende Isolierung von ehemaligen Verbündeten. Hierzu trug auch ein Ende 2035 verabschiedetes Assoziationsabkommen zwischen Brasilien und den EU bei, das vor allem auf eine gemeinsame Raumfahrtpolitik abzielte. Während die EU das Know-how und die in den 20er Jahren des 21. Jahrhundert ausgebaute Raumfahrtgelände Couru in Französisch-Guyana bereitstellte, wurde Brasilien zum Hauptgeldgeber für die EBRA (Europäisch-brasilianische Raumfahrtagentur), in der die europäische ESA aufging. Darmstadt in Deutschland und Manaus in Brasilien wurden zu gleichberechtigten Hauptsitzen der EBRA. Beobachter werteten die Zusammenarbeit der EU mit Brasilien auf diesem Sektor ohne ähnliche Projekte mit dem wichtigsten Energiepartner der Europäer, Russland, aufzunehmen als Zeichen, dass die EU sich nicht ganz von Russland abhängig machen wolle.

Auf Grund dieser Entwicklungen drohten sich die diplomatischen Beziehungen trotz intensiver europäischer Bemühungen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten, die bereits unter dem Assoziationspakt mit Russland gelitten hatten, weiter zu verschlechtern. In einer Rede zur Lage der Nation verkündete US-Präsident Norton Waynword eine zukünftig stärker auf China und andere asiatische Märkte ausgerichtete Orientierung der US-Politik und -Wirtschaft.

Die chinesisch-japanischen Beziehungen verbesserten sich hingegen weiterhin. Hierzu trug auch die Ausbildung und der vermehrte Einsatz junger chinesischer Arbeiter in der japanischen Wirtschaft bei, wodurch einerseits der Überalterung der japanischen Gesellschaft entgegen gewirkt, zum anderen das Problem des chinesische Millionenheers schlecht bezahlter und unzufriedener Wanderarbeiter gelindert werden konnte.

In Grönland nahmen zahlreiche Unternehmen den Rohstoff-Abbau in den im Vorjahr erworbenen Parzellen auf. Die einheimische Bevölkerung beklagte die massive Belästigung durch Schadstoffausstoß und Transportlärm. Entsprechende Anträge konnten von der Gudjonson-Kommission nicht bearbeitet werden, da die Vorgänge nicht gegen die vereinbarten Verträge verstießen. In den folgenden Jahren zeigte sich deutliche Erwärmung der Grönland-Region, der mehrere Dutzend Tierarten zum Opfer fielen. Trotz intensiver Bemühungen konnte das Aussterben der Eisbären außerhalb von Zooanlagen nicht verhindert werden. Das letzte Exemplar dieser Spezies in Freiheit starb 2040 in Nordkanada. Ein Zusammenhang zwischen dem Rohstoffabbau und den klimatischen Veränderungen wurde von Unternehmen und beteiligten Regierungen vehement bestritten.

 

Wissenschaft/Technik: Der kanadische Physiker Alan Buchanan und seine japanischen Kollegen Daiki Fukanaki und Noriaki Toshimoto erhielten wie erwartet den Nobelpreis für Physik für ihre Arbeit, die eine stabile Kernfusion ermöglichte. Diese theoretischen Grundlagen wurden schon alsbald von vielen Forschern aufgegriffen und erweitert und durch den Bau mehrerer, kommerzieller Kernfusionsanlagen in Japan, China und Indien (2035), Kanada, den USA, Europa, Brasilien und Russland (2036) in die Praxis umgesetzt. Die weltweite Energiepolitik änderte sich durch diese Entwicklung in den folgenden Jahrzehnten radikal. Die Kernspaltung wurde bis 2050 gänzlich vom Energiemarkt verdrängt und durch die Kernfusion ersetzt.

Das Jahr 2034

Geschichte/Weltgeschehen: Nach Absprache mit dem dänischen Mutterland verpachtete die grönländische Regierung Rohstoffparzellen und Lizenzen für den Betrieb küstennaher Förderplattformen. Vor allem Norwegen, die EU, China und Russland erwarben entsprechende Rechte und verpflichteten sich, zahlreiche Auflagen zum Schutz der Umwelt zu erfüllen. Das grönländische Ministerium für Kultur und Natur berief eine Kommission unter Leitung des namhaften, isländischen Ökologen Jesper Gudjonson, die für die Einhaltung entsprechender Leitlinien zuständig war und mit umfangreichen Mitteln zur Prüfung ausgestattet wurde. Noch im selben Jahr entstanden zahlreiche Förderanlagen, von denen die ersten im November ihren Betrieb aufnahmen. Die Wirksamkeit der Gudjonson-Kommission wurde ebenfalls noch 2034 sichtbar, als dem russischen Konzern RusOil die Förderkonzession nach massiven Protesten der Inuit entzogen wurden. RusOil konnte nachgewiesen werden, dass Abbaurückstände und Altöl entgegen der eingegangen Verpflichtungen im Meer versenkt wurde.

In China setzten sich die Unruhen und Demonstrationen des vergangen Jahres fort und erreichten im März neue Höhepunkte, als die seitens der Regierung angekündigten Reformen ausblieben. Am 23. März kam es schließlich zum Sturm von Shanghai, als Demonstranten mehrere Regierungsgebäude stürmten. Im Mai gab die chinesische Regierung nach und begann die versprochenen Entwicklungen endlich in Angriff zu nehmen. Das Land erhielt eine neue Verfassung und die kommunistische Doktrin wurde für gescheitert erklärt. Freie Wahlen wurden für den 1. Dezember 2034 festgelegt, Gewerkschaften erhalten größere Rechtssicherheit und das Prinzip willkürlicher Verhaftungen regimekritischer Bürger wurde durch Gesetze eingeschränkt.

Die Wahlen zeigten jedoch deutlich, dass die chinesische Demokratie ähnlich gelenkt und eingeschränkt war, wie es seit Ende des vorangegangenen Jahrhunderts in Russland der Fall war. Neben der bisher regierenden Staatspartei, die sich nun Demokratischer Wandel China (DWC) nannte, wurden nur wenige Parteien zugelassen. Ein aus altgedienten und staatstreuen Parteimitgliedern bestehendes Sondergremium für die Wahlführung lehnte die Anträge auf Wahlzulassung echter Oppositionsparteien ab. Auch die NEP (Nationale Erneuerungspartei) des Regimegegners und Friedensnobelpreisträgers Wu Jin-Tau, der bis zu den Unruhen des Vorjahres unter Hausarrest gestanden hatte, fand sich nicht auf den Wahlzetteln.

Diese Vorgänge sollten durch eine bis dato beispiellose Medien- und PR-Kampagne verdrängt werden. Äußerst hilfreich erwies sich in diesem Zusammenhang ein Staatsbesuch des japanischen Ministerpräsidenten Shinji Hasebe, der sich bei einer Rede vor dem neuen chinesischen Parlament, demütig für die Verbrechen japanischer Truppen am chinesischen Volk entschuldigte und auch im Namen des Tenno um Vergebung bat. Dass hierbei explizit das Thema Nanking angesprochen wurde, fand besondere Beachtung. Rückwirkend betrachtet galt Hasebes Rede als wichtigster Baustein zur Annäherung der beiden Staaten, die mit der Nordkorea-Frage begonnen hatte und bis in die Gegenwart zu einem engen Bündnis der einst rivalisierenden Staaten führte.

 

Wissenschaft/Technik: In Australien eröffnete mit SunGold der bisher größte Park für Solarenergie. Die Nutzung der Sonnenenergie war mittlerweile so effizient geworden, dass SunGold alleine 45% des jährlichen Energiebedarfes von Australien decken konnte. Gleichzeitig begann in der Sahara die Hauptphase der Desertec-Installationen (siehe 2041). Bis zur Mitte des 21.Jahrhunderts stieg SunGold gemeinsam mit Desertec zum Marktführer für Solarenergie in der Welt auf und trug somit zur Stabilisierung der noch immer unter den Auswirkungen des Klimawandels leidenden australischen Nation bei. Im Jahr 2071 ist SunGold zwar deutlich hinter Desertec zurückgefallen, macht Australien aber immer noch zum zweitgrößten Produzenten von terrestrischer Solar-Energie.