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Föderative Republik Brasilien (BRA)

Die ehemalige portugiesische Kronkolonie, die erst am 7.September 1822 ihre Unabhängigkeit gewann, ist heute Hegemonialmacht über ganz Süd- und Mittelamerika. Dies verdankt sie keineswegs, wie häufig behauptet wird, der nuklearen Katastrophe in den USA, denn sie hatte diesen Stand bereits zuvor proklamiert und durchgesetzt. Die Entwicklung Brasiliens ist ein großes Vorbild für alle Staaten der südlichen Hemisphäre, von denen außer Brasilien keiner diesen Aufschwung und Sprung in die Reihe der sieben führenden Nationen der Welt geschafft hat. Diesen Erfolg verdankt Brasilien nicht zuletzt seiner zahlreichen Bevölkerung und der damit verbundenen Wirtschaftskraft. Auch die reichen Rohstoffvorkommen in diesem riesigen Land und kluge politische und wirtschaftspolitische Entscheidungen wie die Gründung der EBRA mit den Nationen Europas trugen ihren Anteil zu Brasiliens Erfolgsgeschichte bei. Dieser Erfolg machte aber auch viele Brasilianer blind für die akuten, ungelösten Probleme im eigenen Land, die immer noch nicht angepackt wurden. Stattdessen geht Brasilien den eingeschlagenen Weg weiter und vertraut auf seine Stärke und den Erhalt der – vielen trügerisch erscheinenden – Ruhe.

 

Politische Landesstruktur

Die Grenzen Brasiliens haben sich seit Jahrhunderten nicht mehr geändert. Von einigen unbedeutenden Grenzzwischenfällen mit Argentinien abgesehen wurde die Schlagkraft des brasilianischen Militärs nie auf die Probe gestellt. Statt die schwächeren südamerikanischen Nachbarn einzugliedern, bevorzugten die Brasilianer es, sie zu stützen und von außen zu kontrollieren.

Die einzigen faktischen Gebietserweiterungen fanden in den letzten Jahren statt, jedoch brachten sie keine geopolitischen Umwälzungen. Als Großchina in seine Teilstaaten zerbrach und sie ihren Einfluss in vielen Gebieten Afrikas verloren, füllten die Brasilianer diese Lücke und ließen sich im Gegenzug mit einigen Parzellen Land belohnen. Dort errichteten sie autonome Militärbasen, die aber – ebenso wie die Liegenschaften auf dem Mond – nicht zum eigentlichen brasilianischen Staatsgebiet gerechnet werden.

 

Übersicht

Fläche   (Weltrang: 5) 8.547.404 km²
Bevölkerung (Weltrang: 7) 289.300.000
Bevölkerungsdichte 33,8 je km²
Hauptstadt Brasilia
Amtssprachen Portugiesisch
Währung 1 Real (R$) = 100 Centavos; Kurs 1 € = 1,48 R$

 

Regierung

Die Innenpolitik Brasiliens ist wesentlich labiler als die Wirtschaft oder die Außenpolitik es Landes. Großen Anteil daran besitzt das breite Spektrum der Parteienlandschaft. Koalitionen sind nach jeder Wahl schwierig zu bilden, da gegenwärtig 18 Parteien die Sitze im Abgeordnetenhaus (Camara dos Deputandos) und 9 im Senat (Senado Federal) teilen. Teilweise saßen aber auch schon mehr als 25 Parteien in den beiden Kammern. Da jede Partei versucht ihrer Klientel gerecht zu werden und ihre Wählerschaft nicht zu verärgern, fallen innenpolitische Kompromisse recht schwer und nötige Reformen warten oftmals viele Jahre auf beschlussfähige Mehrheiten. Hinzu kommt eine Vielzahl von persönlichen Fehden innerhalb und zwischen den Parteien und ihren führenden Politikern. So besitzen die PT und die PPS, beides eher dem linken Spektrum zuzuordnende und auf der Arbeiterschaft als Wähler fußende Parteien, zwar ein sehr ähnliches Parteiprogramm, jedoch mit  Marcos Burruchaga da Silva (PT) und Alessandro Juan de Maria (PPS) zwei bis ins Mark zerstrittene Führungspersönlichkeiten, die die Absichten des jeweils anderen zu blockieren versuchen und im Rennen um die Wählergunst gegen die Gesetzesentwürfe der Gegenseite stimmen, um diesen keinen Erfolg zu gönnen, selbst wenn sie ähnliche Absichten verfolgen. Außenpolitisch sind diese Ressentiments überraschend schnell vergessen und unterschiedliche Regierungen und Präsidenten folgen denselben außenpolitischen Richtlinien und Absichten, die Brasilien zu einem der Global Player gemacht haben.

Im brasilianischen Parlament geht es oftmals recht hitzig, ungeordnet und laut zu, Beleidigungen sind an der Tagesordnung und selbst Handgreiflichkeiten keine Seltenheit. Debatten werden selten objektiv und gesittet geführt, laute Zwischenrufe und Missfallensäußerungen gehören beinahe schon zum guten Ton. Für Schlagzeilen sorgte hingegen ein Vorfall aus dem vergangenen Jahr, als die streitbare Abgeordnete Juanita Alvares dos Santos (PV) einen Redner der PSDB mit Schlägen und Flüchen vom Rednerpult trieb und kurz darauf eine Schlägerei unter mehreren Dutzend Abgeordneten ausbrach, von denen drei das Krankenhaus erst eine Woche später verlassen konnten.

 

Präsident Marcos Burruchaga da Silva (PT – Partido dos Trabalhadores); seit 1.1.2071
Außerministerin Maria Santana (PSDB – Partido da Social Democracia Brasileira)

 

Brasilien ist in 26 Bundesstaaten und den Hauptstadtbezirk Brasilia unterteilt. Jede dieser Territorien verfügt über ein eigenes lokales Parlament, die weitreichende Befugnisse und Zuständigkeiten besitzen. Regionalpräsidenten nutzen diese Position, um Zugeständnisse von der Regierung einzufordern, wenn diese für Gesetzesvorhaben oder andere politische Projekte die Zustimmung der Regionen benötigt. Ebenso blockieren sie natürlich Entschlüsse der Regierung, wenn diese einer anderen politischen Färbung zugehörig ist. Da in den 26 Bundesstaaten Regionalpräsidenten aus acht unterschiedlichen Parteien an der Macht sind, gestaltet sich das Durchsetzen von Reformen als äußerst schwierig und ist meist nur über massive Verwässerung der Projekte, Bestechung oder anderweitige Zugeständnisse möglich.

 

Die 10 größten Megacities (Großräume) und Millionenstädte

Sao Paulo 24,9 Mio.
Rio de Janeiro 15,3 Mio.
Salvador 4,5 Mio.
Fortaleza 4,1 Mio.
Belo Horizonte 3,8 Mio.
Brasilia 3,1 Mio.
Manus 3,0 Mio.
Curitiba 2,7 Mio.
Recife 2,3 Mio.
Porto Alegre, Belem und Campo Grande je 1,9 Mio.

 

Bevölkerungsstruktur

Bezeichnung Brasilianer
Gliederung 51,3 % Weiße; 40,1 % Mulatten und Mestizen; 6,2 % Schwarze; 1,2 % andere; ca. 300.000 Indigene (rd. 200 Ethnien), entspricht weniger als 0,1 %
Sprachen Portugiesisch; rund 180 indigene Sprachen (Tupi, Guarani, Ge, Arwak, Karib u.a.)
Religionen 77% Katholiken; 15% Protestanten (v.a. Pfingstler und Evangelikale), 4% religionslos; Minderheiten von Buddhisten, Muslimen und Juden; nicht selten bei Doppelkonfessionalität mit Bahai- und anderen indigenen oder afrobrasilianischen Kult- und Religionsrichtungen
Arbeitslosigkeit 22,5% (geschätzt, Brasilien legt seit 2054 keine offiziellen Zahlen vor)

 

Entwicklung im 21. Jahrhundert

Brasilien konnte durch seine wirtschaftliche Stärke und Entwicklung noch größeren Einfluss auf seine südamerikanischen Nachbarn gewinnen als es schon zuvor der Fall gewesen war. Mittlerweile sind nahezu alle anderen süd- und mittelamerikanischen Staaten mit Ausnahme von Mexiko von Brasilien in verschiedenen Formen abhängig, so dass von einer Quasihoheit Brasiliens über die anderen Staaten gesprochen werden kann. Brasilianische Militär- und Polizeieinheiten helfen Unruhen zu unterdrücken, wichtige Liegenschaften zu sichern und die Kriminalität zu bekämpfen. Dafür ließ sich Brasilien aber zusichern, dass die eigenen Truppen für Vergehen im Rahmen ihrer Hilfstätigkeit nicht belangt werden dürften und sie weitgehend autonom von den jeweiligen Regierungsapparaten agieren können. Da gerade die brasilianische Polizei selbst im Heimatland als weitgehend korrupt gilt, öffnete dies Tor und Tür für Reiche, sich gewisse Sonderrechte zu erkaufen und brasilianische Polizeiverbände für persönliche Interessen einzusetzen. Brasilien versucht diesem Missstand Herr zu werden, bleibt dabei aber weitgehend erfolglos. Die Nachbarstaaten dulden es ebenfalls, da ohne brasilianische Unterstützungen in den armen Ländern Südamerikas sicherlich mehrfach Aufstände ausgebrochen oder eskaliert wären.

Auch die Wirtschaft der Nachbarstaaten ist fast vollständig von brasilianischen Subventionen und Lieferungen abhängig, was Brasilien nicht selten ausnutzt, um verbilligte Schürf- und Förderungsrechte oder ähnliche Vorteile für eigene Unternehmen einzufordern. Mittlerweile ist die Vormachtstellung Brasiliens so erdrückend geworden, dass sich nur Chile, Argentinien und Venezuela nicht vollständig unter der Kontrolle des großen Nachbarn befinden. Doch auch dies scheint nur eine Frage der Dauer und einer brasilianisch-freundlich oder ausreichend korrupten Regierung in diesen Ländern zu sein. Brasilien selbst stellt diesen für seine eigene wirtschaftliche Entwicklung durchaus wichtigen Pfeiler als Hilfe für die Nachbarn dar, hingegen ist es für Kritiker nur eine schamlose Ausnutzung der Umstände, die von Zeit zu Zeit in Erpressung umschlage.

 

Die Afrikapolitik erwies sich als Hilfreich für das Wirtschaftswachstum, da brasilianische Unternehmen Zugang zu bisher überwiegend von asiatischen Firmen kontrollierten Märkten erhielten, sorgte aber auch für Verstimmungen mit Indien, die die entstandenen Lücken ebenfalls füllen wollten und Brasiliens recht plötzliches Interesse an Afrika als Eingriff in die eigene Interessen betrachtete. Dem indischen Unmut steht Brasilien jedoch recht unbeeindruckt gegenüber, auch wenn beide Seiten seither ihre Truppen in Afrika verstärkten und manche Beobachter fürchten, es könne in den nächsten Jahrzehnten zu einem Krieg zwischen den Großmächten um afrikanische Bodenschätze und Gebiete kommen, der letztlich nur auf dem Rücken Afrikas ausgetragen und dem schwarzen Kontinent, der ohnehin an Elend leide, den Todesstoß versetzen würde.

Neben Indien sind auch die USA für Brasilien keine politischen Freunde. Dies gilt in seltener Einigkeit für die sonst so zerstrittenen Nord- wie Südstaaten, die beide die USA als eigentliche Hegemonialmacht auf dem amerikanischen Doppelkontinent sehen und Brasilien für einen Emporkömmling halten. Ferner stört sich der erzkonservative, sittenstrenge Süden der USA an dem eher freizügigen Lebensstil der Brasilianer und ihrer falschen – nämlich katholischen – Sicht des Christentums. Mit dem Norden existieren lose diplomatische, eher frostige Kontakte, mit dem Süden keinerlei.

Das beste Verhältnis besitzt Brasilien zu den VEN, nicht zuletzt, aber nicht nur wegen ihrer gemeinsamen Tätigkeit bei den EBRA-Projekten. Auch die Handelsbeziehungen sind exzellent und gegenwärtig wird über einen zweiten Atlantiktunnel nach dem nordamerikanisch-europäischen Vorbild nachgedacht, der Spanien mit Südamerika verbinden soll. Grundsätzlich stehen sowohl das brasilianische Volk als auch seine Regierungen tolerant und offen allen anderen Staaten gegenüber.

 

Im selben Maße wie Brasiliens außenpolitischer Einfluss und wirtschaftlicher Wachstum zunahm, wurde die soziale Lage im Land immer kritischer. Armut ist in Brasiliens Vorstädten und Slumgebieten, den Favelas, weit verbreitet. Internationalen Schätzungen zu Folge sollen erschreckende 90% aller Menschen der Unterschicht angehören und 40% unterhalb der internationalen Kriterien für die Armutsgrenze im jeweiligen Land leben, was Zahlen sind, die eher auf ein Entwicklungsland als auf einen der Big Seven-Staaten hinweisen.

 

Aktuelle Situation: Politik und Soziales

Obwohl erst zu Beginn des Jahres eine neue Regierung vereidigt wurde, sprechen manche Koalitionspolitiker schon von Neuwahlen und einem Rückzug ihrer Partei aus der Koalition. Solche Drohgebärden sind in Brasilien politscher Alltag und schaffen es meistens nicht auf die ersten Seiten einer Tageszeitung.

Die aktuelle soziale Lage in Brasilien ist hingegen hochprekär. Schon seit Jahrhunderten werden die wohlhabenderen Stadtteile und Innenstädte von den schmutzigen Elendsgegenden und Slums umschlossen, die aus ärmlichen, schlecht gebauten Häusern, Wellblechhütten und ähnlichen menschenunwürdigen Behausungen bestehen. Hier herrschen erbärmliche Zustände und große Armut. Fließendes Wasser gibt es im besten Fall selten, in manchen Gebieten auch gar nicht. Die Straßen sind verschmutzt, verwinkelt und völlig unübersichtlich. Ein moderne Infrastruktur gibt es nicht, manche Gegenden sind nicht einmal mit Glasfaserkabeln oder anderen Verbindung für Internet und Telekommunikation erschlossen. Stürzen die baufälligen Häuser ein, werden an ihrer Stelle auf ärmlichste Weise neue errichtet, die kaum hoffen können, länger zu halten als ihre Vorgänger. Gewalt, Drogen und Verbrechen sind in den Favelas ebenso allgegenwärtig wie Elend, Hunger und Krankheit. Die meisten Menschen, die hier leben müssen – und das sind weit über die Hälfte der Großstadtbevölkerung –, haben kaum Zugang zu medizinischer Versorgung oder einem geregelten Schulwesen.

Um Überfälle und Plünderungen zu vermeiden wurden die Wohnviertel der Oberschicht sowie die wichtigen Finanzzentren in der Innenstadt gegen die Favelas schon vor mehreren Jahrzehnten mit Stacheldraht und hohen Mauern gesichert. Mittlerweile sind noch Selbstschussanlagen, lückenlose Videoüberwachung und hervorragend ausgerüstete, paramilitärische Sicherheitsdienste hinzugekommen. Diese gesicherten Gebiete verlassen die Reichen nur selten und wenn, dann in einer gepanzerten Limousine mit Sicherheitseskorte oder in Helikoptern. Auch die Innenstädte und Touristenviertel werden von hochgerüsteten, schwer bewaffneten Sicherheitskräften bewacht. Weite Teile der stadtnahen Strände sind nur noch mit Ausweisen zu erreichen, so dass Touristen und Mittel- und Oberschichtbürger beim Sonnenbad nicht mehr von bettelnden oder diebischen Jugendbanden belästigt werden.

Die Stimmung in Brasilien ist äußerst gereizt. In den Favelas brodelt es immer wieder und nicht selten kommt es zu Aufständen. Mangels der Fähigkeit, sich von den Reichen zu nehmen, was ihnen selbst fehlt, richtet sich die Gewaltbereitschaft der Unterschicht besonders in den Elendsvierteln immer wieder gegen die Mitbürger, die das gleiche Schicksal erleiden müssen. Hier zählt das Recht des Stärkeren und Polizeikräfte erscheinen nur für großangelegte Razzien und mit militärischer Unterstützung. Die vordergründige Macht in den Favelas liegt bei gewaltbereiten Bandenführern, die sich auf Kosten der anderen bereichern, doch ist ihr Einfluss gewöhnlich auf kleine Viertel begrenzt und ihre Banden sind unorganisiert und zerbrechen oft an Streit. Drogenhandel, Gewalt und Erpressung sind hier an der Tagesordnung und reiche Drogenbarone und Menschenhändler nutzen das Elend für ihre Zwecke.

Brasilien verfügt über exzellente Privatschulen, die jedoch nur den Eliten vorbehalten sind, während die Mehrheit der Bevölkerung nur unzureichende Schul- und Ausbildung genießt. Nicht wenige Kinder aus den Favelas erlernen nicht einmal das Lesen und Schreiben in akzeptablem Maße.

 

Trotz all dieser Probleme sind die Brasilianer ein lebensfrohes Volk, dessen Wesen vom südländischen Temperament bestimmt ist. Nach wie vor sind es der Karneval, die Liebe und der Fußball, der das Leben der einfachen Menschen prägt. Die Jungen träumen von einer Karriere als Fußballprofi in den reichen Profiligen der VEN, Russlands und Chinas. Mädchen eifern demselben Traum nach oder erhoffen sich eine Karriere als Sambakönigin im Karneval. Ausländern mag diese Hoffnung naiv erscheinen, doch machen solche Träume das Elend der Favelas erträglicher und einigen Wenigen ist das Glück beschieden, ihre Hoffnungen zu erfüllen und fortan als Vorbild verehrt zu werden.

Auch der katholische Glaube ist ein prägendes Element in Brasiliens Unterschicht. Die Menschen sind sehr gläubig und bis zu einem gewissen Grad schicksalsergeben, da sie ihr Leben als in Gottes Hand verstehen. Dieser Glaube wird nicht selten ausgenutzt, doch der Zorn auf die Oberschicht und die Reichen wächst immer weiter. Besonders die großen Finanzhilfen an andere Staaten, die Brasiliens Hegemonialstellung sichern sollen, erregen den Unmut der Menschen, die sich wünschen würden, dass diese Gelder in sozialen Projekten angelegt würden.

 

Rechtssystem

Das brasilianische Rechtssystem ist relativ liberal, aber sehr korrupt und misst mit zwei Maßen. Während einflussreiche Persönlichkeiten nahezu immun gegen Strafverfolgung sind, werden zur Abschreckung und zum Aufrechterhalten der Ordnung oft überharte Urteile gegen Angehörige niederer sozialer Schichten gefällt. Trotz des steigenden Einflusses der ökologisch orientierten Partido Verde (PV) werden Konzessionen zum Abbau von Rohstoffen in den brasilianischen Hoheitsgebieten (Regenwald, Antarktis) oftmals gegen bestehende Gesetze zu Gunsten der Wirtschaft erteilt.

Waffen sind in Brasilien offiziell verboten, jedoch für private Sicherheitsfirmen in immer stärkerem Umfang gestattet. In den Favelas sind Waffen erschreckend weit verbreitet und nicht selten trifft man auf Jugendliche mit automatischen Waffen. Dies wird nur bei Razzien und in ähnlichen Ausnahmefällen sehr hart geahndet, während die Elendsviertel sonst ein weitgehend rechtsfreier Raum sind.

Drogen sind in Brasilien ebenfalls strikt verboten, jedoch wird dies nur bei Ausländern und Touristen auch umgesetzt. Drogenkonsum in der brasilianischen Oberschicht wird toleriert und ist in den Favelas weit verbreitet. Die Mittelschicht und jene Teile der Unterschicht, die eine Arbeit besitzen, werden in regelmäßigen Abständen von ihren Arbeitgebern zu Drogentests gezwungen und bei positiven Ergebnissen entlassen und durch andere billige Arbeitskräfte ersetzt. Seitens der Justiz werden jedoch nur selten Schritte eingeleitet.

Die brasilianischen Gefängnisse sind weit überfüllt und weisen erschreckende hygienische Zustände auf, jedoch genießen sie zu Recht einen immer noch besseren Ruf als andere südamerikanische, afrikanische oder asiatische Haftanstalten.

 

Wirtschaft und Energie

Abgesehen von den Bereichen der Computerentwicklung und des Fahrzeugbaus gehört Brasilien in allen relevanten Segmenten der Weltwirtschaft zu den führenden Nationen. Das gewaltige Amazonasbecken mit seinen reichen Trinkwasser-, Mineral- und Holzvorkommen macht die brasilianische Wirtschaft nahezu autark von allen Rohstofflieferungen und versetzt sie in die Position, ohne Rücksicht auf andere Staaten und das politische Klima einen eigenen Wirtschaftskurs zu bestimmen. Die brasilianischen Administration as Service-Dienste helfen bei der Kontrolle und der Einflusserhaltung in den lateinamerikanischen Staaten und haben die USA und ihre entsprechenden Produkte zurückgedrängt. Während die brasilianische Produktionsindustrie boomt, herrscht im Bereich des Dienstleistungssektors noch Nachholbedarf. Besonders im Segment der Finanzdienstleistungen liegt Brasilien hinter den anderen Big Seven-Staaten zurück. Auch die Infrastruktur in den entlegenen Gebieten und die Kommunikationsvernetzung sind nicht auf dem aktuellsten Stand.

Im energiewirtschaftlichen Wettbewerb hat Brasilien hinter Russland den zweiten Platz im weltweiten Vergleich errungen. Kein anderes Land verfügt über so große Abbaustätten für Helium-3 auf dem Mond und so viele Fusionsreaktoren. Auch im Bereich der Energiegewinnung durch Biomasse ist Brasilien Marktführer. Neben den mittel- und südamerikanischen Staaten gehören hauptsächlich China, Indien und die USA zu den Ländern, die brasilianische Energieerzeugnisse erwerben, auch wenn manche US-Medien diese Abhängigkeit zu leugnen versuchen. Brasilien selbst liegt beim Stromverbrauch weit hinter den anderen Industriestaaten zurück, was nicht zuletzt an den großen Armutsviertel und vielen entlegenen, wenig technisch erschlossenen Gebieten liegt.

Von allen Big Seven-Staaten verfügt Brasilien sicherlich über die stabilste und ausgeglichenste Wirtschaft und besitzt die geringste Abhängigkeit von Rohstoffknappheiten und Preisschwankungen auf dem Weltmarkt.

 

Militär und Raumfahrt

Die Raumfahrt Brasiliens ist eng mit der VEN verbunden. Die gemeinsame Raumfahrtorganisation EBRA mit gleichberechtigten Zentren in Darmstadt und Manaus kann für sich eine führende Position in der Raumfahrt beanspruchen. Im Bereich des Abbaus von Helium-3 auf dem Mond sind Brasilien und die VEN führend. Zu Beginn dieser Kooperation stellte die VEN das Know-how und Brasilien die Finanzmittel, mittlerweile sind beide Seiten gleichberechtigte Partner in der Entwicklung und Brasiliens höherer finanzieller Aufwand wird durch größere Helium-3-Fördergebiete entlohnt. Die Raumfahrt ist aber mehr als nur ein bloßer wirtschaftlicher Faktor, sondern ein Prestigeobjekt, das den Nationalstolz der Brasilianer stark fördert.

 

Das brasilianische Militär ist ohne Frage führend in Südamerika, kann sich aber nicht mit den weltweiten Platzhirschen messen. Indien, Russland und die USA, vor allem aber China, besitzen deutlich modernere Streitkräfte, die über bessere Ausrüstung und bessere taktische Schulung verfügen. Luftwaffe und Marine Brasiliens sind überaltert und im Ernstfall sicherlich nicht mehr konkurrenzfähig. Das Hauptaugenmerk des brasilianischen Militärs liegt ohnehin auf den Landstreitkräften, die – von privaten, gut ausgebildeten und ausgerüsteten Sicherheitsfirmen unterstützt – auch immer mehr polizeiliche Aufgaben im Inland übernehmen müssen oder in befreundeten Staaten wie Peru und Paraguay stabilisierend einwirken sollen.

An der Spitze der Generalstäbe gibt es häufige Wechsel, die der Möglichkeit eines Militärputsches entgegen wirken sollen, aber auch dafür verantwortlich sind, dass die strategischen Fähigkeiten des Militärs beschränkter sind als in anderen Nationen.

 

Ziele und Stellung zu den Aliens

Die Ziele Brasiliens liegen in der langsamen aber sicheren Ausdehnung ihrer politischen und wirtschaftlichen Interessen in Afrika und dem gemeinsam mit Europa vorangetriebenen Ausbau ihrer Position auf dem Mond und im Orbit.

Sowohl die brasilianische Regierung als auch die Bevölkerung steht den Aliens überwiegend positiv gegenüber. Kritische Stimmen gibt es nur wenige. Von allen Industriestaaten besitzt Brasilien die zweitmeisten Medizinzentren und anderen Alien-Einrichtungen. Das Land war auch das erste, das den Aliens ein Botschaftsgelände anbot und ihnen mittlerweile sogar eine alte Armeebasis überließ. Die Stimmung in der Bevölkerung ist nach den jüngsten Erfolgen der Aliens im Kampf gegen das in Brasilien recht weit verbreitete FMF sehr wohlwollend. Ein führendes Fußballteam der ersten brasilianischen Liga, der FC Campo Grande, wechselte nach Ankunft der Aliens sogar seine Trikotfarbe von rot-blau auf grau, um die Grauen zu ehren, denen ihr an FMF erkrankter Präsident und Ex-Vereinsspieler Marcio Munetrao das Leben verdankt.

Die UNAISF stuft Brasilien als sehr Alien-freundlich und kollaborierenden Staat ein.

 

Republik Indien (IND)

Ein Gutachten der renommierten Ratingagentur Kline&Smith London stufte Indien zu Beginn des Jahres 2068 erstmals als führende Wirtschaftsnation der Welt ein. Diesen Platz hat Indien seither nicht mehr verlassen. Das größte Volk der Erde hat sich zum Hegemon Süd- und Südostasiens entwickelt und auch politisch wie militärisch die Vormachtstellung in Asien errungen, die der indische Staat gerne als Waffe der politischen Bedrohung einsetzt, um seine Nachbarn weiterhin im indischen Protektorat zu halten. Neben der Wirtschaft, die auch in den Krisenjahren stets weiterwuchs und von der scheinbar unbegrenzten Menge an Arbeitern profitierte, beruht der Erfolg und der Aufstieg Indiens auch auf seiner neuen Stellung als zentraler Bankenlandschaft der modernen Welt. Beobachter vermuten, dass in Kürze die indische Rupie dem Euro den Ruf als Leitwährung der Weltwirtschaft ablaufen wird, so wie einst der Euro den Dollar ersetzt hat. Die Bedeutung Indiens für den Bankensektor sieht man daran, dass die WTO 2069 erstmals einen Inder zu ihrem Leiter berief, obwohl dieses Amt traditionell in europäischer Hand lag.

 

Politische Landesstruktur

Indien existiert offiziell nach wie vor in seinen alten Grenzen, die es schon zu Beginn des Jahrhunderts besessen hat. Territoriale Zugewinne gibt es demnach nicht, jedoch sorgten die kriegerischen Expansionen seit Beginn der zweiten Hälfte des 21.Jahrhunderts für tatsächliche Zuwächse. Die Staaten Bangladesch, Laos, Kambodscha und Myanmar sind zwar faktisch gesehen selbständig, verfügen über eine eigene Regierung und gehören nicht zu Indien Jedoch besitzen sie eine relativ umfassende Abhängigkeit vom indischen Staat, der bei allen außen- und wirtschaftspolitischen Fragen dieser Länder das letzte Wort hat und vor allen Verhandlungen, Bündnisabschlüssen und Gesetzentwürfen konsultiert werden muss, wodurch Indien realistisch gesehen die Verwaltung der wichtigsten politischen Bereiche der genannten Staaten zufällt. Es handelt sich jedoch um weiterhin offiziell völlig eigenständige Staaten. Gleiches gilt für die eroberten Gebiete in Südchina. Daher finden die entsprechenden Gebiete keinen Einfluss auf die folgenden, staatlichen Daten.

 

Übersicht

Fläche   (Weltrang: 8 ) 3.287.623 km²
Bevölkerung (Weltrang : 1) 1.623.404.000
Bevölkerungsdichte 473,7 je km²
Hauptstadt Neu-Dehli
Amtssprachen Hindi, Englisch sowie 17 weitere Sprachen als Amtssprachen; zahlreiche lokale Sprachen in den jeweiligen Regionen
Währung 1 Rupie = 100 Paise; Kurs 1 € = 12,04 Rupien

 

Regierung

Das indische politische System ist seit Jahren durch die zersplitterte Parteienlandschaft geprägt, die sich in immer neuen Koalitionen zusammentun, um die Probleme des Landes zu bewältigen und die lukrativen Ämter unter sich aufzuteilen. Indien gilt als einer der korruptesten Staaten der Welt. Dies gilt sowohl für die einfache Bevölkerung, die am Existenzminimum lebenden Schichten als auch für die politische wie wirtschaftliche Elite. Die Korruption hält sich im indischen Parlament zwar offiziell in Grenzen, in Wahrheit stehen vom Ministerpräsident bis zum einfachen Abgeordneten aber fast alle Politiker auf den Lohnlisten der großen Wirtschaftsunternehmen.  Hierbei erweisen sich kleinstädtische Regionalpolitiker und Abgeordnete in den Parlamenten der 28 Bundesstaaten und 7 Unionsregionen als nicht weniger gierig und gerissen als ihre landesweit agierenden Vorbilder.

 

Staatspräsident Razschah Mukherjee
Ministerpräsident Verma Pyaar
Außenminister Damodar Khanna

 

Gegenwärtig besitzt Indien eine äußerst stabile Regierung, da in den letzten Wahlen eine der großen Volksparteien, die Lok Shaba (das Haus des Volkes), eine überraschend hohe Anzahl an Stimmen auf sich vereinigen konnte, so dass sie nur mit drei kleinen Parteien aus dem siebzehn Parteien umfassenden Parlament koalieren musste. Alle wichtigen Ministerämter liegen bei Lok Shaba, die kleinen Partner erhielten jeweils ein oder zwei wenig bedeutende Ministerien. Auch Staatspräsident Mukherjee gehört dem Haus des Volkes an.

 

Die zehn größten Megacities (Großräume) und Millionenstädte

In Klammern sind die europäischen Varianten der indischen Stadtnamen angegeben:

Mumbai (Bombay) 26,9 Mio.
Delhi 22,1 Mio.
Kolkata (Kalkutta) 20,6 Mio.
Bengaluru (Bangalore) 8,7 Mio.
Chennai (Madras) 7,7 Mio.
Ahmadabad 7,2 Mio.
Hyderabad (Haidarabad) 7,0 Mio.
Pune (Poona) 5,5 Mio.
Kanpur 3,7 Mio.
Jaipur 3,6 Mio.

 

Bevölkerungsstruktur

Bezeichnung Inder
Gliederung 97,8% Inder; Minderheiten von Tibetern, Chinesen und Europäern
Religionen 80,5% Hindus; 11,4% Muslime; 2,2% Christen; 2,1% Sikhs; 1,0% Buddhisten; 0,4% Dschainas; 2,4% andere, darunter 89.000 Parsen
Arbeitslosigkeit 3,2% offiziell, die inoffizielle Zahl dürfte um ein Vielfaches höher liegen

 

Entwicklung im 21. Jahrhundert

Im Schatten der rasant wachsenden Großmacht China, die wenigstens im ersten Drittel des Jahrhunderts alle Blicke auf sich zog, konnte sich Indien fast unbeachtet zu einem wichtigen Standort für Wirtschaft und Finanzwesen entwickeln. Der indische Markt wurde immer wichtiger und somit die indische Wirtschaft immer stärker. Nach dem chinesisch-indischen Flottenzwischenfall im indischen Ozean unterstützte Indien die separatistischen Kräfte in China mit Waffenlieferungen und Geld. Chinas Proteste verhallten ungehört, besonders als das Riesenreich in einen Bürgerkrieg stürzte und viel von seiner weltpolitischen Macht verlor, auch wenn stets von chinesischer Seite beteuert wurde, die Krise seit weit harmloser als Beobachter von außen es darzustellen pflegten.

Indien nutzte diese Schwächung Chinas radikal aus, um sich zur neuen beherrschenden asiatischen Macht neben Russland aufzuschwingen und dieses Land sogar zu überflügeln. Militärische Interventionen in Laos, Kambodscha, Myanmar und Bangladesch wurden mit an den Haaren herbeigezogenen Vorwänden betrieben, angeblich nur um soziale Ungerechtigkeiten zu beseitigen und Krisen einzudämmen, so dass der Frieden bewahrt bleiben könne. Auch bei den zentralasiatischen Staaten wuchs der indische Einfluss nach dem Zusammenbruch Chinas, dem dringend benötigte Unterstützungen seitens Indiens versagt wurden. Stattdessen übernahmen sie Chinas Stand als Hegemonialmacht für Zentralasien und taten alles, um China weiter zu schwächen und die Bürgerkriege zu fördern. In diesem Zusammenhang fiel Indien in Südchina ein und besetzte weite Gebiete unter dem Vorwand, seine eigenen Grenzen lediglich schützen zu wollen. Russland stand in diesem Vorgehen auf Seiten Indiens und hielt den Indern politisch gesehen den Rücken frei, indem sie die Energielieferungen an die europäischen Staaten nutzten, um Europa ruhig zu halten und beschwichtigend einzuwirken. Russlands Verhalten war freilich nicht von der puren Liebe zu Indien geprägt, sondern einzig darin bestrebt, Großchina eine bittere Niederlage beizubringen. Seither herrschen gute nachbarschaftliche und wirtschaftliche Beziehungen zwischen Indien und der russischen Föderation.

Als Folge dieser Quasi-Eroberungen wurden meist indisch-freundliche Herrscher an die Macht gebracht, die großzügige finanzielle und politische Unterstützung erfuhren, um ihr Amt zu behalten und sie an Indien zu binden. Parallel dazu wurde der wirtschaftliche Aufschwung mit Steuervergünstigungen für indische Konzerne und erfolgreiche Unternehmen vorangetrieben. Auch die vordergründigen Beziehungen zu Pakistan entspannten sich insgesamt leicht, auch wenn die beiden Staaten erbitterte Feinde blieben. Das finanzielle Engagement Indiens zur Hilfe der Stabilität in Pakistan diente dem eigenen Schutz, in dem radikal-muslimische Kräfte unterdrückt werden konnten. Auch in Afrika fasste Indien gemeinsam mit China früh Fuß. Bis zum chinesischen Zusammenbruch herrschte eine gesunde, aber niemals kriegerisch anmutende Rivalität zwischen beiden Staaten.

Hingegen stellen das enorme soziale und finanzielle Gefälle innerhalb der Bevölkerung und stets wieder aufflammende religiöse Unruhen, bei denen die zahlenmäßig weit unterlegenen Muslimen meist aus dem Untergrund agierten. Bombenanschläge in den Großstädten und Gefechte im unwirtlichen Hinterland gehören seither in Indien zur Tagesordnung.

 

Aktuelle Situation: Politik und Soziales

Gegenwärtig startet das indische Militär eine Großoffensive gegen die muslimischen Rebellen im Norden des Landes. Derweil kämpft Präsident Mukherjee an anderer Front: Er versucht im Parlament, die Gesetzeslage zur Änderung der Statuen des Wahlrechts zum Staatspräsidenten durchzubringen.

Die den Staat seit der letzten Wahl führende Partei Lok Shaba versuchte umfangreiche Wirtschaftsprogramme zu initiieren. Dabei profitiert sie auch von der Zerstrittenheit der Opposition, die nicht in der Lage ist gemeinsame Kampagnen auf die Beine zu stellen oder sich wenigstens in Sachfragen in den Regionen zu einigen. Innerhalb der Partei gibt es aber einen Machtkampf zwischen dem Parteivorsitzenden Dilip Ananad, der die Partei seit Jahren aus dem Hintergrund führt und als Mentor von Ministerpräsident Pyaar gilt, und einer Gruppe jüngerer, aufstrebender Politiker, denen ihr eigener Aufstieg innerhalb der Partei zu langsam vorangeht. Sie bezeichnen sich als linker Flügel des Hauses des Volkes, jedoch haben ihre Ideale wenig mit wirklichem linkem Gedankengut zu tun. Vielmehr versuchen sie nur die sozialen Probleme des Landes zu ihrem Vorteil auszunutzen, um an die Macht zu gelangen. Seit dem mysteriösen Unfalltod ihres Rädelsführers Kumar Rai kursieren Geschichten über einen politischen Mord. Dass die als korrupt und der herrschenden Partei loyal geltende Polizei bei ihren Untersuchungen nachweislich dilettantische Fehler machte, verstärkte solche Gedankengänge noch. Für die UNAISF ist dieser Tod ebenfalls tragisch, da Kumar Rai ein Kontaktmann der Organisation war, so dass sich nun die Frage stellt, ob er ob seiner politischen Ambitionen, aus natürlichen Umständen oder wegen seiner Zugehörigkeit zum Unterstützerkreis der UNAISF sterben musste. Letzteres könnte daraufhin weisen, dass Alien-freundliche oder gar durch einen Inhibitor kontrollierte Kräfte in Indien die Existenz der UNAISF enttarnt und vielleicht schon an die Außerirdischen weitergegeben haben.

Neben diesem Thema steht auch ein neuer Assoziationspakt mit Russland aus, um die gemeinsame Zusammenarbeit weiter zu steigern.

 

Die vom linken Flügel der Lok Shaba benannte soziale Lage in Indien ist tatsächlich schrecklich, wobei keiner Partei allein die Schuld dafür gegeben werden kann. In den letzten Jahrzehnten wurde wenig auf das Wohl des einfachen Volkes geachtet, sondern sein Schicksal dem rasanten Wirtschaftswachstum geopfert. Die große Zahl an billigen Arbeitskräften machte einzelne Menschen leicht ersetzbar. Soziale oder medizinische Absicherungen gab und gibt es in Indien nur für jene, die sich teure Abschlüsse mit privaten Versicherungen leisten können.

Das Land ist überbevölkert und kann die Massen von Menschen trotz immer ausgereifterer und mit genetischen Veränderungen verbesserter Anbaumethoden nicht mehr ernähren. Mehr als 35% der Inder leben weit unter der Armutsgrenze, oftmals noch ohne Zugang zu fließendem Wasser und modernen sanitären Einrichtungen. Dem Staat fehlen die Mittel, diese Probleme anzugehen, da die schiere Masse der Bevölkerung auch nur geringe Pro-Kopf-Investitionen in schwindelerregende Höhen steigen lässt. Ferner investieren die Politiker lieber in Projekte, die der Wirtschaft zu Gute kommen oder arbeiten in die eigene Tasche. Auch die Investitionen in die ausländischen, scheinbar unabhängigen Staaten wie Laos und Kambodscha und die Besetzung Südchinas verschlingen Unsummen, die anderswo fehlen.

Trotz dieser Situation bleibt das indische Volk erstaunlich friedlich. Ein Aufstand aus sozialen Problematiken heraus scheint äußerst unwahrscheinlich. Weit gefährlicher ist die überkochende Stimmung zwischen radikalen Hindus und Muslimen. In vielen Großstädten, in denen Muslime noch deutlicher in der Unterzahl als auf dem entlegenen Land sind, finden nicht selten Jagdszenen statt, bei denen Muslime von fanatischen Hindus schikaniert werden. In immer geringer werdenden Abständen kommt es zu Übergriffen größerer Gruppen auf die Gotteshäuser der anderen Seite. In den letzten drei Jahrzehnten brannten 39 Moscheen, vor allem in Nordindien.

 

Die indische Polizei genießt einen schlechten Ruf. Sie gilt als schlecht ausgebildet, korrupt und willkürlich. Häufig wird von unmenschlichen Behandlungen von Gefangenen schon im Untersuchungsgefängnis berichtet, die entweder ein Geständnis erpressen oder auch bloß zur Befriedigung der sadistischen Tendenzen der Wärter dienen. Die indischen Gefängnisse gelten als überfüllt.

Das kulturelle Erbe Indiens, besonders das hinduistische, besitzt weiterhin große Bedeutung und hat nichts mit dem stärker werdenden Tourismus zu tun. Kühe gelten immer noch als heilig und genießen alle denkbaren Verheerungen und Rücksichtnahmen. Auch die rituelle Waschungen im Ganges gibt es noch immer, ebenso wie zahllose Prozessionen und Feste zu den hinduistischen Feiertagen.

 

Wirtschaft und Energie

In diesen Bereich besitzt Indien kaum Nachholbedarf. Der indische Haushalt ist wie so viele Staatshaushalte überall in der Welt zwar verschuldet, doch halten sich die Zahlen in Grenzen. Gemeinhin wird Indien als stärkste Volkswirtschaft gesehen. In allen großen und bedeutenden Marktsegmenten gehört Indien zu den führenden Mächten der Welt, muss jedoch seinen Strom und seine Energie auch aus dem Ausland kaufen, da Indien mittlerweile einen gigantischen Verbrauch an Energie besitzt und diesen trotz aller Anstrengungen und der Kombination verschiedener Modelle nicht decken kann.

 

Militär und Raumfahrt

Das indische Militär gilt weltweit als stärkstes Militär. Die indische Rüstungsproduktion läuft auf Hochtouren, um die Effizienz und Stärke der Armee zu steigern, dabei wird aber wenig auf den einfachen Infanteristen und dessen Schutz Wert gelegt, sondern nur auf die Entwicklung immer neuerer und  verbesserter Waffentechnologien.

Die Inder besitzen 2071 eigene Mondparzellen und einen von russischen Experten errichteten und aus Russland gekauften Orbitalaufzug. Ansonsten ist Indien in seiner orbitalen und extraorbitalen Entwicklung nur den Russen und Europäern unterlegen.

 

Ziele und Stellung zu den Aliens

Indien steht den Aliens sehr positiv gegenüber. Man hofft darauf, in Kooperationsverhandlungen einen Technologieaustausch vereinbaren zu können, damit Indien seine Stellung als Weltmarktführer weiter ausbauen oder wenigstens behaupten kann. Über kurz oder lang ist ein unvermeidbares Ziel die Lösung der Kaschmir-Frage, die Probleme mit Pakistan aufweisen würde. Manche Inder, die der alten Verbissenheit und Rivalität zwischen Indien und Pakistan aufgewachsen sind, würden auch einen atomaren Erstschlag gutheißen. Eine Militärstudie hat ergeben, dass man mit einer Wahrscheinlichkeit von 11% schnell und gezielt genug Zerstörungen an den pakistanischen Atomsilos vornehmen könnte, so dass diese keinen Angriff mehr erwidern könnte.

 

Den Aliens wurden im indischen Dschungel zwei ausgewählte Landemöglichkeiten fernab von jeder Zivilisation gewährt. Mit 47 Medizinzentren verfügt Indien über die größte Zahl an solchen Anstalten weltweit.

 

Kaiserreich Japan

Wie alle großen Staaten blieb auch Japan im 21. Jahrhundert nicht von Krisen und Katastrophen verschont. Wie Europa kämpfte das Japan gegen eine starke Überalterung der Gesellschaft und hatte eine stärkere Staatsverschuldung als die USA und China zu bewältigen, dennoch waren nicht Reformen und Neuordnungen der Weg aus der Krise. Die traditionsbewusste und starre japanische Gesellschaft ließ solche Veränderungen nur äußerst bedingt zu, sondern bot den Krisen Aufopferungsbereitschaft entgegen und saß manche Probleme einfach aus, bis sich eine Lösung ergab. So ist Japan von allen Großmächten des späten 21. Jahrhunderts am wenigsten verändert. Die strikte Sparpolitik, die das Land stabilisierte, ließ sich dank der in Japan verbreiteten Mentalität des Pflichtbewusstseins gegenüber dem Staat besser durch- und umsetzen als in anderen Staaten. Überdies sorgte die noch mehr als in anderen Großstaaten der Welt ausgeprägte Familienzusammengehörigkeit dafür, dass alte Menschen nicht allein auf die stark gekürzten staatlichen Renten angewiesen waren, sondern sich auf Unterstützung und Pflege im heimischen Umfeld verlassen konnten.

Letztlich waren es aber auch Wagemut und schieres Glück, die den Untergang und den Bankrott des japanischen Staates vermieden: Der Plan auf kostspielige Raumfahrtprojekte zu verzichten und stattdessen die eingesparten Gelder zur Erforschung der Tiefsee einzusetzen, erwies sich für Japan als bahnbrechender Meilenstein. Heute besitzt kein anderer Staat so viele und große Unterseestationen mit den damit verbundenen Wirtschaftsvorteilen. Geothermische Kraftwerke auf dem Meeresgrund sorgen zwar für eine neue, bis dahin völlig unbekannte Form der Umweltverschmutzung, sichern aber auch die Versorgung des Kaiserreiches mit Energie, was über Jahrzehnte hinweg eines der größten Probleme des Landes war, das zu lange an Kernspaltungsreaktoren und Kohlekraftwerken festgehalten und somit den Entwicklungsprozess auf dem Weg zur Kernfusion und regenerativen Energien verschlafen hatte. Überdies sichern unterseeische Abbaustationen die Versorgung Japans mit zahlreichen wertvollen Rohstoffen.

Aber auch Glück spielte eine Rolle, denn mit der Unterseeerforschung verbunden ist auch ein bis heute weitgehend geheim gehaltenes Projekt, das den Japanern einen gewaltigen Sprung in der technologischen Entwicklung sicherte. Auf dem Meeresgrund entdeckte Japan ein abgestürztes Raumschiff, in dem außerirdische Roboter einer fortgeschrittenen Generation entdeckt wurden. Zwar ist es Japan bis heute nicht möglich, solch hochkomplexe Roboter nachzubauen, doch der Einblick in ihre Herstellung erlaubte japanischen Wissenschaftlern, die mit weitem Abstand modernsten Roboter der Welt herzustellen, die heute in vielen Bereichen des Lebens zur Anwendung kommen. Dies gilt sowohl als Ersatz von Arbeitern in Fabriken, was die Auswirkungen der Überalterung der japanischen Gesellschaft abmildert, als auch zur Pflege von Alten und Kranken sowie beim Einsatz in manchen Tiefseegebieten, die für Menschen nur unter großem technologischen Aufwand besucht werden können.

Alles in allem hat Japan seine Probleme weitgehend überwunden und ist zu einem der stabilsten Staaten der Welt geworden. Alte Traditionen und Wertesysteme wurden gestärkt, als sie sich in der Krise bewährten. Während in vielen Teilen der Welt egoistische Bestrebungen das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben bestimmen, ist die Staatsbürgerschaftspflicht in Japan weiterhin ein verbreitetes Gut, auch wenn dadurch individuelle Interessen nicht gänzlich unterdrückt werden.

 

Politische Landesstruktur

Das japanische Staatsgebiet hat sich in den Jahren seit dem Beginn des 21.Jahrhunderts nichts nennenswert verändert. Einzig einige besonders flache Inseln im Pazifik sind durch das Ansteigen der Meeresspiegel in Folge des Klimawandels im Meer versunken, während andere auf Grund von Umweltverschmutzung gänzlich aufgegeben wurden. Für das ohnehin überaus dicht besiedelte Japan bedeutete dies aber keine großen Veränderungen. Einen schmerzlicheren Einschnitt stellt der Verlust der seit Beginn des 20. Jahrhunderts umstrittenen, teilweise umkämpften Kurilen da, die während der größten japanischen Krise im zweiten Viertel des 21. Jahrhunderts an Russland abgetreten wurden, um im Gegenzug weiterhin Energielieferungen zu erhalten. Bis heute gibt es starke nationale Bestrebungen, die eine Rückgewinnung der verlorenen Inseln fordern. Besonders radikale Gruppen schließen sogar einen militärischen Konflikt mit Russland nicht aus, wenn sich keine friedliche Einigung erzielen lässt.

Fläche   (Weltrang: 57) 377.837 km²
Bevölkerung (12) 132.357.000
Bevölkerungsdichte 350,3 je km²
Hauptstadt Tokio
Amtssprachen Japanisch
Währung Yen; 100 Yen = 0,99 Euro

 

Regierung

In Japan gilt nach wie vor die am 3. Mai 1947 in Kraft getretene Verfassung, die den Kaiser weiterhin als Staatsoberhaupt vorsieht, der seit Stärkung der konservativen Kräfte im Land während der Krisen des 21. Jahrhunderts durch 3 Verfassungszusätze wieder an Bedeutung und Einfluss gewonnen hat. Seine Position ist nunmehr nicht rein auf repräsentative Aufgaben beschränkt, sondern ihm steht die direkte politische Macht zu, Parteien oder Einzelpersonen von der Wahl auszuschließen, wenn diese keine „ausreichend nationale Gesinnung“ besitzen. Ebenso kann er bereits gewählte Vertreter absetzen oder die parlamentarischen Immunität einzelner Abgeordneter aufheben. Seit der Einführung dieses Instrumentes im Jahr 2058 machte der seit März 2042 amtierende Tenno Nadoshiva jedoch erst einmal davon Gebrach, um einen radikalen Parlamentarier zu entfernen, der offen eine militärische Lösung des Kurilen-Problems erwog. Weiteren Einfluss auf die Politik besitzt der Tenno nicht, gilt aber als moralisches und sittliches Vorbild der Nation. Er hält jährlich eine Rede zur Notwendigkeit der Aufopferung des Einzelnen für die Staatsinteressen. Er ist keiner politischen Fraktion zuzuordnen und spricht niemals Empfehlungen für Wahlen aus.

 

Premierminister Takashi Ono (liberaldemokratische Partei/LPD)
Außenminister Koichiro Kagawa (konservative Partei)
Energieminister Shinij Usami (konservative Partei)

 

Der Energieminister Shinij Usami besitzt eine herausragende Rolle im Parlament, da auch die gesamten Untersee-Einrichtungen des Landes und die damit verbundene Robotik-Produktion in sein Ressort fallen. Er gilt als sehr konservativer Mann und ist stolz auf seine Familientradition, die sich (angeblich) bis zum legendären Shogun Tokugawa Ieyasu zurückführen lässt. Für die UNAISF ist er ein unschätzbarer Verbündeter, da er aus dem riesigen Budget seines Ministeriums großzügige Mittel für die UNAISF zur Verfügung stellt. Seine große politische Bedeutung macht ihn aber auch zu einem verlockenden Ziel für die Aliens, um ihn zu ersetzen.

 

Die 10 größten Megacities (Großräume) und Millionenstädte

Tokio 11,3 Mio (Großraum Tokio-Yokohama 39,4 Mio.)
Osaka 3,3 Mio. (Großraum Oska-Kobe-Kyoto 22,4 Mio.)
Kobe 3,2 Mio
Yokohama 3,2 Mio
Nagoya 2,9 Mio. (Großraum 8,6 Mio.)
Kyoto 2,4 Mio
Sapporo 2,2 Mio. (Großraum 3,1 Mio)
Fukuoka 2,1 Mio. (Großraum Fukuoka-Kitakyushu 5,2 Mio.)
Saitama 1,9 Mio
Kawasaki 1,7 Mio.

 

Bevölkerungsstruktur

Bezeichnung Japaner
Religionen 92% Schintoisten; 82% Buddhisten (siehe unten); 2% Christen; 6% religionslos
Arbeitslosigkeit 2,2% nach offiziellen Angaben

 

Aktuelle Situation: Politik und Soziales

Die japanische Bevölkerungsstruktur zeichnet sich nach wie vor durch eine extreme Überalterung aus. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden Prognosen aufgestellt, die ein stetiges Abnehmen der japanischen Bevölkerung bis zum Ende des Jahrhunderts vorhersagten. Um 2070 sollte die Einwohnerzahl auf 50 Mio. gesunken sein. Die Rückkehr zu traditionellen familiären Strukturen, medizinische Fortschritte, eine gesteigerte Geburtenrate und nicht zuletzt der Einsatz von Robotern in kritischen Arbeitsbereichen sorgte jedoch für eine unverändert hohe Bevölkerungszahl. Die Überalterung ließ sich durch diese Methoden freilich nicht bekämpfen, sondern wurde eher verschlimmert. Heute ist etwa ein Drittel der Japaner über 60 Jahre alt, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 84,3 Jahren und damit die höchste weltweit. Die Bevölkerungsstruktur, die sich noch vor 25 Jahren als eine Sanduhr darstellte und ein erschreckend geringes Maß an Bürgern der Altersgruppe 25-40 Jahren aufwies, hat sich mittlerweile jedoch grundlegend geändert. Die seit 2035 durch staatliche Programme und die Rückbesinnung auf familiäre Werte geförderte Geburtenrate sorgt heute für eine ausgeglichene Bevölkerungsstruktur.

Die traditionellen Werte haben in Japan eine sehr große Bedeutung, was sich nicht zuletzt in den Konfessionen niederschlägt. 78% der japanischen Bevölkerung bekennen sich sowohl zum Schintoismus als auch zum Buddhismus, weshalb im Zusammenhang mit Japan oftmals von einem synkritischen Religions- und Weltbild gesprochen wird. Diese kulturell eher konservative Gesinnung hindert die Japaner nicht daran, eine große Vorliebe für alles Technologische zu besitzen, zeigt sich jedoch immer wieder in den zahlreichen mythologischen Elementen, die in japanischen Filmen und Computerspielen auftreten.

 

Wirtschaft und Energie

Japan verfügt weltpolitisch gesehen über eine eher zweitrangige Stellung in der Energiepolitik, jedoch sorgen die Unterseekraftwerke sowie in jüngster Zeit errichtete Kernfusionsreaktoren für eine ausreichende und für die Zukunft gesicherte Energieversorgung des eigenen Staates. Auch im Bereich der medizinischen Wissenschaften genießt Japan eine Sonderstellung. Das medizinische Versorgungssystem Japans gehört durch die modernen Techniken und in der Altenpflege eingesetzten Roboter zu den fortschrittlichsten der Welt. Die Konzentration auf die Robotik hat jedoch die Entwicklung kybernetischer Ersatzimplantate verzögert, so dass Japan in diesem Wirtschaftssegment eher hinterherhinkt.

Die japanische Wirtschaft stützt sich auf Schwerindustrie und Fahrzeugbau. Hauptelement ist jedoch die Computertechnologie, in der nach wie vor Indien die Vormachtstellung in der Welt genießt, Japan in den letzten zehn Jahren aber wieder deutlich aufholte. Prognosen zufolge wird Japan durch moderne Innovationen und visionäre neue Techniken, die auch im Zusammenhang mit der Robotik stehen, Indien bis 2080 wieder deutlich überflügelt haben.

Die Untersee stellt Japans wichtigsten Entwicklungsraum dar. Moderne Unterseekraftwerke, Forschungsstationen und erste Habitate unter Wasser in relativen Küstennähe sind in der gesamten Welt bahnbrechende Entwicklungsschritte, die mittlerweile von anderen Staaten wie den USA, China und der VEN in groben Zügen kopiert werden, jedoch können sich selbst alle anderen Nationen vereint nicht mit Japan in diesem Bereich messen. Es liegen keine offiziellen Zahlen vor, doch inoffiziellen Schätzungen zufolge besitzt Japan inklusive vermuteter geheimer von Energie- und Forschungsunternehmen sowie dem Militär genutzten Basen über mehr als 200 Unterseestationen.

 

Militär und Raumfahrt

Das in der Verfassung vom 3. Mai 1947 verankerte Verbot eines Militärs ist seit Beginn des 21. Jahrhunderts zunehmend aufgeweicht worden. Seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts begann der japanische Staat die Armee konsequent aufzurüsten, was zunächst in einer Angst vor einer möglichen chinesischen Invasion begründet war. Anfängliche Bedenken von Kriegsgegnern, die gegen Einsätze in Zentralasien im Rahmen von UN-Missionen protestierten, verstummten angesichts eines stetig steigenden Nationalbewusstseins der Japaner immer mehr. Japan verfügt von allen Großstaaten noch immer über das kleinste Militärprogramm der Welt, jedoch über hervorragend ausgerüstete und moderne Verbände. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Marine. Die Untersee-Marine Japans befindet sich auf dem modernsten Stand der Technik und ist weltweit führend.

Die Raumfahrt ist hingegen ein von Japan fast vollständig vernachlässigtes Feld. Die hier eingesparten Gelder fließen in die Untersee-Forschung. Japan verfügt über keinerlei Mond- oder Erdorbitalstationen. Einzig ein kleines Forschungslabor, das die Japaner in Zusammenarbeit mit China unterhalten, zeugt vom nicht gänzlich geschwundenen Interesse der Japaner an entsprechender Forschung. Versuche, aus dem im Meer abgestürzten Raumschiff, dass für die Robotik-Entwicklung Japans so förderlich war, auch Erkenntnisse über die Raumfahrt zu gewinnen, blieben halbherzig und von wenig Erfolg gekrönt. Energieminister Shinij Usami hat jedoch ein für die folgenden Jahrzehnte angelegtes Entwicklungsprogramm in diesem Sektor angekündigt, dass 2075 starten soll und das ehrgeizige Ziel verfolgt, Japan im Bereich der erdfernen Raumfahrt zur führenden Nation weltweit zu machen.

 

Ziele und Stellung zu den Aliens

Japans Politik zielt auf eine Stabilisierung der Verhältnisse ab. Die verbesserten Kontakte zu China sorgen für militärische Sicherheit und Erfolge in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Die Beziehungen zu den VEN und Brasilien sollen in Zukunft weiter ausgebaut werden, da man in diesen neben China die wichtigsten Handelspartner für die kommenden Jahrzehnte vermutet.

 

Gegenüber den Aliens besitzt Japan ein sehr zwiespältiges Verhältnis. Einerseits scheinen die Neuankömmlinge wenig in das konservative Weltbild der Japaner zu passen und viele Menschen befürchten Veränderungen in den gesellschaftlichen Strukturen. Andererseits erfreuen sich bei der überalterten japanischen Gesellschaft gerade die Medizinzentren der Grauen größter Beliebtheit. Nach anfänglichen Bedenken der Regierung wurden jüngst mehrere Flächen in den Innenstädten durch Bau- und Abrissmaßnahmen geräumt, um Platz für neue Medizinzentren in guter Lage zu schaffen. Die Aliens besitzen ihrerseits an Japan das geringste Interesse von allen großen Nationen, da diese durch ihre geringe Weltraumforschung und die überwiegend auf die See beschränkten Streitkräfte eine geringe Bedrohung darzustellen scheinen. Auch die dicht bebaute Landesstruktur Japans, die keine entlegenen und somit für die geheimen Absichten der Aliens geeigneten Basen zulässt, schmälert das Interesse der Aliens an Japan.

Heute widmen wir unsere Aufmerksamkeit einem weiteren (genauer: dem größten) Power Player:

Großchinesische Staatenwelt

Kein anderes Land der Welt hat sich im Laufe des 21. Jahrhunderts so häufig und stark verwandelt wie China. Zu Beginn des Jahrhunderts waren sie die aufstrebende Großmacht, die um 2020 herum die USA als Weltmacht Nr. 1 ablösten. Einigen Wirtschaftskrisen und sanften, meist vordergründigen sozialen Reformen folgten die Eingliederungen Nordkoreas und Taiwans. Diese Entwicklung gipfelte in der Ausrufung Großchinas, was einen patriotischen Effekt hatte, der sich jedoch bald in eine separatistische Gegenbewegung verwandelte. Schon in den frühen Jahren des Jahrhunderts, als China noch aufstrebte und sich mit für andere Länder beängstigendem Tempo entwickelte, hatte es vielerorts im Land das Streben nach mehr Autonomie gegeben. Mit der wirtschaftlichen Schwächung und der zweiten Krisenphase Mitte des Jahrhunderts, als der chinesische Wirtschaftsboom endgültig ins Stocken geriet und schließlich zum Stehen kam, verstärkten sich diese Bestrebungen noch mehr. Trotz intensiver Bemühungen gelang es der Zentralmacht in Peking nicht, das Auseinanderbrechen des Riesenreiches zu verhindern, so dass heute sieben chinesische Staaten existieren. Diese verbindet neben der gemeinsamen Geschichte und Kultur und den zwei Hauptsprachen des Reiches ein gemeinsamer Wirtschaftsraum. Gemeinsam stellen sie immer noch eine Großmacht da, die auf Grund der engen Handelsstrukturen hier auch solche Einheit aufgeführt wird.

 

Politische Landesstruktur

China besteht 2071 aus sieben Einzelstaaten, von denen es sich bei zweien um Stadtstaaten ähnliche Agglomerationen, also ausgedehnten Ballungszentren handelt. Die fünf übrigen sind Flächenstaaten, die jedoch auch zum Teil von Verfall betroffen sind. Das Gesamtgebiet umfasst die Grenzen der Volksrepublik China zu Beginn des Jahrhunderts. Das zwischenzeitlich besetzte Nordkorea konnte nach dem Zerfall des Staates nicht gehalten werden und vereinigte sich mit Südkorea.

In der folgenden Aufteilung werden die Flächengrößen und Einwohnerzahlen nur gerundet angegeben, da sich die Grenzverläufe monatlich ändern und keine einheitlich anerkannte Grenzziehung festgelegt ist.

 

Guangdong ist einer der Stadtstaaten, wenn auch weit größer als man es sich unter dieser Beschreibung vorstellen kann. Das Gebiet umfasst das Mündungsdelta des Perlflusses (Zhu Jiang) und damit die daran gelegenen Millionenstädte Guangzhu, Foshan, Dong Guan, Hongkong und Macao sowie die beiden ehemaligen Sonderwirtschaftszentren Shenzhen und Zhuhai. Diese Einzelstädte und Industriezonen wuchsen Mitte des 21.Jahrhunderts in einander und sind heute kaum noch zu trennen. In dieser riesigen Megacity leben 2071 mehr als 42 Millionen Menschen. Einst bildete allein dieser Bereich etwa ein Viertel der chinesischen Wirtschaftskraft und ist heute die finanziell und wirtschaftlich weit aus stärkste Teilstruktur des alten Großchinas.

Fläche ca. 11.000 km²
Bevölkerung 42.304.417
Dichte 3845,8 je km²
Hauptstadt Guangdong-Ballungsraum
Regierung Song Gang-De, Präsident der Metropolregion

 

Die freie Stadt Hunan in Süden des zentralen Chinas ist der zweite Stadtstaat, ebenfalls ein riesiger Stadtkomplex von fast 31 Mio. Einwohnern, jedoch nicht so weitläufig wie Guangdong und auch wirtschaftlich nicht ganz so stark, was mitunter daran liegt, dass Hunan nicht direkt am Meer, sondern nur am Jangtsekiang liegt, so dass seine Waren zwei andere chinesische Teilstaaten – Zentralchina und Ostchina – über den langen Fluss befahren müssen, um zum offenen Meer zu gelangen. Hunan ist zu 90% von Zentralchina eingeschlossen, nur im Südwesten grenzt es an die Republik Yunnan.

Fläche ca 6.000 km²
Bevölkerung 30.930.280
Dichte 5155 je km²
Hauptstadt Hunan
Regierung Jian Ning, Präsident des Stadtparlaments

 

Xinjiang ist der mit Abstand größte Flächenstaat unter den Erben Großchinas. Er umfasst den kompletten Nordwesten und Westen des alten Reiches, damit aber auch die ärmsten und wirtschaftlich am wenigsten erschlossenen Gebiete, die Wüsten und weiten Ödlande. Hingegen beherbergen diese Teile Chinas zahlreiche Rohstoffvorkommen, die jedoch nicht planmäßig abgebaut werden, da in Xinjiang immer noch Warlords um die Macht kämpfen. Chinesische Unterweltkartelle haben hier großen Einfluss. Der Teilstaat umfasst die alten Provinzen Xinjiang, Quinghai, Gansu, Ningxia sowie die größten Teile der Inneren Mongolei und jene zwei Drittel von Tibet, die nicht nach dem Zerfall Großchinas unabhängig wurden.

Fläche ca 3.400.000 km²
Bevölkerung ca. 128.000.000
Dichte ca. 37,6 je km²
Hauptstadt Urumchi
Regierung sechs große und eine unbekannte Anzahl an kleinen Warlords

 

Beijing-Jelin: Im Nordosten Chinas liegt das Reich Beijing-Jelin, das neben den beiden namengebenden Regionen Großchinas auch dessen alte Gebiete Hellngjiang, Liaoning, Hebei, Shanxi, Shaanxi und Shandgond sowie das östliche Drittel der Mongolei umfasst. Dieser Nachfolgestaat gilt als militärisch am besten gerüstet und strebt als einziger mit offiziellem politischen Anspruch die Widervereinigung Chinas an. Es sind die Restgebiete der alten Pekinger Zentralregierung und ihrer Verbündeten. Die militärischen Mittel sind zwar beeindruckend, reichen aber nicht aus, um mehr als zwei der anderen Staaten gleichzeitig zu bekämpfen. Gegenwärtig liegen sie im Konflikt mit Xinjiang und Zentralchina, wobei Beijing-Jelin in die Gebiete Zentralchinas eingefallen ist, um sie zu erobern, während an der Westgrenze Xinjiang der Aggressor ist. Drei der hier ansässigen Warlords wollen ihr Territorium ausbreiten und vorallem die wirtschaftlich weit wertvolleren Regionen Beijing-Jelins erobern. In Beijing-Jelin sind die alten pseudo-kommunistischen Strukturen mit einer allein regierenden Partei noch erhalten geblieben, doch auch hier herrscht der Kapitalismus.

Fläche ca. 2.250.000 km²
Bevölkerung ca. 406.000.000
Dichte ca. 180,4 je km²
Hauptstadt Beijing (Regierungssitz ist jedoch auf Grund der grenznahen Lage der Hauptstadt  gegenwärtig die Stadt Shenyang)
Regierung Guan Shi, Partei- und Staatsratsvorsitzender

 

Ostchina erstreckt sich von Nord nach Süd entlang der ostchinesichen Küste und umfasst neben den Provinzen Jiangxi, Fujian und Zhejiang auch die wirtschaftlich wichtigen Städte am langen Fluss (Jangtsekiang) – Shasi, Wuhan, Nanjing und Shanghai – sowie mehrere Millionenstädte an der Küste. Ostchina ist eng mit Japan und Korea verbündet und ein liberaler, rein auf den Handel ausgerichteter Staat. Um vor weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen Ruhe zu haben, zahlt Ostchina den ärmeren Regionen Zentralchina und Beijing-Jelin jährliche Abgaben, die die beiden Schwesterstaaten nutzen, sich untereinander zu bekriegen.

Fläche ca. 1.200.000 km²
Bevölkerung ca. 386.000.000
Dichte ca. 321,3 je km²
Hauptstadt Shanghai
Regierung Zhao Tao-Tian, Ministerpräsident

 

Zentralchina ist der einzige Teilstaat, der an alle sechs anderen Staaten grenzt, und ist daher ständig in Kämpfe und Grenzstreitigkeiten verwickelt. Diese Republik ist auch innenpolitisch höchst instabil, da seine Parteien aus den Clans einflussreicher Familien bestehen, die einander erbarmungslos bekämpfen und selbst die Schwächung des eigenen Staates in Kauf nehmen und nutzen, sich selbst eine bessere Position zu verschaffen. Zentralchina umfasst Anhui, Sichuan, Chongqing und einen Teil der Provinz Guangdong. Die Republik schließt die freie Stadt Hunan fast komplett ein kontrolliert mit Teilen der Flüsse Jangtsekiang und Zhu Jiang zwei der wichtigsten Wasserstraßen Chinas, erreicht selbst aber mit keinem Stück seines Gebietes die Küste.

Fläche ca. 1.600.000 km²
Bevölkerung ca. 334.000.000
Dichte ca. 208,8 je km²
Hauptstadt Chongqing
Regierung Wang Dong-Cai, Staatsratspräsident

 

Der letzte Teilstaat ist Yunnan im Südosten Chinas. Ihm gehören die Insel Hainan sowie kleine Teile Tibets und die alten Provinzen Yunnan, Guizhou und Guangxi an. Bis auf kleine Gebiete von Guangxi und die Insel Hainan ist dieses Gebiet jedoch von indischen Truppen besetzt. Die ansässigen Warlords führen einen Guerilla-Krieg gegen die weit besser ausgerüsteten indischen Truppen, erzielen dabei aber nur geringe Erfolge

Fläche ca 1.200.000 km²
Bevölkerung ca. 293.000.000
Dichte ca. 244,1 je km²
Hauptstadt eigentlich Kunming, gegenwärtig jedoch Haikou auf der Insel Hainan, da Kunming von den Indern besetzt ist
Regierung offiziell Ministerpräsident Huang Meng, in besetzten Teilen haben gegenwärtig jedoch lokale Warlords die Macht

 

Entwicklung im 21. Jahrhundert

Chinas Entwicklung verlief zunächst vielversprechend und der Aufstieg zur führenden politischen, militärischen und wirtschaftlichen Macht war unausweichlich, doch wie in vielen Staaten wurden Probleme zugunsten steten Wachstums auf die lange Bank geschoben und weitgehend ignoriert. Dies rächte sich bitter. Wurden die ersten Krisen durch die harte Linie des Staates bewältigt, so konnten die separatistischen Bestrebungen nicht aufgehalten werden. Es folgte die zweite Epoche der Warlords, die schon einmal im frühen 20. Jahrhundert China geprägt hatten. Die aus der Zersplitterung entstandenen Staaten nahmen denkbar unterschiedliche Entwicklungen im Lauf der letzten Jahrzehnte. Während Ostchina und die beiden Stadtstaaten weiter aufblühten und enormes wirtschaftliches Potential entwickelten, hatten die übrigen Staaten mit zunehmender Armut und wirtschaftlichem Niedergang zu kämpfen, der durch die fortwährenden Konflikte und Kriege zwischen Warlords und Machthabern noch verschärft wurde. Aber schon bald mussten auch die Wirtschaftszentren feststellen, dass sie stark unter der Zersplitterung litten, da ihnen nun die Millionenheere der Wanderarbeiter fehlten, deren günstige Arbeitskraft stets Triebfeder und Grundlage der chinesischen Entwicklung gewesen waren. Die massenhaft billigen Arbeitskräfte die zunächst China und im Laufe des gesamten Jahrhunderts Indien groß gemacht hatten, waren nicht zu ersetzen, auch wenn versucht wurde, sie aus anderen chinesischen Teilstaaten, sowie Korea, Laos und Kambodscha anzuwerben.

Das schwerste Schicksal hatte der Staat Yunnan zu ertragen, der von Indien erobert wurde und seine unter schweren Opfern erstrittene Selbständigkeit wieder verlor.

 

Aktuelle Situation: Politik und Soziales

Die Kämpfe zwischen den chinesischen Teilstaaten halten vor allem im Norden zwischen Beijing-Jelin, Xinjinang und Zentralchina weiterhin mit unvermittelter Härte an. Menschenrechtsorganisationen prangern immer wieder schwerwiegende Kriegsverbrechen an. Im Osten und Südosten hingegen hat sich die Lage weitgehend stabilisiert und die Kriegswunden heilen. In diesen Bereichen ist die Wirtschaft Chinas weiterhin stark und weltweit konkurrenzfähig, wenn auch nicht mehr wie in der ersten Hälfte des Jahrhunderts, als man in fast allen Segmenten Marktführer war.

 

Beijing-Jelin: Die nach altem kommunistischem Vorbild gestaltete Regierung leidet unter ihren antiquierten Strukturen, die sie lähmen und der modernen Zeit nicht mehr entsprechen. Ohne die Wirtschafszentren in Süden und Südosten kann das Reich nicht an die Zeit Großchinas anknüpfen, auch wenn dies nach wie vor das erklärte Staatsziel ist. Die ständigen Überfälle der Warlords aus den armen Regionen Xinjiangs binden große Truppenkontingente im Westen, so dass der Vormarsch gegen die beinahe schon geschlagenen Truppen Zentralchinas nur stockend vorangeht. Die soziale Lage in Beijing-Jelin ist alles andere als angenehm. Die Zerstörung der Kriege konnte nie beseitigt werden, da die Gelder der Regierung ununterbrochen in die Stärkung der maroden Wirtschaftsanlagen und die Kriegsführung fließen. Für soziale und bauliche Projekte, einst ein Prestigeobjekt der chinesischen Regierung, bleibt nur wenig übrig. Mehrere Städte liegen noch in Trümmern, einzig die alte Hauptstadt Beijing und der aktuelle Regierungssitz Shenyang wurden notdürftig wieder aufgebaut.

 

Xinjiang: Kein chinesischer Staat ist ärmer und verfügt über weniger nutzbare Industrieanlagen. Schon zur großchinesischen Zeit wurden die Ödlande, Bergregionen und Wüsten des Nordwestens weitgehend vernachlässigt, so dass sich dort keine neuen Strukturen herausbilden konnten. Den Warlords wird hier kein geordneter Widerstand entgegen gesetzt. Überfälle auf die Nachbarstaaten und kämpfe mit anderen Warlords bestimmen den Alltag in dieser gefährlichen Provinz Die Menschen lebten schon seit jeher in Armut in diesen Gebieten, wurden oftmals durch Familienmitglieder, die sich als Wanderarbeiter verdingten, notdürftig über Wasser gehalten. Mit der Zersplitterung Chinas ist das Elend in Xinjiang nur größer geworden. Hunger und Armut prägen das Bild des Landes. Die meisten Menschen können weder schreiben noch lesen und verfügen über kein fließendes Wasser oder Elektrizität. Sie leben von ihren kargen Feldern, bzw. dem, was die Warlords und ihre Schergen ihnen lassen.

 

Ostchina: Als einziger Flächenstaat in China konnte das Ostreich den wirtschaftlichen Stand der Vorkriegszeit wenigstens ansatzweise halten. Die wahre Herrschaft in diesem Land besitzen reiche Investoren, die die Politik fest im Griff haben und sich derer wie Marionetten bedient. Der Kapitalismus wird hier ausgeprägter betrieben als in Großchina vor dem Krieg. Viele Menschen leben in Armut, was der Staatsentwicklung ironischerweise zu Gute kommt, da sie in den eigenen Landesgrenzen als Wanderarbeiter dienen oder an benachbarte Staaten verliehen werden.

 

Zentralchina: Von Angriffen der Warlords aus Xinjiang und den regulären Armeeverbänden von Beijing-Jelin bedrängt steht der zentralchinesische Widerstand kurz vor dem Zusammenbruch. Auch die Wirtschaft hat sich deutlich verschlechtert. Experten für die politische Entwicklung in der Region vermuten eine weitere Zersplitterung dieses Landes in Dutzende von Kleinstaaten, von denen viele wiederum in Beijing-Jelin aufgehen werden, wenn diese den Druck von Norden her aufrecht erhalten können, was angesichts der schwindenden Kräfte und Finanzen des nordöstlichen Nachbars zweifelhaft erscheint.

 

Yunnan: In weiten Teilen herrscht die indische Armee über das Land und beutet die nicht geringen Rohstoffe aus. An Wiederaufbau nach der Zersplitterung ist nicht zu denken, stattdessen fügen sich die Yunnan-Chinesen in ihr Schicksal oder kämpfen in vielen kleinen Milizgruppen unter der Führung lokaler Warlords gegen die Besatzer, aber auch unter einander. Die Insel Hainan, die der Eroberung trotzen konnte, entwickelt sich hingegen recht beachtlich.

 

Guangdong: Die riesige Metropol-Region ist einer der Wirtschaftsgiganten Ostasiens und besitzt das größte Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt der Welt. Die Wirtschaft boomt dank Arbeitskräften aus Zentralchina, die für billiges Geld gerne nach Guangdong kommen, um den Kriegen in ihrer Heimat zu entgehen, jedoch werden sie regelmäßig wieder abgeschoben, wenn sie nicht mehr benötigt werden. Guangdong unterhält gute Beziehungen zu Japan, den Tigerstaaten und Indien. Die sozialen Verhältnisse sind gemessen an denen in den restlichen Teilstaaten Chinas hervorragend und die Arbeitslosigkeit gering.

 

Hunan: Die streng von starken Eliteverbänden abgeschottete Stadt ist eine wichtige Wirtschaftsmacht der Region, vor allem aber die größte Bastion für chinesische Kultur in diesen unruhigen Zeiten. Das kulturelle Leben blüht und die soziale Lage ist wenig bedenklich. Hunan wirkt wie eine kleinere Ausgabe des riesigen Guangdong, besitzt aber eine gemäßigtere Finanzpolitik und bessere Sozialsysteme.

 

Wirtschaft und Energie

Die Verhältnisse in den verschiedenen Teilstaaten könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Guangdong, Hunan und Ostchina über eine gesunde Wirtschaft und geregelte Finanzen verfügen, die ihnen erlauben auf dem internationalen Markt eine gewichtige Rolle zu spielen, lahmt die Wirtschaft in allen anderen Staaten. Besonders die engen Wirtschaftsbeziehungen untereinander und zu Japan sind Garant für die gute Entwicklung.

China war seit jeher ein Energie verschlingender Moloch. Dies hat sich in den Wirtschaftszentren nicht geändert. In Xinjiang und Beijing-Jelin hingegen sind Strom und Energie Luxusgüter, die nur Reichen dauerhaft zur Verfügung stehen, während die einfache Bevölkerungen mit teils geplanten Abschaltungen des Stromnetzes zur Einsparung alle paar Stunden oder gar gänzlich ohne eine geregelte Energieversorgung leben muss.

 

Militär und Raumfahrt

Das Militär hat unter den ständigen Kriegen gegeneinander sehr gelitten. Besonders die einst stärksten Truppen, die Beijing-Jelin dienten, sind arg geschwächt und aufgerieben durch die ununterbrochenen Feldzüge. Und auch die Truppen der Warlords aus Xinjiang und Yunnan sind eher schlecht ausgerüstet. Moderne Rüstung findet in China mangels Industriekapazitäten nur in den wirtschaftlich gesunden Staaten Guangdong, Hunan und Ostchina statt, die auf diese Art ihre Grenzen wirksam schützen können. An Expansion sind sie weniger interessiert, da sie einst Triebfedern der Separation waren und keinen Grund sehen, die wirtschaftlich schwächeren Regionen einzunehmen, da dies nur eine wirtschaftliche und finanzielle Belastung darstellen würde. In einem Krieg gegen Indien oder Russland wären die chinesischen Teilstaaten ohne Chance, wenn sie ihre Kräfte nicht vereinen würden.

An Raumfahrt ist in China gegenwärtig nicht zu denken. Alle entsprechenden Organisationen existieren nicht mehr, Abschuss- und Produktionsanlagen sind zerstört. Die Helium-3-Vorkommen, die China einst besaß, sind mittlerweile zwischen Russland, Indien und der EBRA aufgeteilt.

 

Ziele und Stellung zu den Aliens

Die Ziele der Staaten sind höchst unterschiedlich, jedoch bemühen sich alle intensiv um die Freundschaft der Aliens und lassen die Errichtung ihrer Medizinzentren, Botschaften und anderen Liegenschaften bereitwillig zu. Jeder der Staaten hofft darauf, von der Alientechnologie und der Freundschaft der Grauen profitieren zu können, um seine irdischen Ziele durchzusetzen.

 

Beijing-Jelin hat zwei große und ehrgeizige Ziele: Die Absicherung gegen Russland und die Wiedervereinigung der chinesischen Staatenwelt unter dem eigenen Banner, in Xinjiang hingegen streiten die Warlords nur um die Macht untereinander und begnügen sich mit kurzfristigen strategischen Erfolgen und finanziellen Gewinnen, die die eigene Machtbasis stärken. Yunnan strebt nach Freiheit von der indischen Herrschaft, Zentralchina kämpft nur ums Überleben. Die Interessen Ostchinas, Guangdongs und Hunans hingen sind streng wirtschaftlich orientiert. Politisch gesehen sind sie mit dem Erhalt des Status quo zufrieden.

Die Menschheit hat nichts zu lachen, deshalb (anstelle eines Aprilscherzes) geht es hier zügig voran mit einem weiteren Power Player im Reigen der Nationen des Jahres 2071:

 

Russische Föderation („Russland“)

Die Russische Föderation gehört neben Indien und Brasilien zu den am wenigsten von Krisen oder Rückschlägen geschüttelten Großstaaten des 21. Jahrhunderts. Als weltweit führender Energieproduzent und -exporteur sowie als Weltraumgroßmacht hat Russland eine sehr stabile Basis für seine wirtschaftliche Entwicklung, an der jedoch nur die wenigsten Bürger finanziellen Anteil haben. Das Land ist nur vordergründig eine echte Demokratie und Macht und Reichtum sind in der russischen Föderation unter wenigen tausend Menschen aufgeteilt. Aufstiegschancen gibt es hingegen für jene, die klug und gerissen und rücksichtslos genug sind. Kapitalismus und Patriotismus sind in Russland die treibenden Kräfte. Der russische Staat gilt als restriktiv und kompromisslos. Politische Gegner werden gewöhnlich kalt gestellt, verhaftet oder dazu gebracht, das Land zu verlassen, um sich dann meistens in den VEN ins Exil zu begeben, was Russland mehr fördert denn kritisiert. Das Verhältnis zu den VEN ist dadurch nur selten belastet, da lediglich die Öffentlichkeit, aber so gut wie nie die politischen Machthaber der VEN Russland für seine häufigen und radikalen Menschenrechtsverletzungen kritisieren.

 

Politische Landesstruktur

Die Russische Föderation umfasst neben der eigentlichen russischen Staatsmasse auch die Gebiete anderer Föderationssubjekte, von denen manche seit dem Untergang der Sowjetunion niemals selbständig waren, andere diesen Status zwar bereits erreicht hatten, nun aber wieder ins Gebiet der Föderation eingegliedert wurden, was im Regelfall nicht immer freiwillig geschah. Hierbei sind die kaukasischen Staaten (Armenien, Georgien, Aserbaidschan) zu nennen. Andere Gebiete wie die zentral-asiatischen Ex-Republiken der Sowjetunion (Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan und Kirgisien) sollten ebenfalls wieder eingegliedert werden, was durch die Intervention Chinas scheiterte und zur russisch-chinesischen Krise führte. Nach dem Zerfall Chinas hat Russland wieder größeren Einfluss auf diese Staaten gewonnen, ihr Hauptverbündeter bleibt jedoch Indien.

 

Übersicht

Fläche   (Weltrang: 1) 17.271.443 km²
Bevölkerung (Weltrang: 10) 214.323.000
Bevölkerungsdichte 12,4 je km²
Hauptstadt Moskau
Amtssprachen Russisch
Währung 1 Rubel (Rbl) = 100 Kopeken; Kurs 1 € = 36,2 Rubel

 

Russland ist in 8 Föderationsbezirke und 86 Territorialeinheiten (Subjekte der Föderation) geteilt. Hinzu kommen zwei Städte mit Sonderstatus (Moskau und St. Petersburg). Die zwangsweise eingegliederten Gebiete im Kaukasus sowie wie einige Föderationssubjekte an der chinesischen oder zentralasiatischen Grenze werden neben der zivilen Verwaltung auch durch militärische Strukturen gelenkt, die offiziell zwar keinen politischen Einfluss haben, aber in den entscheidenden Fragen durch Weisung des Präsidenten Handlungsfreiheit besitzen. Dies gilt auch für die verschiedenen Militärbezirke innerhalb der Föderationssubjekte, in denen allein militärisches, nicht ziviles Recht gilt. Dies ist beispielsweise in Forschungseinrichtungen in den Weiten Russlands sowie an den weitläufig und streng gesicherten Bodenstationen der Orbitalaufzüge der Fall.

 

Regierung

Russlands Parlament ist in zwei Kammern aufgeteilt, die Staatsduma und den Föderationsrat. Während erstere der eigentlichen Vorstellung eines westlichen Parlaments entspricht, sind im Föderationsrat je zwei Vertreter aller Subjekte Russlands vertreten. Beide Kammern sind zwar vordergründig sehr machtvoll und mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet, jedoch liegt die wahre Macht in Russland allein in den beiden Ämtern des Staatspräsidenten und des Regierungschefs, die ihre Macht jedoch stetig durch ihren Einfluss bei den Geheimdiensten und durch die Wirtschaft absichern müssen. Mit politischen Gegnern wird in Russland meist wenig zimperlich verfahren und zu den Parlamentswahlen werden durch ein vom Präsidenten eingesetztes Wahlkomitee gewöhnlich keine echte Opposition, sondern nur kremlnahe und linientreue Puppenparteien zugelassen. Lange Zeit waren die Alt-Kommunisten eine echte Macht in Russland, die eigene Ziele hatte, doch ihr Einfluss ist geschwunden, was die Macht des Präsidenten und der ihm ergebenen Parteien (Einiges Russland – ER, Vaterlandspartei – VP, LWP-liberale Wirtschaftspartei) stärkte.

Staatspräsidentin Julija Svetlana Dementieva (Seit 2062, wiedergewählt 2068)
Regierungschef Victor Garilenko
Außenminister Michael Michailichenko

 

Alle Minister der aktuellen Regierung werden von der Partei Einiges Russland, der Partei der Staatspräsidentin Dementieva, gestellt. Die Vaterlandspartei und die liberale Wirtschaftspartei besitzen trotz ihrer Loyalität kein eigentliches Amt, da sie den Anschein einer oppositionellen Partei erwecken sollen. Ihre Linientreue wird mit Ämtern in den regionalen Parlamenten und durch Verwaltungsposten in den Subjekten der Föderation sowie mit in Russland üblichen Bestechungsgeldern belohnt. An allen anderen Schlüsselstellen wie in Geheimdienst, Polizei und Militär stehen ebenfalls dem Kreml loyale Kräfte, die jedoch über keine Parteizugehörigkeit oder politische Ambitionen verfügen.

 

Die zehn größten Megacities (Großräume) und Millionenstädte

Moskau 15,7 Mio.
St. Petersburg 5,3 Mio.
Jekaterinburg 3,2 Mio.
Novosibirsk 3,1 Mio.
Nischni Nowgorod 2,8 Mio.
Kasan 2,1 Mio.
Samara 1,9 Mio.
Omsk 1,8 Mio.
Tscheljabinsk 1,6 Mio
Rostow am Don 1,4 Mio.

 

Bevölkerung

Bezeichnung Russen
Gliederung 82,9 % Russen; 4,1 % Aserbaidschaner; 2,9 % Tataren; 2,8 % Ukrainer; 2,1 %, Georgier; 1,6 % Armenier; 1,2 % Baschkiren; 3,4 % andere
Sprachen Russisch; Sprachen der nationalen Minderheiten in den Regionen und Republiken
Religionen 72% orthodoxe Christen; 16% Muslime; 1,2% Protestanten; 0,7% Katholiken; 0,6% Juden; 0,1% Buddhisten; 0,2% übrige Religionen; 9,6% konfessionslos
Arbeitslosigkeit 4,9% (nach offiziellen Angaben, in Wahrheit eher bei etwa 12% liegend)

 

Entwicklung im 21.Jahrhundert

Seit dem Untergang der Sowjetunion und der Gründung der russischen Föderation im Jahr 1990 war Russland stets eine Demokratie, auch wenn sie nie den westlichen Standards entsprach. Daran hat sich in den letzten gut 80 Jahren nichts geändert. Russland blieb eine gelenkte Demokratie, deren politisches System den Machthabern ihren Machterhalt recht einfach machte. Die Entwicklung Russlands fand vielschichtig, jedoch sicher nie auf politischem Gebiet statt, was nicht zuletzt daran sichtbar wird, dass seit dem Amtsantritt Vladimir Putins stets die vom Präsidenten selbst gewählten Nachfolger sein Amt übernahmen, so dass sich der britische Historiker David G. Adams 2019 dazu berufen fühlte, den Vergleich zu wagen, dass “die russische Erbfolge wohl sehr eng mit dem Adoptivkaiserwesen der römischen Republik zu Beginn des 2. Jahrhunderts verwandt” sei. Außerhalb Russlands ist ein solch intellektueller Scherz ungefährlich, in Russland selbst wurden politische Feinde stets hart verfolgt und eingeschüchtert, oftmals verhaftet. An diesem Prinzip änderte sich bis 2071 lediglich, dass die Machthaber strikter und härter durchgriffen als zur Ära Putins.

Das 21. Jahrhundert sah aber auch Russlands steilen Aufstieg zurück an die Spitze der Weltmächte, wo es nun einen ungefährdeten Platz unter den Global Playern der Big Seven einnimmt. Ihren alten Konkurrenten, die USA, haben die Russen auf den meisten Gebieten weit hinter sich gelassen. Soziale und wirtschaftliche Entwicklungen verliefen in Russland stets langsam und konnten nur gedeihen, wenn der Präsident seiner Hand schützend darüber hielt. In diesem Fall ist besonders die Wende in der Energiepolitik zu nennen, die zunächst in Russland auf massiven Widerstand jener Oligarchen stieß, die ihren märchenhaften Reichtum Öl und Atomstrom verdankten und um diesen fürchteten. Wie üblich zeigte sich, dass die Wirtschaftskapitäne Russlands trotz ihres Reichtums nicht dem Präsidenten und der staatlichen Zentralmacht gewachsen waren. Jene, die nicht in freundlichen Gesprächen überzeugt werden konnten, lenkten nach Druck ein oder wurden kurzer Hand verhaftet. Die Geheimdienste fanden leicht Begründungen, aber zur Not scheute die russische Justiz, die sich fest in den Händen des Kremls befindet, nicht davor zurück, Schauprozesse mit vordergründigen oder gefälschten Beweisen abzuhalten, in denen die Urteile schon vor dem ersten Verhandlungstag fest standen.

So gelang die Energiewende und die meisten Atomspaltungsanlagen wurden durch moderne Wind- und Wasserkraftanlagen und später auch durch Solarenergiesatelliten und Helium-3-Kraftwerke ersetzt. Ebenso gründlich trieb die russische Führung den Ausbau des Raumfahrtprogrammes voran und gründete zu diesem Zweck die AGR, die sich um militärische wie kommerzielle Raumfahrt kümmerte und bemerkenswertes auf diesen Gebieten leistete. Russland wurde im orbitalen Bereich zur unumstrittenen Vormacht auf der Erde.

Indien und die VEN gehören zu den wichtigsten Handelspartnern und politischen Freunden der russischen Föderation. Mit den USA verbindet Russland eine aus Jahrzehnten des Misstrauens gewachsene und seither niemals vergessene Rivalität und Feindschaft, auch wenn kriegerische Zwiste keine Frage mehr sind. Selbst für die einfachen Menschen sind die USA immer noch das alte Feindbild, dessen Probleme mit viel Freude im Fernsehen und Internet verfolgt werden. Auch mit den chinesischen Staaten verbindet Russland keine Freundschaft, da die Russen die chinesische Einmischung in die russischen Pläne zur Erweiterung im zentralasiatischen Gebiet (2025-27) nicht vergessen haben.

 

Die osteuropäischen Staaten Ukraine, Moldawien und Weißrussland sind Satellitenstaaten der russischen Föderation, die seit ihrer offiziellen Unabhängigkeit eng an Russland gebunden waren (Weißrussland) oder im Laufe des 21. Jahrhunderts durch wirtschaftliche und politische Prozesse in Abhängigkeit gerieten (Moldawien um 2050, Ukraine um 2035). Die dort eingesetzten Präsidenten sind Strohmänner des Kremls und von ihm abhängig, um ihre Macht zu erhalten. In allen drei Ländern sind russische Truppen stationiert. Die Wahlen werden nach russischem Vorbild gewonnen, in dem die entsprechenden Gegenkandidaten verunglimpft und behindert oder gar nicht erst zugelassen werden.

 

Aktuelle Situation: Politik und Soziales

Seit jeher war die Demokratie gelenkt und durch einfache Mechanismen beschränkt. Am stärksten tritt dies zum Vorschein durch die Möglichkeit, Parteien trotz großer Anhänger- und Unterstützerzahlen nicht zu den Wahlen zuzulassen. Da der Präsident die direkte Kontrolle über die Geheimdienste (und nicht selten aus deren Reihen stammt wie es bei Präsidentin Dementieva war) und über den Polizeiapparat besitzt, fällt es den Kremlkräften einfach, echte Oppositionen im Keim zu erdrücken, ihre Kandidaten einzuschüchtern oder von der Wahl fernzuhalten oder ihre Kundgebungen unter Vorwände zu verbieten. Jüngst wurde eine Versammlung des kritischen Oppositionsbündnisses “Echte Demokratie” unter dem falschen Vorwand einer Bombendrohung aufgelöst, so dass der einzige potentielle Gegenkandidat seine Rede nicht halten konnte und seine Anhänger sich auflösen mussten.

Die Pressezensur wurde von Jahrzehnt zu Jahrzehnt verschärft, so dass es heute nur noch wenige wirklich unabhängige Medien in Russland gibt, die ihren Status behalten, da sie sich selten kritisch in die Politik einmischen und in meist patriotischem Stil über Sport, Kunst, Wissenschaften und das Geschehen im Ausland berichten. Der Patriotismus ist das Opium für das russische Volk. Solange Russland in führender Position auf der Weltbühne steht und eine große Bedeutung besitzt, sind die einfachen Bürger weitgehend bereit, soziale Ungerechtigkeit und undemokratische Missstände zu akzeptieren. So zeigt sich auch Präsidentin Dementieva als Patriotin und “starker Mann”. Nicht selten lässt sie sich von Kamerateams zu ihren Besuchen bei der Armee zeigen und filmt sie in scheinbar privatem Umfeld, wo sie sich als gute Russin präsentiert. Da sie neben ihrer Karriere auch dreifache Mutter ist findet sie auch viel Anklang bei den Frauen Russlands, einem Land, in dem die Rollenbilder noch recht klassisch verteilt sind. Emanzipation ist zwar kein verbotenes Thema und Frauen in führenden Positionen sind alltäglich, doch für das einfache Volk gilt diese Aufteilung nur eingeschränkt.

Während eine kleine Oberschicht in märchenhaftem Reichtum schwelgt (vier der zehn reichsten Personen der Welt sind Russen) ist das Elend jenseits der Reichenviertel und Vorzeigestadtteile kaum übersehbar. Über 35% der Russen leben unter der Armutsgrenze, entweder in halb verfallenen Vororten oder in rückständig wirkenden Dörfern in den Weiten des riesigen Reiches. Es gibt keine staatliche medizinische Versorgung und keine soziale Absicherung außer der eigenen Familie. Die Kriminalität im Land ist hoch, besonders Überfälle, Gewaltdelikte, Drogenverbrechen und Fremdenfeindlichkeit nehmen von Jahr zu Jahr zu. Manche Hintermänner verdienen sich damit eine goldene Nase, doch für die meisten endet der Traum vom einfachen Reichtum oftmals hinter Gittern. Die russischen Gefängnisse gehören zu den schlimmsten weltweit. Die Justiz urteilt meist mit großer Härte über Verbrecher und kennt mildernde Umstände nicht. Sowohl in Untersuchungsgefängnissen als auch in Haftanstalten soll es zu Folterungen kommen. Gewalt unter Häftlingen ist verbreitet.

Die größte Popularität im Land erringen Sportstars (olympische Goldmedaillengewinner, Fußballer, Schachweltmeister etc.) und Raumfahrer. Letztere sind in allen Altersschichten wahre Volkshelden, auch wenn heute die Raumfahrt alltäglicher geworden ist als zu Zeiten eines Juri Gagarin. Selbst Pop- und Filmstars werden nicht so hofiert wie die Kosmonauten. Die Raumfahrt ist für die meisten Russen purer Patriotismus und der Erfolg auf diesem Sektor erfüllt die Russen mit unbändigem Nationalstolz.

 

Wirtschaft und Energie

Anders als die meisten Staaten, die ihre Wirtschaft möglichst breit aufstellen, hat Russland sich auf wenige Kernsektoren konzentriert, auch wenn sie natürlich in allen Marktsegmenten tätig sind. In der Raumfahrt gehören sie zu den führenden Nationen, bei Orbitalstationen, Orbitalaufzügen und touristisch genutzter Raumfahrt sind sie sogar unangefochtener Marktführer. Gleiches gilt für das Gebiet der Energiegewinnung. Durch orbitale Sonnenkollektoren und die großen Wind- und Wasserkraftparks in den Weiten Sibiriens und im Nordmeer, aber auch durch traditionelle Energiegewinnung aus Erdgas und mittels einiger letzter Kernspaltungsreaktoren hat Russland eine breite Versorgungsbasis und exportiert Strom in nahezu jedes Land der nördlichen Hemisphäre.

Die wichtigsten Medienkonzerne Russlands sowie alle Wirtschaftskräfte von zentraler Bedeutung, bspw. die Weltraumagentur AGR und die großen Energiekonzerne, sind in staatlicher Hand, werden aber wie private Unternehmen geführt. Jene großen Firmen, die tatsächlich in Privatbesitz sind, gehören linientreuen Oligarchen, die für ihre Loyalität zum Kreml und ihre Nichteinmischung in die Politik durch finanzielle Vergünstigungen und Begünstigungen in Rechtsfragen und vor Gericht belohnt werden.

 

Militär und Raumfahrt

Das Militär hat in Russland traditionell eine große Bedeutung, befindet sich aber in keinem allzu guten Zustand. Während Russland über sehr moderne Militärsatelliten verfügt und in der Raketentechnik nur hinter China, bzw. Ostchina zurückstehen muss, ist die Luftwaffe veraltet und wäre in einem ernsten militärischen Konflikt mit China oder einer anderen militärischen Großmacht nicht konkurrenzfähig. Die russische Marine besteht aus einer Handvoll hochmoderner, neuer Schlachtschiffe und U-Booten aus den 60er Jahren des 21. Jahrhunderts, und einer riesigen Streitmacht teils nur bedingt einsatzfähiger Altschiffe, die zum Teil noch aus der Zeit um die Jahrhundertwende stammen.

Das russische Heer gehört neben dem chinesischen und indischen zu den zahlenmäßig stärksten Landarmeen der Welt und wird von seinen traditionell starken Panzerverbänden dominiert. Die Moral der Truppe und die Ausbildung der einzelnen Soldaten sind jedoch erschreckend schlecht. Dies liegt zum Teil an der nur phasenweise rechtzeitigen Auszahlung des Solds und den teils menschenunwürdigen Umständen in den überalterten russischen Kasernen, von denen einige unter Strahlungsbelastung leiden. Zum Teil ist dieser Zustand aber auch der Herkunft der meisten Soldaten geschuldet, die aus ungebildeten und sozial sehr schwachen Bevölkerungsschichten stammen. Nicht selten hört man Gerüchte über kriminelle Machenschaften einzelner Abteilungen oder Kompanien, ebenso soll es häufig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und sadistischen Ritualen innerhalb einzelner Truppenteile kommen.

Die Militärführung in Russland ist zumindest teilweise korrupt und immer wieder kommt es zum illegalen und von der Regierung nicht genehmigten Verkauf von Waffen an andere Staaten, Diktatoren und Rebellen, was aber weitgehend geduldet wird.

 

Die Russen sind die führende Macht in der orbitalen Raumfahrt. Sie besitzen mehrere Dutzend hoch effizienter Militärsatelliten und vier militärisch genutzte Orbitalstationen, die auch als Station für geheime oder sensible Forschungen dienen. Siebzehn weitere Orbitalstationen dienen der freien Wissenschaft, dem Tourismus oder beidem. Die staatliche Raumfahrtagentur AGR besitzt mit der Orbitalstation  Nikolaus II. das größte extraplanetare Hotel der Menschheit. Bis zu 350 Menschen finden hier luxuriösen Platz. Die günstigste Suite kostet 12.000 Euro pro Nacht, worin der Anflug noch nicht beinhaltet ist, die Zarensuite hingegen kostet 320.000 Euro pro Nacht.

Auf dem Mond hat die EBRA, die brasilianisch-europäische Raumfahrtagentur, die Nase vorne, doch die Russen besitzen auch hier Basen und Orbitalaufzüge. Auf der Erde verfügen die Russen sogar über die meisten Orbitalaufzüge: zwei wirtschaftliche und einen rein militärischen. Überdies gelten die russischen Mond- und Orbitalshuttles als die am besten bewaffneten Raumgefährte.

 

Ziele und Stellung zu den Aliens

Russlands Politik ist auf den Erhalt und den Ausbau der Vormachtstellung in den Bereichen Energie und Raumfahrt ausgerichtet. In allen anderen Bereichen versucht die russische Industrie Anschluss an die jeweiligen Marktführer zu erreichen, jedoch werden die erstgenannten Bereiche am stärksten durch staatliche Zuschüsse gefördert. Politisch betreibt Russland weiter einen Annäherungskurs an Indien, nicht zuletzt um die chinesischen Splitterstaaten weiter unter Druck zu setzen. Aber natürlich spielen auch nationale Wirtschaftsinteressen eine wichtige Rolle, denn Indien und Russland stehen in keinem Marktsegment in direktem Konkurrenzkampf. Alle indischen Vorzeigesparten werden in Russland weniger stark betrieben und umgekehrt. Außerdem erhofft sich Russland in Indien einen Geldgeber für eine weiter auszubauende Mondpräsenz, ähnlich wie Brasilien die finanziellen Lasten der EBRA stemmt.

Während die russische Regierung und Wirtschaft die Aliens freundlich aufnimmt und um Technologieaustausch zum eigenen Vorteil wirbt, gibt es in der breiten Bevölkerung einen großen Widerstand gegen die Aliens und selbst gegen ihre Medizinzentren. In der Unterschicht sind die Grauen Ziel von Hass und Misstrauen, werden als Invasoren des Heimatlandes angesehen und oftmals sogar für die eigene wirtschaftliche Notlage verantwortlich gemacht. In Einzelfällen kam es in Russland sogar schon zur Jagd auf Sirianer und Reptilianer durch national-konservative und rechtsextremistische Gruppierungen. Die russische Regierung versucht diesen Tendenzen mit radikalen Strafen entgegen zu wirken und wirbt in Image-Kampagnen für die Aliens. Präsidentin Dementieva hingegen bezieht zu diesem Thema keine Stellung, um nicht ihre eigene Position als Hardlinerin und Patriotin beim Volk zu gefährden.

In allen großen Städten gibt es Medizinzentren der Aliens, in St. Petersburg sogar eine Botschaft. Landebasen wurden den Aliens jedoch nicht dauerhaft eingeräumt, sondern nur nach Absprache die Landung auf militärischen Flugfeldern gestattet. Gleichzeitig ist Russland bemüht, die eigenen Aktivitäten in Tunguska vor den Aliens zu verbergen.

 

Sind erst einmal die spieltechnischen Details geklärt, geht es an die Ausarbeitung des Hintergrundes der Basis und die Zusammenstellung der Special Units.

 

Special Unit (SU)-Teams zusammenstellen

Um Angehörige einer Special Unit zu werden, müssen die Mitglieder sich den härtesten Tests der Welt unterziehen. Die Tests bringen sie an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit und darüber hinaus. Sie trachten jedoch nicht danach,  die Bewerber zu brechen oder ihre Moral zu zerstören. Vielmehr ist man daran interessiert, die Personen herauszufiltern, die selbst unter härtesten Bedingungen immer noch planvoll handeln und weitermarschieren, wo andere sich nur noch zum Sterben hinlegen möchten.

Eine Special Unit besteht meistens aus vier Personen, kann jedoch auch im Einzelfall davon abweichen. Vier Personen sind genug, um effektiv arbeiten zu können, aber die Gruppe ist auch klein genug, um schnell einsatzbereit und lautlos zu sein. Die Ausbildung ist dabei meist sehr umfassend und beinhaltet neben Waffenfertigkeiten auch Kenntnisse in Aufklärung, Fallschirmspringen, Tauchen, Nahkampf, Pionier und Überleben.

Jede Special Unit hat sich auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert. Am häufigsten verbreitet sind Special Units für amphibische Kriegsführung, Kriegsführung mit landgebunden Fahrzeugen, Winter- und Gebirgskampf, Fallschirmspringen. Innerhalb einer jeden Special Unit sind die Soldaten auf verschiedene Gebiete spezialisiert, wie elektronische Kriegsführung, Medizin, Pionier, Sprachen, etc.

In einem solchen Umfeld ist es nur natürlich, dass eine UNAISF-Basis mehr als nur eine Special Unit besitzt. Im Kampf um Leben und Tod gibt es keinen zweiten Platz und nur die besten können hoffen gegen die außerirdischen Invasoren zu bestehen und sollte mal eine Einheit ausfallen, können immer noch die anderen einspringen.

Natürlich ist es nicht ganz unproblematisch mehrere Special Units für eine Basis zu bekommen. Die erste Special Unit ist noch kostenlos, aber für jede weitere Special Unit müssen 4 Basispunkte ausgegeben werden. Die Mitglieder der anderen Special Units können genau wie die Spielercharaktere erstellt werden, sich aber auf andere Gebiete spezialisieren. Sie können sogar von den Spielern gespielt werden (mehr dazu im nächsten Abschnitt).

Damit die Special Units sinnvoll zusammengestellt werden, hier ein kleiner Hinweis, welche Vorteile und Fertigkeiten für jede Special Unit und die einzelnen Funktionen innerhalb des Teams sinnvoll erscheinen. Die Liste ist natürlich nicht vollständig und bei weitem nicht die einzig mögliche Kombination für die aufgeführten Aufgaben. Alleine an Vorteilen ließe sich die Liste bestimmt erweitern. Immerhin sind es Vorteile und jeder Kampfvorteil kann in der einen oder anderen Situation nützlich sein. Es wurde jedoch versucht, sich soweit es geht zu beschränken und nur die wichtigsten für die jeweilige Aufgabe aufzulisten.

Bei bestimmten Einsätzen ist es wichtig, wenn jedes Mitglied des Teams die folgenden Fertigkeiten besitzt:

Amphibische Kriegsführung

Vorteile: Taucher, Reaktionsschnell

Fertigkeiten: Bogenwaffen, Tauchen, Verdeckte Operationen

 

Elektronische Kriegsführung

Vorteile: Talentiert, Glückspilz, Zusatzausbildung

Fertigkeiten: Computer, Ingenieur, Kommunikation, Sensoren

 

Fallschirmsprungeinsatz

Vorteile: Präzisionsschütze, Reaktionsschnell

Fertigkeiten: Aufklärung, Fallschirmspringen, Überleben

 

Landgebundene Fahrzeuge

Vorteile: Freie Reaktion, Verbesserte Initiative

Fertigkeiten: Bordschütze, Fahrer, Fernsteuerung

 

Urbane Kriegsführung

Vorteile: Schnelles Schießen, Ausweichen

Fertigkeiten: Milieu, Nahkampf, Sprachen

 

Winter- und Gebirgskampf

Vorteile: Präzisionsschütze, Verbessertes Zielen

Fertigkeiten: Athletik, Überleben

 

 

Je nach Aufgabe sollten einzelne Teammitglieder darüber hinaus noch in ihren jeweiligen Spezialgebieten trainiert werden, um eine große Bandbreite an Aufgaben abdecken zu können.

Aufklärer

Vorteile: Sechster Sinn, Reaktionsschnell

Fertigkeiten: Athletik, Aufklärung, Kommunikation

 

Mediziner

Vorteile: Heiler, Talentiert

Fertigkeiten: Fahrer, Medizin, Sprachen

 

Pionier

Vorteile: Sechster Sinn, Multitalent

Fertigkeiten: Ingenieur, Pionier, Sprengstoff

 

Scharfschütze

Vorteile: Verbesserter Fernkampfschaden, Verbessertes Zielen

Fertigkeiten: Bordschütze, Handfeuerwaffen (Projektilgewehre), Schwere Waffen

 

Waffenspezialist

Vorteile: Beidhändigkeit, Blinder Kämpfer

Fertigkeiten: Bordschütze, Handfeuerwaffen (Projektilgewehre), Schwere Waffen, Waffentechnik

 

Spielen mit mehreren SU-Teams

Die meisten Rollenspiele sehen vor, dass ein Spieler nur einen Charakter spielt. Und wenn es nicht explizit erwähnt wird, so wird es doch meistens implizit angenommen.

Bei Invasion 2071 möchten wir jedoch die Spieler (und natürlich auch den Spielleiter) dazu ermutigen, mehrere Charaktere zu erstellen und zu spielen, wenn auch nicht zur gleichen Zeit. Die Spieler sollen nach Möglichkeit zwei oder drei Charaktere besitzen, wobei sie sich einen als Hauptcharakter aussuchen können, den sie hauptsächlich verwenden.

Warum also dann die anderen Charaktere? Die Gründe dafür sind vielfältig.

Das Kampfsystem von Invasion 2071 zeichnet sich zwar nur bedingt durch Realismus aus, aber Kämpfe können hier mitunter schnell tödlich enden und theoretisch kann ein Charakter schon nach einem Schuss sterben oder zumindest schwer verletzt werden. Wenn ein Charakter verletzt wird, muss er sich in ein Krankenhaus begeben und behandeln lassen. Er fällt daher für einige Zeit aus. Nun kann man natürlich warten, bis er wieder gesund ist und dann einfach weiterspielen, oder aber man nimmt einen anderen Charakter und spielt diesen, während der Hauptcharakter sich erholt. Bedauerlicherweise warten die Außerirdischen nicht immer, bis sich ihre Gegner erholt haben. Und was ist mit Verletzungen inmitten einer Mission? Der Spielleiter kann auf der einen Seite die potentiellen Gefahren durch den Kampf natürlich soweit herunterfahren, dass die Charaktere immer bis zum Ende durchhalten. Aber wäre es nicht einfacher, bei Verletzungen einen Ersatzcharakter ins Spiel zu bringen?

Ersatzcharaktere erlauben also den Schwierigkeitsgrad der Missionen realistisch zu halten und gleichzeitig das Spiel weiterzuführen.

 

Darüber hinaus ist nicht jeder Charakter für jede Mission geeignet. Teammitglieder von Special Units sind in vielen Bereichen erfahren, spezialisieren sich häufig auf einige wenige Gebiete. Ein Team, das sich bestens mit amphibischer Kriegsführung auskennt, muss nicht unbedingt das beste Team sein, um eine infiltrierte Regierung von außerirdischen Aggressoren zu befreien. Das Einsatzspektrum der Missionen für die UNAISF ist breit und genauso sollten auch die Möglichkeiten der Charaktere sein. Aber ein Charakter, der alles kann, ist nur schwer zu erstellen. Daher sollten Spieler Charaktere für unterschiedliche Missionen erstellen und mit diesen unterschiedliche Teams bilden. Je nach Mission können sie dann ein anderes Team verwenden, das für die Mission am besten geeignet ist. Wenn eine Mission ein hohes Maß an elektronischer Kriegsführung benötigt, aber kein Charakter dabei ist, der diese auch nur ansatzweise beherrscht, werden viele Proben einfach schief gehen, was nicht nur die Charaktere in Gefahr bringt, sondern auch für die Spieler frustrierend sein kann.

Ersatzcharaktere erlauben es den richtigen Charakter für die richtige Mission einzusetzen.

 

Dieser Abschnitt sollte als optionale Regel aufgefasst werden. Spieler und Spielleiter sollten sich absprechen, ob sie mit mehreren Charakteren und Special Units spielen wollen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand und bieten zudem noch eine rollenspielerische Herausforderung, indem man wirklich vom Wesen her unterschiedliche Charaktere erstellt.

Auf der anderen Seite ist natürlich der Mehraufwand für die Erstellung der Charaktere zu berücksichtigen und dass die Bindung eines Spieler zu seinem Charakter nicht so tief ist, wenn er mehrere hat.

Dem Spielleiter erlauben Ersatzcharaktere Missionen zu erstellen, bei denen Aufgaben an verschiedenen Orten zur gleichen Zeit erfüllt werden müssen. Für gewöhnlich müssen die Spieler sich aufteilen und während der Spielleiter sich gerade mit einem Teil der Gruppe beschäftigt, kann der andere nur zugucken und nichts tun. Werden hingegen mehrere Special Units in den Einsatz geschickt, können alle Spieler an den Orten mitspielen und es muss sich keiner langweilen.

 

Im Spiel selbst können die unterschiedlichen Charaktere auf der gleichen Basis oder sogar auf einer anderen Basis der UNAISF untergebracht sein. Zusätzliche Special Units kosten Basispunkte (4 Basispunkte für jedes Team nach dem ersten), können aber durch die Abfindungen bei der Charaktererschaffung auch wieder Basispunkte mit einbringen, was die Basis wiederrum verbessern kann.

Hintergrund der Basis

Eine Basis erscheint nicht einfach aus dem Nichts, sondern hat meistens einen Hintergrund. So könnte ein Flugzeugträger zum Beispiel schon mehrere Jahre im Dienst einer anderen Macht gewesen sein und dementsprechend ist er vielleicht schon an diversen Stellen angerostet. Ein Bunker wurde von einer Regierung übernommen, aber diese hat ein paar Spione in die Reihen der UNAISF einschleusen können, usw.

Hintergründe dienen dazu, einer Basis Leben einzuhauchen und sie individueller zu machen. Auch wenn zwei Basen in Bunkern mit der gleichen Ausstattung errichtet wurden, müssen sie nicht unbedingt gleich sein.

Eine Basis hat mindestens einen Hintergrund und kann maximal drei Hintergründe haben. Die Anzahl der Hintergründe wird von den Spielern bestimmt, wenn sie die Basis errichten. Die Art des Hintergrunds oder der Hintergründe wird per Zufall mit einem Wurf auf der Tabelle Basis-Hintergrund bestimmt. Der erste Hintergrund ist kostenlos, jeder weitere kostet jedoch 4 Basispunkte. Augenscheinlich bringen Hintergründe nur Nachteile, zumal auch noch für sie bezahlt werden muss. Sie ermöglichen dem Spielleiter allerdings seine Missionen etwas differenzierter und tiefgehender zu gestalten. Als Belohnung erhält die Basis allerdings immer einen zusätzlichen Basispunkt für Missionen, in denen der Hintergrund mit eingebunden wurde.

 

Basis-Hintergrund

2W6 Hintergrund
2 Etwas Seltsames geht auf der Basis vor. Es gibt einen Bereich (z. B. einen Wartungsschacht oder ein nicht genutzter Raum), in dem Mitarbeiter Stimmen gehört haben wollen, obwohl sich niemand in dem Bereich aufgehalten hat. Aber es sind nicht nur Stimmen, auch andere Geräusche sind hier von Zeit zu Zeit zu vernehmen. Das Licht flackert auf unerklärliche Weise, obwohl die Techniker die Leitungen und Lichtdioden mehrmals überprüft haben- technisch scheint alles in Ordnung zu sein. Der Bereich wird von den Mitarbeitern scherzhaft Phantomzone oder Geisterraum genannt und keiner hält sich dort auf, wenn er nicht unbedingt muss. Natürlich sind die Stimmen, Geräusche und Phänomen nie wahrzunehmen, wenn man sie jemandem demonstrieren möchte, was eine tiefergehende Untersuchung bisher verhindert hat. Aber irgendwann wird sich wohl jemand der Phantomzone annehmen müssen, denn es scheint fast so, als würde es schlimmer…
3 Ein Maulwurf hat die Basis unterwandert und berichtet nun für eine andere Gruppierung. Bei dieser Gruppierung handelt es sich um eine Organisation, die ähnliche Ziele, wie die UNAISF verfolgt, wenn auch nicht notwendigerweise mit den gleichen Mitteln. Der Maulwurf arbeitet dabei nicht für Geld, sondern aus ideologischen Gründen. Er ist hoch in der Hierarchie verankert und kommt so an die wichtigen Informationen und kann diese weiterleiten. Wenn er kann, wird er Aktionen der UNAISF verhindern, um der anderen Organisation einen Vorsprung zu verschaffen – natürlich nur, wenn dies seine Tarnung nicht gefährdet. Der Maulwurf ist sich bewusst, dass seine Stellung einer der größten Vorteile ist, welche die andere Gruppierung besitzt. Bedauerlicherweise nehmen die Übergriffe der anderen immer mehr zu und gefährden zunehmend UNAISF-Operationen.
4 Eine externe Gruppe ist an der Basis oder an etwas in der Basis interessiert. So genau konnte das noch nicht herausgefunden werden. Die Gruppe hat begrenzten Zugriff auf die UNAISF und ist über deren Aufgabe zumindest teilweise informiert. Es könnte sich um einen befreundeten Geheimdienst handeln, vertreten durch einige Verbindungsmänner. Das ist kein direktes Problem, da diese externe Gruppe nicht die Autorität besitzt der UNAISF Befehle zu erteilen. Jedoch ist diese Gruppe hartnäckig und scheint ihre versteckte Agenda bei jeder Gelegenheit durchsetzen zu wollen. Irgendwas ist mit dieser Basis oder befindet sich in dieser Basis, das den anderen sehr, sehr wichtig ist. Es scheint sich dabei aber nicht um die geheimen Informationen über die Außerirdischen zu handeln.
5 Seit der Gründung der UNAISF und sogar schon davor gab es Gegner in den UNO-Gremien, die gegen die UNAISF eingestellt sind. Diese Gegner haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Basis als ineffizient darzustellen und suchen nach jeder Gelegenheit. Leider gehören diese Gegner auch zu den Kontrollgremien des UN-Sicherheitsrates, der die Aktivitäten der UNAISF begutachtet. Und so mag es nicht verwundern, wenn diese Gegner öfter einen Vertreter auf der Basis vorbeischicken, um die Einsätze der Special Units zu prüfen. Egal wie gut der Einsatz war, diese Person wird immer ein Haar in der Suppe finden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie genug Material zusammen hat, um dem Kontrollgremium Bericht zu erstatten. Dabei muss diese Person nicht einmal der UNAISF feindselig gegenüber eingestellt sein. Es kann sich hierbei um einen gewissenhaften Bürokraten handeln, der dem Auftrag seiner Vorgesetzten folgt.
6 Trotz aller Sicherheitsüberprüfungen haben die Außerirdischen Zugriff auf einen Mitarbeiter der UNAISF erhalten und konnten ihn überzeugen, dass es besser ist, für sie zu arbeiten. Ob es sich dabei um eine echte Überzeugung handelt oder ob die Außerirdischen nachgeholfen haben, ist schwer zu sagen. Im Augenblick ist von dem Überläufer auch noch nichts bekannt, auch nicht den Spielern. Das wird sich aber mit der Zeit bemerkbar machen. Irgendwann werden die Spezialeinheiten in Situationen geraten, in denen sie merken, dass die Außerirdischen Informationen aus dem inneren Kreis der UNAISF erhalten haben. Aber auch dann ist es noch ein langer Weg von einem vagen Anfangsverdacht bis der Überläufer endlich gestellt wird. Und auch das wird nicht leicht werden. Er ist nun hundertprozentig loyal zu seinen neuen “Herren”.
7 Ein wichtiges Mitglied der Basis (vielleicht ein Bereichsleiter) wird von einer kriminellen Organisation erpresst. Niemand auf der Basis weiß davon, inklusive der Spieler – zumindest noch nicht. Besagtes Mitglied hat Schulden und konnte sie wohl nicht rechtzeitig begleichen. In seiner (oder ihrer) Verzweiflung hat das Mitglied angefangen ein paar Informationen über die UNAISF preiszugeben. Das können Daten über außerirdische Gegenstände sein, die Position der Basis oder auch die Identität einiger weiterer Mitglieder (vielleicht sogar der Spieler?!). Die Hoffnung sich damit loskaufen zu können, erfüllte sich allerdings nicht. Im Gegenteil, die kriminelle Organisation hat ein gutes Geschäft gerochen und will immer noch mehr. Für den Fall, dass das Mitglied nicht mitspielt und die Informationen liefert, wurden die üblichen Drohungen ausgestoßen. Langsam, aber sicher droht die Situation außer Kontrolle zu geraten.
8 Eine Gruppe Zivilisten ist auf die UNAISF-Basis aufmerksam geworden. Je nachdem, wo sich die Basis befindet, kann dies in unterschiedlicher Form sein. Sollte die Basis in einer aktiven Fabrik liegen, so können sich mehrere Mitarbeiter der echten Fabrik zum Beispiel immer öfter in der Nähe der eigentlichen Basis herumtreiben. Liegt die Basis in einem Bürogebäude, fragen sich die Mitarbeiter der anderen Unternehmen vielleicht, was “Universal Exports” denn tatsächlich treibt. Bei einer Unterwasserbasis könnte eine private Tauchexpedition zufällig auf die Basis gestoßen sein. Das Treffen mit den Zivilisten sollte der Basis angepasst werden. Die Zivilisten wissen noch nicht genau, um was es sich da handelt, aber sie sind neugierig geworden und leider sind sie auch recht hartnäckig. Sie stellen noch kein Problem dar, aber früher oder später wird sich jemand damit befassen müssen.
9 Es gibt eine moralische Spaltung der Mannschaft der Basis. Die einen argumentieren, dass die Außerirdischen auf jeden Fall auch mit dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen zurückzuschlagen sind. Die Außerirdischen wollen die Erde kolonisieren und/oder infiltrieren und ein Einsatz von Nuklearwaffen sei auch gegen Länder legitim, die bereits vollkommen infiltriert wären. Immerhin geht es hier nicht um einen politischen Diskurs, sondern um den Fortbestand der gesamten Menschheit. Wiederrum andere Mannschaftsmitglieder sagen, dass das Vorgehen gegen die Außerirdischen zu harsch sei. Sicher, sie entführen Menschen zu unbekannten Zwecken, was unbedingt unterbunden werden müsse, aber bisher hätten sie noch keine besonders aggressiven Handlungen gezeigt. Schließlich dürfte man nicht vergessen, dass man es mit einer andersartigen Intelligenz zu tun habe. Hunde würde auch nicht ausgerottet werden, nur weil sie sich anders verhielten als Menschen und die gesamte Menschheit bereits “infiltriert” hätten. Diese Gruppe zieht Verhandlungen mit den Außerirdischen einem direkten Angriff vor. Beide Gruppen geraten immer häufiger aneinander. Die Einsatzbereitschaft der Basis ist noch nicht gefährdet, aber ein solcher Streit kann in entscheidenden Momenten wertvolle Sekunden kosten.
10 Der Chefsessel der UNAISF ist ein begehrter Posten. Und obwohl sich sehr viele fähige Personen darum bewarben, konnte er nur an eine vergeben werden. Einer der Verlierer hat sein Ziel aber nicht aus den Augen verloren. Die Person arbeitet weiter für den UN-Sicherheitsrat, hat die besten Beziehungen und würde alles dafür tun, endlich in der UNAISF das Sagen zu haben. Er ist ein verschlagener Politiker und Winkeladvokat. Es ist schwer zu sagen, ob er dabei die Grenze zur Legalität überschreiten würde, aber er bedeutet auf jeden Fall eine Menge Ärger für die Leitung der UNAISF. Er wird vielleicht versuchen, die Special Units auf seine Seite zu ziehen und sie ihrem Chef zu entfremden.
11 Ein Mitarbeiter hat es mit der moralischen Integrität nicht so genau genommen und begonnen Informationen über Außerirdische und sogar Artefakte an den Meistbietenden zu verkaufen. Ein nicht unerheblicher Nebenverdienst, da besonders Sammler gerne Artefakte kaufen und andere Geheimdienste und Organisationen beides erwerben. Diese Nebengeschäfte werden aber zur Gefahr für die UNAISF. Wenn andere Geheimdienste die von der UNAISF gestohlenen Informationen präsentieren, könnte der Gedanke aufkommen, dass sie ausreichen, um die außerirdische Bedrohung zu bekämpfen und die UNAISF aufgelöst werden kann.
12 Etwas Seltsames geht auf der Basis vor. Es gibt einen Bereich (z. B. einen Wartungsschacht oder ein nicht genutzter Raum), in dem Mitarbeiter Stimmen gehört haben wollen, obwohl sich niemand in dem Bereich aufgehalten hat. Aber es sind nicht nur Stimmen, auch andere Geräusche sind hier von Zeit zu Zeit zu vernehmen. Das Licht flackert auf unerklärliche Weise, obwohl die Techniker die Leitungen und Lichtdioden mehrmals überprüft haben- technisch scheint alles in Ordnung zu sein. Der Bereich wird von den Mitarbeitern scherzhaft Phantomzone oder Geisterraum genannt und keiner hält sich hier drin auf, wenn er nichtunbedingt muss. Natürlich sind die Stimmen, Geräusche und Phänomen nie wahrzunehmen, wenn man sie jemandem demonstrieren möchte, was eine tiefergehende Untersuchung bisher verhindert hat. Aber irgendwann wird sich wohl jemand der Phantomzone annehmen müssen, denn es scheint fast so, als wird es schlimmer…

 

Geldgeber/Beziehungen zu den Power Playern

Die UNASIF ist eine Gruppierung der UNO, genauer: des UNO-Sicherheitsrates und als solche Abhängig von der UNO und den Mitgliedsstaaten. Die Abhängigkeit besteht gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen finanzieren die Mitgliedsstaaten alle Operationen der UNAISF. Ohne diese Finanzierung könnte die UNAISF nicht die neuste Technik und Ausrüstung erwerben und einsetzen. Mitarbeiter könnten nicht bezahlt werden.

Zum anderen übt der UN-Sicherheitsrat eine Kontrollfunktion über die UNAISF aus. Die UNAISF wurde nur zu einem Zweck gegründet und der liegt in der Bekämpfung der Außerirdischen. Die Finanzierung und auch die völkerrechtliche Grundlage und damit auch der Fortbestand der UNAISF hängen von der Bewertung des Sicherheitsrates ab. Wenn dieser zu der Auffassung gelangen sollte, dass die Organisation nicht in der Lage ist, die Außerirdischen erfolgreich zu bekämpfen, wird er sicherlich nach anderen Möglichkeiten suchen und die Mittel an andere Stellen dirigieren. Sollte der Sicherheitsrat jedoch zu der Überzeugung gelangen, dass die UNAISF den Kampf gegen die Außerirdischen außerordentlich erfolgreich aufnehmen kann, dann wird er sicherlich die Mittel erhöhen.

Fortbestand oder Untergang der UNAISF sind daher von der Einschätzung des Sicherheitsrates abhängig. In nachgeordneter Instanz auch vom Erfolg im Kampf gegen die Außerirdischen. Der Kampf gegen die Außerirdischen ist nur deshalb von nachgeordneter Bedeutung für die Beurteilung, weil erfolgreiche UNAISF Missionen selten sichtbar sind. Wenn die UNAISF Erfolg hatte, wurden Menschen nicht entführt, Regierungen wurden nicht infiltriert und Militärstützpunkte wurde nicht zerstört. Da die Prüfer des Sicherheitsrates nicht mit in den aktiven Einsatz gehen, fällt ihnen direkt keine Änderung auf und wenn die Außerirdischen geschlagen wurden, „wird es schon nicht so schlimm“ gewesen sein.

Andererseits wird jede Niederlage der UNAISF mehr als deutlich wahrgenommen. Menschen wurden entführt, Militärstützpunkte zerstört und Regierungen beschließen ihre Unterstützung für die UNASIF zurückzuziehen.

Entscheidend für den Fortbestand und die Finanzierung ist daher nicht so sehr der tatsächliche Erfolg, als vielmehr der vom Sicherheitsrat wahrgenommene Erfolg. Und genau hier kommt das diplomatische Korps der UNAISF ins Spiel. Die Diplomaten nehmen die Missionsberichte der UNAISF und versuchen sie dem Sicherheitsrat in einem bestmöglichen Licht darzustellen, so dass er womöglich erst auf die Probleme aufmerksam wird, die durch die Arbeit der UNAISF nicht aufgetreten sind.

 

Einmal im Quartal tritt der UN-Sicherheitsrat zusammen, um über die Fortschritte im Kampf gegen die Außerirdischen und die zukünftige Finanzierung der UNAISF abzustimmen. Dabei werden die Missionsberichte von einem Prüfungsausschuss unter die Lupe genommen und anschließend eine Empfehlung für die Finanzierung ausgesprochen (oder das Einstellen der UNAISF). Es werden alle Missionspunkte, die durch Einsätze im vergangenen Quartal zusammengekommen sind addiert, was den tatsächlichen Erfolg der UNAISF im Kampf gegen die Außerirdischen widerspiegelt. Das diplomatische Korps muss nun versuchen diesen tatsächlichen Erfolg im Prüfungsausschuss auch in einen wahrgenommenen Erfolg umzuwandeln.

Missionserfolge präsentieren: Auffassungsgabe, Diplomatie, 1-6 Tage, schwer (-2).

Wenn kein diplomatisches Korps vorhanden ist, müssen die Spielercharaktere selbst die Präsentation vornehmen. Da sie nicht so gut vernetzt sind in den Kreisen der Reichen und Mächtigen erhalten sie einen WM -2 auf ihre Probe.

Abhängig vom Wirkungsrad der Probe zeigt sich, wie gut die Präsentation war.

Missionen präsentieren

Wirkungsgrad Auswirkung
-6 oder weniger Die Präsentation war ein Desaster. Der wahrgenommene Erfolg des Sicherheitsrates liegt eine Kategorie unter dem tatsächlichen Erfolg.
-5 bis -1 Die Präsentation war durch Lücken geprägt und es findet noch eine Nachprüfung statt.
0 bis +5 Die Präsentation war vielversprechend und der wahrgenommene Erfolg entspricht dem tatsächlichen Erfolg.
6+ Die Präsentation verlief spektakulär und der wahrgenommene Erfolg liegt sogar eine Kategorie über dem tatsächlichen Erfolg.

 

Wenn eine Nachprüfung stattfindet, muss das diplomatische Korps nochmal alle Reserven zusammenkratzen und versuchen die Niederlage doch noch in einen Erfolg zu verwandeln.

Nachprüfung überstehen: Kampfmoral, Diplomatie, 1-6 Tage, schwer (-2).

Sollte die Nachprüfung bestanden worden sein, so entspricht der wahrgenommene Erfolg dem tatsächlichen Erfolg. Sollte diese Probe allerdings ebenfalls misslingen, so liegt der wahrgenommene Erfolg eine Kategorie unter dem tatsächlichen Erfolg.

Der wahrgenommene Erfolg führt dazu, dass das anfängliche Budget von 30 Basispunkten/Quartal modifiziert wird. Wenn das Budget 0 Basispunkte erreicht hat, wurde die Finanzierung eingestellt und die UNAISF wird aufgelöst.

 

Kategorien Missionserfolge

Wahrgenommene Missionspunkte/Quartal Basispunkte/Quartal
-10 oder weniger -6
-6 bis -9 -4
-2 bis -5 -2
1 bis -1 +0
2 bis 6 +1
7 bis 15 +2
16 bis 25 +3
26 bis 35 +4
36 bis 45 +5
46 bis 60 +6
61 oder mehr +8

 

Infiltration einer Regierung

Die verschiedenen Geldgeber der UNO für die UNAISF sind 13 Staaten oder Staatenbündnisse: die Arabische Liga, Brasilien, die Europäische Union, Großchina, Indien, Indonesien, Japan, die Mercosu, Mexico, die Neue Afrikanische Union, die Union für das Mittelmeer, USA und Vietnam.

Wenn zu einem Zeitpunkt eine Regierung dieser Staaten oder Staatenbündnisse durch die Außerirdischen infiltriert wurde, werden sie die Finanzierung der UNAISF einstellen (solange sie infiltriert sind). Das Quartalsbudget sinkt sofort um 10% (aufgerundet, mindestens jedoch 1 Basispunkt) und der Staat scheidet aus dem Prüfungsausschuss der UNAISF aus.

Sollte es der UNAISF gelingen den Staat oder Staatenbund von der außerirdischen Infiltrierung zu befreien, so ist eine Fortsetzung der Finanzierung jedoch nicht garantiert. Der Staat muss erst wieder an den Verhandlungstisch zurück und von der Arbeit der UNAISF überzeug werden. Dazu wird vor dem nächsten Quartalsbericht einmal wie oben eine Diplomatieprobe nötig, um die Missionserfolge zu präsentieren. Ist sie erfolgreich und der wahrgenommene Erfolg liegt mindestens bei 2 oder besser, so steigt der Staat oder Staatenbund wieder mit einer Finanzierung in Höhe der wahrgenommenen Erfolge ein. Diese Finanzierung geschieht zusätzlich zu einer Budgetänderung durch die bestehenden Staaten. Scheitert die Probe oder liegt der wahrgenommene Erfolg bei 1 oder weniger, so steigt der Staat oder Staatenbund noch nicht mit in die Finanzierung ein. Es besteht jedoch eine weitere Möglichkeit bei der nächsten Quartalsprüfung. Dies kann beliebig oft wiederholt werden, bis der Staat oder Staatenbund wieder vollständig in die Finanzierung eingestiegen ist.

Von erbitterten Konkurrenten bis zur mit einer Stimme sprechenden Staatengemeinschaft war es ein langer Weg für Europa, das erst nach zwei verheerenden Kriegen seine Lektion gelernt hatte. Ende des 21. Jahrhunderts behaupten sich die VEN nicht selten als Puffer zwischen den anderen großen Nationen der Erde.

 

Vereinigte Europäische Nationen (VEN)

Als zu Mitte des 20.Jahrhunderts die ersten Formen der europäischen Einigung ins Leben gerufen wurden – von der Montanunion bis zur Europäischen Union – war das erste Ziel, es solle nach den Schockerlebnissen der beiden Weltkriege nie wieder einen Krieg in Europa geben. Sieht man von den Kämpfen des nationalistischen großserbischen Reiches ab, so kann dieses Ziel als erfüllt angesehen werden. Die größten Probleme der VEN stellen sich in der immer noch bestehenden Überalterung der Gesellschaft und der Verschuldung der Gemeinschaft da, andererseits bietet sie den höchsten Lebensstandard und die beste soziale und medizinische Absicherung für die Unter- und Mittelschicht, die man unter den Global Playern finden kann. In keinem Gebiet der Wirtschaft können die VEN die absolute und alleinige Marktführerschaft für sich beanspruchen, doch ebenso gibt es keinen Bereich, in der sie allen anderen Großstaaten hinterherhinken.

 

Politische Landesstruktur

Die Vereinten Nationen von Europa reichen von Island im Nordwesten bis zur Türkei im Südosten, von der der iberischen Halbinsel im Südwesten bis nach Finnland und zu den baltischen Staaten im Nordosten. Von allen Ländern Europas gehören nur die russischen Satellitenstaaten – Weißrussland, Ukraine, Moldawien und die Kaukasusstaaten – sowie Großserbien, Albanien, Norwegen und Schweiz nicht zur Gemeinschaft der VEN. Die beiden Letztgenannten besitzen jedoch enge Assoziierungsabkommen mit der VEN, verfügen über Beobachterplätze im europäischen Parlament und genießen eine Schutzzusicherung seitens der europäischen Armee im Kriegsfalle.

Albanien ersucht seit 32 Jahren um die Aufnahme in die VEN und steht nach umfassenden Reformen im Bereich von Justiz, Wahlrecht und Wirtschaft kurz vor der Vollendung dieses langen Weges. Eine entsprechende Sitzung ist im europäischen Parlament für Oktober 2072 anberaumt. Die VEN versprechen sich davon vor allem eine bessere Kontrolle und einen direkten Zugriff auf die Verbrechersyndikate, die über Albanien auf den Wirtschaftsraum der VEN vordringen und Flüchtlingsgruppen einschleusen.

 

Übersicht

Fläche   (Weltrang: 7) 5.237.749 km²
Bevölkerung (Weltrang: 3) 522.820.000
Bevölkerungsdichte 99,8 je km²
Hauptstadt Paris; Regierungs- und Parlamentssitz in London
Amtssprachen 7 gleichberechtige Verwaltungssprachen (Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Polnisch, Italienisch, Türkisch) sowie 21 weitere in den Regionalparlamenten
Währung 1 Euro = 100 Eurocent

 

Regierung

Um alle Einzelstaaten, die sich schließlich von der EU-Mitgliedschaft zu einem gemeinsamen Staat verbanden, zufrieden zu stellen, musste das europäische politische System entgegen der ursprünglichen Prämisse, vereinfachte, weniger bürokratische Strukturen zu generieren, sehr komplex gestaltet werden. Allein die Frage nach der Hauptstadt und dem Regierungssitz waren schwer zu entscheidende Kernpunkte, bei der sowohl Feilschen zwischen den großen Mächten, die sich um ein solches Amt bewarben, als auch finanzielle und wirtschaftliche Zugeständnisse an die kleinen, ebenfalls stimmberechtigten Ländern eine Rolle spielten. Waren mit Berlin, Paris, London, Madrid und Rom zunächst fünf Kandidaten als Hauptstadt im Rennen, kamen bald die Vorschläge, auf Athen als Ursprung der europäischen Demokratie oder Warschau als Kompromisslösung der osteuropäischen Städte zu bevorzugen auf. Auch die Wahl von Stockholm als neutraler Drittlösung wurde diskutiert. Letztlich setzten sich jedoch die drei Führungsstaaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien durch. Paris wurde zur Hauptstadt gewählt, während London als Sitz der Regierung und des europäischen Parlaments verankert wurde. Deutschland stimmte dem zu, nachdem ihm zahlreiche Zugeständnisse gemacht wurden und es Standort der europäischen Nationalbank (Frankfurt), der europäischen Niederlassung der Raumfahrtbehörde EBRA (Darmstadt), der Universitätenvereinigung und des Wirtschaftsfachrates (beides Berlin) wurde. Ebensolche Zugeständnisse wurden Amsterdam in den Niederlanden (europäisches Schifffahrtsamt), Rom in Italien und Warschau in Polen (Hauptsitze der gemeinsamen Armee von Europa) und Madrid in Spanien (Versorgungsamt für Energie) gemacht. Die anderen Länder wurden hauptsächlich mit Behördenniederlassungen und finanziellen Zugeständnissen von dieser Lösung überzeugt.

 

Staatspräsident Manuel Garcia Lopez (repräsentatives Amt), Sitz in Paris
Regierungschef Michael Rasmussen (Sitz in London)
Außenminister Mario Montelivio (Sitz in London)
Verteidigungsminister Zsoltan Avevor (Sitz in Warschau)
Wirtschaftsministerin Martina Häussler (Sitz in Berlin)

 

Alle übrigen Ministerien, von denen es insgesamt 34 mit teils überschneidenden Kompetenzen gibt, haben ihren Sitz in London, mit der Ausnahme des Gesundheitsministeriums in München, des Wirtschaftsministeriums in Berlin und des Energiewirtschaftsministeriums in Madrid. Die Vielzahl der Ministerien erweist sich manchmal als politische Hürde und Grund für Verzögerungen, jedoch stellt sie sicher, dass alle Staaten einigermaßen zufrieden gestellt werden konnten. Die europäische Verfassung sieht überdies vor, dass jeder ehemals selbständige Staat (mit Ausnahme von San Marino und Liechtenstein) wenigstens alle zwei Legislaturperioden (fünf Jahre) einen Ministerposten besetzen muss, weshalb sich besonders Kandidaten die aus der Zeit vor der Gründung noch mehrere Staatsangehörigkeiten besessen haben, wie etwa der finnisch-schwedisch-stämmige ehemalige Außen- und Industrieminister Hendrik Blomsteen, für ihre Parteien als geeignete Kandidaten erweisen.

Die ehemaligen Staatsgrenzen sind verschwunden, decken sich aber weitestgehend mit Regionalgrenzen, wobei größere Staaten in mehrere Verwaltungsregionen aufgeteilt sind, jedoch meist größere als es bei der vorhergehenden nationalen Unterteilung der Fall war. Deutschland besteht beispielsweise aus mittlerweile vier Regionen (Bayern-Schwaben, Norddeutschland, Brandenburg-Sachsen und Rheinwestgebiete) statt aus 16 Bundesländern. Jede dieser Regionen verfügt über eine lokale Regionalregierung, deren Gesetze jedoch denen des VEN-Parlaments nachgeordnet sind.

 

Die 10 größten Megacities (Großräume) und Millionenstädte:

Paris 14,8 Mio.
London 12,2 Mio.
Berlin 6,2 Mio.
Rom 3,9 Mio.
Hamburg 3,8 Mio.
Warschau 3,7 Mio.
Madrid 3,4 Mio.
München 3,4 Mio.
Athen 3,2 Mio.
Wien 3,0 Mio.


Bevölkerungsstruktur

Bezeichnung (VEN-)Europäer
Gliederung Türken 14,9%, Deutsche 14,8 %, Franzosen 12,5%, Briten 11,4%, Italiener 8,2%, Spanier 7,4%, Polen 7,4%, andere 23,4%
Religionen 64,4% Christen (33,1% Protestanten verschiedener Konfessionen; 27,3% Katholiken, 4% andere); 21,2% Muslime; 0,8% Juden; 0,4% Hindus; 13,2% religionslos
Arbeitslosigkeit 6,9%

 

Entwicklung im 21.Jahrhundert

Europa entwickelte sich Stück für Stück hin zur Gründung der VEN, die sicherlich das einschneidendste und bemerkenswerteste Ereignis der europäischen Geschichte im 21. Jahrhundert war. Andere politische Veränderungen auf dem Kontinent waren kaum zu beobachten, abgesehen von der Neuausrichtung der Außenpolitik, die nun mehr auf Brasilien und Russland als auf die immer wieder von Krisen und Konflikten geschüttelten USA fokussiert war. Zu fast allen Staaten der Welt besitzen die VEN eine gute, nicht belastete Beziehung, was vor allem an der neuen politischen Maxime liegt, sich nicht in die Konflikte und inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen. Den noch Ende des 20. Jahrhunderts vorherrschenden Wunsch, die Stellung Europas als politische Weltmacht auszubauen, haben die VEN mittlerweile vollständig zu Gunsten einer auf die eigenen Gebiete konzentrierten Politik aufgegeben. Besondere Beziehungen unterhalten die VEN zu Brasilien als engem wirtschaftlichem Kooperationspartner (besonders mit Blick auf die gemeinsame Raumfahrt durch die EBRA) und der islamischen Liga Nordafrikas. Seit der Spaltung der USA unterhält die VEN wieder engere Kontakte zu den Nordstaaten, während die radikal-christlichen Tendenzen der Südstaaten dem freiheitlichen und toleranten Grundgedanken der VEN widersprechen.

Die stabile Wirtschaft, angetrieben von klassischen Zugpferden wie Chemie, Pharmakologie, Maschinen-, Automobil- und Schiffsbau und ähnlichen Sparten, ist Garant für die weitgehend gute Entwicklung der Europäer im Krisenjahrhundert. Einerseits haben die Europäer zwar in vielen Marktsegmenten ihre Führungsstellung an Brasilien und Indien verloren, andererseits sind sie in nahezu allen Bereichen einigermaßen gut aufgestellt. Einzig die Abhängigkeit in Bezug auf die Energiepolitik kann deutliche Sorgen bereiten. Trotz der durch die Mondstationen guten Versorgung mit Helium-3 sind die VEN weiterhin von Energielieferungen aus Russland und dem DeserTec-Projekt in Nordafrika abhängig.

 

Aktuelle Situation: Politik und Soziales

Die Süd- und Südostgrenzen der VEN sind stark gegen die Zuwanderungsströme aus dem Nahen Osten und Afrika gesichert, sowohl durch stationierte Truppen und mehrstufige Zaunanlagen an den Grenzen als auch durch politische Abkommen. Hier kommt die enge Zusammenarbeit mit der ILN zum Tragen. Im Gegenzug für die Sicherung des DeserTec-Projektes und der Zurückhaltung von afrikanischen Flüchtlingsströmen unterstützen die VEN die Staaten Nordafrikas mit finanziellen Zuwendungen und wissenschaftlichem Know-how. Ebenso beteiligt sich die VEN mit Geld und Fachkräften an den Universitäten und Ausbildungsstätten dieser Länder, was nicht nur deren eigene wirtschaftliche Entwicklung fördert, sondern den VEN auch erlaubt, ausgewählte, junge und gut ausgebildete Arbeitskräfte nach Europa einreisen zu lassen, um den eigenen Problemen der Überalterung der Bevölkerung und dem Fachkräftemangel gezielt entgegen zu wirken.

Die Überalterung ist nach wie vor ein großes Problem in Europa, was nicht zuletzt an der – gemessen an anderen Staaten – hervorragenden medizinischen und sozialen Absicherung der Bürger liegt. Die Armut ist in Europa in den untersten Schichten durchaus existent, doch wesentlich geringer als in den Gebieten der anderen Global Player. Auch die Arbeitslosigkeit konnte in Europa wirksam durch die Einführung neuer, individuellerer und früher auf einen Beruf ausgerichteter Schul- und Ausbildungssysteme im Zaum gehalten werden. Hier liegt nach wie vor auch der Vorteil der Europäer gegenüber anderen Nationen im Wettstreit um wirtschaftliche Marktanteile: Die VEN bieten die besten Bedingungen für Forschungsstandorte und die Entwicklung neuer Technologien. Dieser Zustand gilt auch für die wichtigste europäische Institution, die EBRA. Während Brasilien immer noch Hauptgeldgeber des Projektes ist, bringen die VEN die gemeinsame Raumfahrt und den Ausbau der gemeinsamen Vormachtstellung im Ringen um die Helium-3-Vorkommen auf dem Mond mit immer neuen und verbesserten technologischen Konzepten voran. Im Bereich der terrestrischen Energiewirtschaft werden neue Erkenntnisse auch mit Russland geteilt, um im Gegenzug vergünstigte Lieferbedingungen für russische Wind- und Erdgaserzeugnisse zu erhalten. Auch die Ausbildung außereuropäischer Eliten an europäischen Universitäten sorgt für gute wirtschaftliche Kontakte in alle Welt.

Die Hauptprobleme der VEN sind weitgehend der jungen gemeinsamen Geschichte und den noch immer vorhandenen nationalen bzw. regionalen Interessen geschuldet. Hierzu gehören die enorme Bürokratie des europäischen Wirtschaftsraumes und der Politik. Allein die sieben existierenden Verwaltungssprachen blähen alle politischen Projekte und Vorgänge zu Mammutaufgaben auf, auch wenn die immer weiter verbesserten Computersysteme zur Übersetzung schlimmere Probleme verhindern. Auch die für die einzelnen VEN-Regionen teils stark unterschiedlichen Gesetzesvorschriften, die auf Grund historischer Unterschiedlichkeiten existieren, bringen Probleme mit sich und erfordern einen hohen Verwaltungsaufwand.

Eine tatsächliche Konkurrenz zwischen den Teilen der VEN gibt es seit dem Regionalausgleichsgesetz nicht mehr. Die reicheren Regionen treten automatisch Gelder an die schwächeren ab, woraus aber auch der Vorteil resultiert, dass Wettbewerbsbedingungen und Lebenshaltungskosten innerhalb Europas sich weitgehend angeglichen haben. Soziale und medizinische Versorgung sind überwiegend in allen Regionen gleich gut. Konkurrenzsituationen treten hauptsächlich noch im Bereich des Sportes auf, der überall in der VEN eine nach wie vor unverändert wichtige Stellung genießt. Unangefochtener Spitzenreiter der Beliebtheit ist der Fußball, der seit 2052 in einer europäischen Eliteliga seine Krönung findet. Auch das Ringen der Regionen um Zentren und Behörden der VEN hält weiter an.

Die größte Sorge neben der Abhängigkeit von auswärtigen Energielieferungen stellt die weiterhin existierende Schuldenlast der VEN da. Sie konnte zwar reduziert werden und steigt durch moderate Sparkurse nicht weiter an, doch gab es in Europa anders als in den USA niemals einen kompletten Finanzumschwung, der zu einer weitgehenden Entschuldung führte. Diese Altlasten drücken auf die Wirtschaftskraft der VEN, stellen aber nur bedingt ein akutes Problem dar.

 

In der Innenpolitik hält ein Kräfteringen zwischen regionalen Parteien wie der LFI (Liga französischer Interessen), der OEP (osteuropäische Partei) und der BCP (Bristische Commonwealth-Partei) und überregionaler Parteien wie der SUE (Soziale Union für Europa) oder der EKK (Europäische Konservative Kräfte) stetig an, wirklich separatistische Bestrebungen gibt es aber nicht, da alle Regionen vom Zusammenschluss in der VEN profitieren.

Gegenwärtig sitzen neun Parteien im europäischen Parlament, das über 1128 Sitze verfügt. Die Regierung bilden aktuell die SUE, die PEZ (Partei der europäischen Zukunft), die OEP und die BCP. Sie besitzen zusammen eine komfortable Mehrheit von 58% der Sitze. Regierungschef Rasmussen, Verteidigungsminister Avevor und Wirtschaftsministerin Häussler gehören zur SUE, Außenminister Montelivio zur PEZ. Jede Partei verfügt über mindestens drei Ministerämter. Staatspräsident Garcia Lopez gehört eigentlich der EKK an, lässt diese Mitgliedschaft aber gemäß alter Tradition für die Dauer seines Amtes ruhen.

 

Militär und Raumfahrt

Das europäische Militär ruht auf drei gleichgewichteten Säulen und besteht ausnahmslos aus Berufssoldaten. Die Masse der Luftwaffe besteht aus recht alten französischen und britischen Verbänden, doch die neue Generation von hochmodernen Kampfflugzeugen der Union-Klasse, die mit modernster Vektorschubantriebstechnik ausgestattet sind und die ebenso fortschrittlichen Kampfhubschrauber der de Gaulle-Serie gehören zur State of the Art der Militärtechnik und brauchen keinen weltweiten Vergleich zu scheuen. Das europäische Heer ist recht klein, besteht aber zum großen Teil aus hervorragend ausgebildeten Spezialeinheiten. Die Panzerverbände gelten als veraltet und setzen sich überwiegend aus den alten Armeen der Einzelstaaten zusammen. Die französische Fremdenlegion existiert als separate Armee neben der europäischen weiter, darf aber nur auf besonderen Beschluss des VEN-Parlaments eingesetzt werden. Die Flotte, die traditionell unter britischem Kommando steht, gilt als modern und schlagkräftig. Flugzeugträger, U-Boote und leichte Fregatten bilden ihren Kern.

Ferner verfügen die VEN über moderne Militärsatelliten, jedoch nur über schwach bewaffnete Raumfahrzeuge für den Orbitalkampf. In allen anderen Belangen brauchen die VEN im engen Zusammenschluss mit Brasilien den Vergleich im Weltraum mit fast keiner anderen Nation zu scheuen. Im Bereich der Orbitalstationen und Orbitalaufzüge stehen sie nur hinter Russland zurück,  auf dem Mond sind sie die dominierende und führende Macht. Auch die Militärsatelliten sind ein Gemeinschaftsprojekt der EBRA, stehen also nach gegenseitiger Absprache sowohl den VEN als auch ihrem südamerikanischen Partner zu Verfügung. Die Abschussrampen der EBRA-Raketen befinden sich in Französisch-Guyana, dem Staatsgebiet der VEN in Südamerika, das europäische Kommandozentrum in Darmstadt.

 

Ziele und Stellung zu den Aliens

Die strategischen Ziele der VEN beziehen sich zu großen Teilen auf den Weltraum. Gemeinsam mit Brasilien soll die eigene Vormachtstellung auf dem Mond ausgebaut werden, um mehr Helium-3 für die irdische Produktion abzubauen. Auch ein neues Satellitensystem zur Gewinnung und Übertragung von Solarenergie auf die Erde, das Helios-Projekt, soll dazu beitragen, die VEN unabhängiger in ihrer Energieversorgung zu machen. Stück für Stück wollen Brasilien und die VEN ihren transatlantischen Handel ausbauen und auch eine unterseeische Transportröhre zwischen dem spanischen Festland und der Nordküste Brasiliens ist im Planungsstadium, wird aber voraussichtlich nicht vor 2085 begonnen. Auf lange Sicht sollen die VEN unabhängig von der ausländischen Energieversorgung gemacht werden und Russland als dominierende Orbitalmacht ablösen. Diese Politik belastet zwar gelegentlich energiepolitische Gespräche zwischen den beiden Staaten, das gute Klima bleibt aber weitgehend erhalten.

Die VEN begrüßen die außerirdischen Neuankömmling freundlich, üben sich aber noch etwas in Zurückhaltung, was nicht zuletzt an der Befürchtung liegt, dass außerirdische Technologien den europäischen Standort für innovative, neue Technologien gefährden könnte, wenn alle Länder mit Alien-Technologie versorgt würden. Dennoch wurde den Aliens gestattet, in 26 Städten Medizinzentren zu errichten, die größten davon in Berlin, Madrid und Helsinki. Außerdem wurde den Grauen eine Landebasis in der Slowakei auf einem alten US-amerikanischen Militärstützpunkt überlassen und ein ständiger Beobachtungssitz im VEN-Parlament gewährt. Die VEN waren die erste Nation, die den Grauen eine Botschaft errichtete. Wie alle diplomatischen Vertretungen liegt auch diese in London.

 

Morgen geht es weiter mit der Charaktererschaffung.

Nach dem Hinweis von gestern, war das ja nun nicht wirklich schwierig zu erraten :)

Wer jetzt aber denkt “Wie öde! Kenn ich schon! War ich schon!”, der irrt. Die USA in der Welt von 2071 ist vielleicht das Land, welches im Laufe der Geschichte die meisten und schwerwiegendsten Veränderungen und Rückschläge hinnehmen musste. Der Glanz vergangener Tage ist vorbei.

Der König ist tot! Es lebe der König!

 

Vereinigte Staaten von Amerika (USA)

Die USA haben von allen großen Nationen den größten Wandel seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts erlebt. Zunächst von Regierungs- und Finanzkrisen geschüttelt, wurde das Land – gerade als es seine Finanzen saniert hatte – durch eine schreckliche Naturkatastrophe erschüttert. Die Konsequenzen veränderten das Antlitz der Vereinigten Staaten für immer. Große Teile des Landes wurden unbewohnbar und zu verseuchtem Ödland. Nur die Ostküste wurde weitgehend verschont, doch sorgten die aus der Katastrophe entstehenden Spannungen für einen Bruch zwischen den kapitalistischen Nord- und den religiös orientierten Südstaaten, der zum zweiten Bürgerkrieg führte. Heute sind die Kämpfe weitgehend abgeklungen, doch Scharmützel sind an der Tagesordnung und alle paar Monate startet eine der beiden Seiten eine Offensive, die jedoch schnell an den Verteidigungsposten des Gegners aufgehalten werden. Seit 2066 gab es keine größeren Schlachten oder Veränderungen im Grenzverlauf mehr. Sowohl Nord- als auch Südstaaten setzen immer stärker auf kleine Kommandooperationen, die strategisch wichtige Punkte hinter den feindlichen Linien angreifen. Nur konventionelle Waffen werden eingesetzt, da Ziel des Krieges die Ausschaltung des jeweils anderen politischen Systems und die Wiedervereinigung unter der eigenen Flagge ist.

 

Politische Landesstruktur

Das Gebiet der USA ist in vielen Teilen unbewohnbar, die noch nicht verstrahlten Gebiete geteilt. Beide Seiten beanspruchen auch das gesamte verseuchte Territorium für sich. Daten, die in Nord- und Südstaaten unterschiedlich sind, werden getrennt gelistet. Findet sich nur eine Angabe, gilt diese für beide Kriegsparteien. Süd und Nord werden als Abkürzungen benutzt, um die Daten zu trennen.

 

Die Verseuchung der Gebiete betrifft alle Bundesstaaten von der Westküste bis zu einer Linie die von Cleveland am Eriesee über Nashville bis nach Baton Rouge am Golf von Mexiko verläuft. Diese Städte sind Grenzstädte, in denen Leben möglich ist, wenn auch die Verseuchung die Menschen dazu zwingt, Medikamente gegen die Strahlenbelastung zu nehmen. Weiter westlich nimmt die Strahlung stetig zu. Ab einer Linie Chicago über Memphis zur ehemaligen Ostgrenze von Texas ist die Strahlung so stark, dass Menschen dauerhaften, irreversiblen Schaden nehmen.

Die gegenwärtige Grenze zwischen Süd- und Nordstaaten verläuft von Nashville über Charlotte, die beide unter großen Anstrengungen vom Süden gehalten werden, bis hin zur Atlantikküste. Ferner halten die Nordstaaten ein kleines Gebiet in Florida, in dem die Raketenabschussrampen von Cape Kennedy liegen.

Alaska gehört offiziell noch zum Gebiet der USA, verhält sich in den Kämpfen aber neutral und wird daher keiner der beiden Seiten zugerechnet. Hawaii hingegen wird von Truppen der Nordstaaten gehalten und gilt als ungefährdet und friedlich, da die Südstaaten über keinerlei nennenswerte Pazifikflotte verfügen und der Panamakanal auf Grund einer Allianz zwischen den Nordstaaten und der Regierung von Panama für Südstaaten-Streitkräfte gesperrt ist.

 

Übersicht gesamt1 bewohnbar2 Nordstaaten Südstaaten
Fläche   (Weltrang³: 3) 9.809.155 km² 3.432.378 km² 952.118 km² 779.943 km²
Bevölkerung³ (10) unbekannt 215.630.000 104.300.000 110.730.000
Bevölkerungsdichte unbekannt 62,8 je km² 109,5 je km² 141,7 je km²

1 inklusive verseuchter Gebiete, 2 inklusive des neutralen Alaskas (ca.600.000 Einwohner, 1.700.138 km²), 3 Weltrang für gesamte Gebiet gerechnet

 

Hauptstadt Washington D.C. (auch vom Süden anerkannt)
Amtssprachen Nord: Englisch; Süd: Englisch und regional spanisch (Florida, Louisiana)
Währung 1 US-Dollar (US-$) = 100 Cents; Kurs 1 € = 4,65 US-$

 

Regierung

Sowohl der Süden als auch der Norden haben eigene Regierungen gebildet, wobei der Süden immer noch Washington als Landeshauptstadt anerkennt, seine Regierung versammelt sich jedoch in New Orleans. Die Nordstaatenregierung besteht weiterhin aus 2 Kammern (Abgeordnetenhaus und Senat), die Südstaatenregierung aus nur einer Kammer, der 3-5 Abgeordnete jedes Bundesstaates des Südens angehören.

Die Verfassung von 1787 gilt weiterhin in beiden Teilstaaten, jedoch hat der Norden seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges 3, der Süden 7 Verfassungszusätze verabschiedet (Amendements). Nationalfeiertag ist sowohl im Norden als auch im Süden der Unabhängigkeitstag (4. Juli). Im Norden gibt es nach wie vor die Republikanische und die Demokratische Partei, im Süden bestehen diese ebenfalls weiter, doch die Partei des Wahren Weges bildet die dritte starke Kraft im Teilstaat.

 

Norden Präsidentin Cathrine A. Jordan (seit 2065, wiedergewählt 2069; Vizepräsident Jeremiah Bestian, Außenminister: Larry Kincaid; Verteidigungsminister: Newton Bachmann (alle Republikaner)
Süden Präsident Christian Monroe (seit 2069, Wahrer Weg); Vizepräsident Bruce McAllister (Demokraten); Außenministerin: Janet Wallace (Wahrer Weg); Verteidigungsminister: General Alexander Greystone (parteilos)

 

Die 10 größten Megacities (Großräume) und Millionenstädte

Norden:

New York 19,4 Mio
Washington D.C. 4,2 Mio.
Philadelphia 3,1 Mio.
Baltimore 2,8 Mio.
Boston 2,4 Mio.

 

Süden:

New Orleans 4,7 Mio.
Jacksonville 3,1 Mio.
Miami 2,8 Mio.
Alabama 2,5 Mio.
Charlotte 2,3 Mio.

 

Bevölkerungsstruktur

Bezeichnung (US-)Amerikaner (Süd- bzw. Nordstaatler)
Gliederung

Nord

42% Weiße; 25% Hispanics; 21% Schwarze; 7% Asiaten; 5% andere

Süd

44% Weiße; 31% Hispanics; 14% Schwarze; 6% Asiaten; 5% andere
Religionen 72% Christen (32% Katholiken, 20% Baptisten, 6% Methodisten u.a.); 1,2% Juden, 1,2% Muslime; 0,5% Buddhisten; 0,5% Hindus; 24,6% religionslos
Arbeitslosigkeit 17,5% (Norden), 16,3% (Süden)

 

Entwicklung im 21. Jahrhundert (Übersicht)

Das Jahrhundert begann für die USA mit einer Reihe wirtschaftlicher Krisen, die beinahe zum Staatsbankrott geführt hätten. Ein radikaler Sparkurs konnte die Staatsfinanzen zwar sanieren, sorgte aber auch für soziales Elend und soziale Spannungen, sowohl rassistischer Art als auch zwischen Arm und Reich. Mitte des Jahrhunderts kam es in einer Reihe amerikanischer Städte zu Massenunruhen, die jedoch wieder unter Kontrolle gebracht wurden. Als der Staatshaushalt wieder in sicheren Bahnen ruhte, stockte die US-Regierung das zuvor stark reduzierte Militär wieder auf, um ihre alte Vormachtstellung in der Welt zurückzugewinnen. Dieses Vorgehen fand ein geteiltes Echo in der Bevölkerung. Während konservative, überwiegend weiß-protestantische Kreise die Rückkehr zur alten Größe und Schlagkraft begrüßten, mahnten vor allem afroamerikanische und hispanische Interessenverbände mehr soziale Projekte an.

Um all diese Kosten aufzufangen, mussten Einsparungen in anderen Bereichen vorgenommen werden. So wurde das Budget für die NASA sowie alle energiewirtschaftlichen Neuerungen, die in  anderen Staaten vorangetrieben wurden, auf Eis gelegt. In dieser Entwicklung liegt auch die US-amerikanische Rückständigkeit bei Orbital- und Mondstationen sowie in der regenerativen Energiegewinnung, die im Jahr 2071 vorherrscht, begründet.

Einen besonders schweren Schlag erlitten die USA, als das große Beben  Kalifornien erschütterte und im selben Jahr ein Terrorangriff auf eine Reihe von Kernkraftwerke verübt wurde, die zu mehreren Super-GAUs führte. Bis heute ist unbekannt, ob eine feindliche Regierung – China und Brasilien wurden in erster Linie verdächtigt –, ein religiöser Terrorakt seitens muslimischer Fundamentalisten oder ein Angriff der Anarchisten-Gruppe der New Age Outlaws vorlag. Einige UNAISF-Analysten sehen die Aliens als Drahtzieher, da diese Schwächung einer führenden Militär- und Wirtschaftsmacht ihren Eroberungsplänen nur dienlich sein kann. Das Ergebnis blieb in jedem Fall erschütternd und stellte die größte Katastrophe in der Menschheitsgeschichte da. 104 Atomkraftwerke wurden größtenteils schwer beschädigt oder vollständig zerstört. Die Konsequenz daraus war eine Verstrahlung von zwei Dritteln der Vereinigten Staaten von Amerika (bzw. von sieben Achteln, wenn das nicht oder nur wenig betroffene Alaska nicht mitgerechnet wird). Zahllose Menschen starben in den folgenden Jahren an Verstrahlung und die US-Wirtschaft kollabierte, was sich schwerwiegend auf die globale Finanzwelt niederschlug und zu einer weltweiten Krise führte.

In den USA waren Massenfluchten in die nicht betroffene Ostküste und schwere soziale Unruhen die Folge. Im Süden des Landes etablierte sich eine immer stärker werdende christlich-fundamentalistische Strömung, während der Norden weiter dem Kapitalismus folgte. Aus diesem Gegensatz resultierte der schmutzigste geführte Wahlkampf in der Geschichte der USA, der mit dem Sieg des “Nordstaatlers” William Wayne endete. Die südlichen Staaten erkannten die Niederlage ihres Kandidaten, eines angesehenen Religionsführers, nicht an und es kam zum zweiten Mal in der Geschichte der USA zu einer Spaltung, die alsbald in einen bürgerkriegsähnlichen Konflikt mündete.

 

Aktuelle Situation: Politik und Soziales

2071 ist die USA ein zerrissenes, gespaltenes Land. Beide Seiten, sowohl der Süden als auch der Norden halten an der Einheit des Landes fest, fordern aber für die eigene Seite die Vormachtstellung in den Parlamentskammern und das Amt des Präsidenten. Gegenwärtig haben sowohl der Norden als auch der Süden einen eigenen Präsidenten, die den jeweils anderen nicht anerkennen. Nach Jahren des Krieges hat sich eine mehr oder weniger stabile Grenze innerhalb des Landes etabliert. Die Kosten für den Konflikt und das Wettrüsten zwischen Nord- und Südstaaten verhindern eine Lösung dringlicher sozialer Probleme, allen voran die massive Überbevölkerung, die durch die Massenfluchten entstanden sind.

In den Nordstaaten beginnen die ersten Machtkämpfe im republikanischen Lager um die Nachfolge von Präsidentin Jordan, die in der nächstjährigen Wahl nach zwei Amtszeiten nicht wieder antreten darf. Seit William Wayne sind stets Republikaner zu Präsidenten der Nordstaaten gewählt worden und auch 2072 werden die Demokraten kaum eine Chance haben. In den Südstaaten hingen kann Christian Monroe gelassen auf seine Wiederwahl warten. Seine Position als politischer wie geistlich-religiöser Führer ist unbestritten.

 

Die Südstaaten

Die Südstaaten sind ein durch und durch christlich-religiöses Land. Wie in der Verfassung vorgesehen sind andere Religionen zulässig, jedoch begünstigen sich die Evangelikalen, die alle wichtigen Ämter innehaben. Ihre Machtbasis ist breit aufgestellt und kann innenpolitisch kaum erschüttert werden. Es herrschen konservative Werte vor, die manche Beobachter gerne als verstaubt und anachronistisch bezeichnen. Homosexualität und Abtreibung werden mit Zuchthaus bestraft, Alkohol und Tabak dürfen nur noch in den heimischen vier Wänden konsumiert werden, das Nachtleben mit seinen Diskotheken und Partys ist zwar noch gestattet, wird aber immer mehr von den konservativen Medien, die sich allesamt in der Hand der Evangelikalen befinden, geächtet. Züchtige Kleidung ist in der Öffentlichkeit vorgeschrieben, Nacktheit wird weder in Fernsehen noch in der Kunst geduldet. Sittenlosigkeit wie vorehelicher Geschlechtsverkehr wird gesetzlich mit schweren Geldbußen oder gar Gefängnis bestraft. An Schulen wird die Schöpfungslehre statt der Evolutionstheorie gelehrt. Wissenschaften müssen sich dem christlichen Credo unterwerfen und werden oftmals zensiert. Gegenwärtig befindet sich gar ein Gesetz in Vorbereitung, dass Nicht-Christen das Wahlrecht aberkennen und gleichzeitig alle Christen zum wöchentlichen Gottesdienstbesuch verpflichten soll.

Bei Ämtern und Gerichten werden Christen ebenso wie im alltäglichen Leben bevorteilt, was eine Auswanderung vieler Andersgläubiger, aber auch Intellektueller und Freigeister, in die Nordstaaten nach sich zieht. Der Süden sieht darin kein Problem, da ohnehin ein Bevölkerungsüberschuss existiert und soziale Probleme so verringert werden. Gemessen an anderen Staaten der Welt ist das Gefälle zwischen Arm und Reich in den Südstaaten geringer als vielerorts anders auf der Welt.

Die einzige Ausnahme vom sonst so sittenstrengen Leben bilden kulturelle Besonderheiten, die noch nicht verboten oder beschränkt wurden und daher umso exzessiver gerade von der jungen Bevölkerung gefeiert werden, bspw. Mardi Gras.

 

Nordstaaten

Die Nordstaaten besitzen ebenfalls eine konservative Führung, jedoch keinerlei christliches Denken. Kirche und Staat sind streng getrennt. Die Wissenschaft und Wirtschaft kann sich ungehindert von sozialen und religiösen Zwängen entfalten, doch der Kapitalismus, der treibende Kraft im Staat ist, sorgt für ein weit größeres Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich als dies im Süden der Fall ist. Das Leben in den Nordstaaten ist von einer großen Freizügigkeit geprägt, die ganz bewusst als Gegenbewegung zum konservativen Denken im Süden entstanden ist.

Besonders in Baltimore – in den Südstaaten Hauptstadt des Lasters genannt – gipfeln Freigeist und Freizügigkeit. Hier hat sich nach dem Großen Beben in Kalifornien die Filmindustrie neu angesiedelt, deren Produkte dem Zeitgeist entsprechend von Nacktheit, exzessiven Ausschweifungen und anti-christlicher Propaganda geprägt sind. Rassismus ist in den Nordstaaten ein Thema von geringer Bedeutung, doch die Stimmung gegen öffentliche Gebete und Glaubensdarstellung ist groß.

 

Wirtschaft und Energie

Die Wirtschaft in den USA besitzt keine Vorzeigestellung in der Welt mehr, gilt aber sowohl im Norden als auch im Süden als gesund. Ein großer Teil der Finanzmittel der Staaten fließt jedoch in den Einkauf von Brennstoffen und den Ausbau des Atomstromnetzes. Trotz der schlechten Erfahrungen ist Atomenergie, vor allem die weiterentwickelte Kernfusion, in den USA immer noch erste Energiequelle. Auch das Wettrüsten zwischen Nord und Süd verschlingt Unsummen.

 

Militär und Raumfahrt

Noch zu Beginn des Jahrhunderts stellten die USA die schlagkräftigste Armee der Welt. Diese Vormachtstellung haben die Vereinigten Staaten zwar verloren, jedoch besitzen Nord- wie Südstaaten immer noch große Heeres-, Luftwaffen und Marineverbände. In zahllosen, täglichen Grenzscharmützeln stehen sich die beiden Teilstaaten unversöhnlich gegenüber und kein Tag vergeht, an dem nicht wenigstens ein Soldat sein Leben verliert.

Der Norden verfügt über stärkere Luftstreitkräfte und Marineeinheiten, während der Süden die größere Zahl an gut ausgebildeten Infanteristen besitzt. Der Kampf wird nur mit konventionellen Waffen geführt. Kommandoeinheiten übernehmen nicht selten Spezialaufträge. Sowohl in Nord- als auch in den Südstaaten werden diverse paramilitärische Sicherheitsfirmen mit Aufträgen betraut, die eigentlich Aufgabe des US-Militärs wäre.

 

Eine besondere Stellung nimmt das Nordstaatenmilitär in Cape Kennedy da. Diese Insel in Mitten des Südstaaten-Gebietes wird durch starke Verbände verteidigt. Zusätzlichen Schutz bieten seit Kurzem die von der Regierung der Nordstaaten dorthin gebetenen Aliens, die diplomatische Gespräche mit den Süden begonnen haben. Die Nordstaaten ließen ihr Raumfahrtprogramm nicht zuletzt aus Prestigegründen wieder eine größere Rolle spielen. Da der Vorsprung der anderen Nationen im Bereich von Mond- und Orbitaltechnik zu groß ist, um ihn schnell aufholen zu können, verlegte sich die NASA auf die erdferne Raumfahrt, die dazu führte, dass die US-Amerikaner als erste den Mars betraten.

 

Ziele und Stellung zu den Aliens

Sowohl Nord- als auch Südstaaten streben die Wiedervereinigung der beiden Teilstaaten an, jedoch beide unter der Prämisse, dass die eigene Staatsdoktrin durchgesetzt wird und erhalten bleibt. Kompromisse sind hierbei nahezu ausgeschlossen, da sich die Philosophien der beiden Seiten so stark wie nur denkbar widersprechen. Allein der Patriotismus verbindet beide Seiten.

Während die Nordstaaten sich früh mit den Aliens verbündet haben, sehen die fundamentalistischen Führer des Südens die Außerirdischen weit aus kritischer. Noch hat sich keine einheitliche Meinung wie im Nahen Osten durchgesetzt, ob die Aliens widernatürlich oder als Teil von Gottes Schöpfung zu betrachten seien. Daher halten sich die Südstaaten weitgehend mit Kritik oder Kampfansagen an die Aliens zurück und haben ihnen in beschränktem Umfang Überflugrechte über das eigene Territorium und die Errichtung eines einzigen, streng von den Südstaaten überwachten Medizinzentrums in Tallahassee in Florida gestattet. Die Aliens haben dies vordergründig natürlich akzeptiert und sich für das Vertrauen bedankt, verbreiten aber über verschiedene Zeitungen, deren Redakteure von ihnen kontrolliert werden, dass “es der Schaden der Südstaaten, nicht der Aliens sein werde, wenn man der Bevölkerung das Heilmittel gegen FMF vorenthalten wolle”. Dieser vorsichtig erzeugte Druck, der nun seitens der Öffentlichkeit, nicht durch die Aliens direkt entsteht, scheint erste Wirkung zu zeigen. Das Südstaatenparlament in New Orleans berät gerade über die Erlaubnis, ein zweites und drittes Medizinzentrum in Montgomery und Baton Rouge errichten zu lassen.

 

Die verseuchten Gebiete

Die verseuchten Gebiete bedecken die größten Teile der USA. In den östlichsten betroffenen Bezirken ist menschliches Leben mit Medikamenten, die der Strahlungskrankheit vorbeugen, noch möglich, doch schon bald sind Menschen auf Schutzanzüge angewiesen, um wenigstens kurze Zeit zu überleben. Dauerhafte Besiedlung ist undenkbar. Die Nordstaaten schufen vor fünf Jahren eine Schutzzone im Bundesstaat Montana, gaben diese auf Grund von Versorgungsschwierigkeiten bald wieder auf. Die Berichte über die betroffenen Gebiete widersprechen sich teils stark. Während offizielle Quellen nur von lebensfeindlichen Bedingungen und größter Gefährdung sprechen, gibt es nicht wenige, die von menschlichen wie tierischen Mutationen sprechen. Berichte, wonach sich Banden mutierter Menschen in dem am schlimmsten betroffenen Kerngebiet aufhalten sollten, wurden nie bestätigt und gehören wahrscheinlich in das Reich von Verschwörungstheorien und Ammenmärchen, die von Horrorfilmfans ins Leben gerufen wurden.

So oder so sind diese Gebiete ein Ort, der besser nicht aufgesucht werden sollten.

 

Die meisten verstrahlten Bereiche sind für Jahrzehntausende unbewohnbar. Für die USA ist besonders der Verlust der großen Agrarflächen im Mittelwesten ein herber Schlag gewesen, so dass Getreide- und Maisprodukte nun aus Kanada, den VEN oder Russland eingekauft werden müssen. Andere Verluste ließen sich im Lauf der Jahrzehnte besser kompensieren. So haben sich beispielsweise die Unternehmen, die früher in Silicon Valley ihren Sitz hatten, nun in der Nähe von Boston und in Maine niedergelassen, während Hollywood seine Filmstudios in Baltimore neu errichtete. Es wird nun von Baltiwood-Produktionen gesprochen.

Die Auswirkungen der Verseuchung sind für viele US-Amerikaner ein nationales Trauma, dass den Nationalstolz schwer belastet. Es ist aber auch Stoff für zahlreiche Filme, die seither in Baltiwood entstanden. Dass die Katastrophe nach und nach verarbeitet wird zeigt die Tatsache, dass seit etwa einem Jahrzehnt auf den Straßen Witze über Nuklearunfälle und Mutationen kursieren, die vor kurzem auch in ersten Fernsehsendungen Einzug fanden.

 

So, Herrschaften! Wir haben doch keine Zeit! Morgen geht es weiter mit einem neuen Element in der Charaktererschaffung, das Ihr so nicht im Traveller-Grundregelwerk finden werdet. Bis morgen…